US-Präsident Donald Trump wendet sich während einer Wahlkampfveranstaltung am 3. September 2020 am Arnold Palmer Regional Airport in Latrobe, Pennsylvania, an seine Unterstützer.Foto: MANDEL NGAN/AFP über Getty Images

„Diesmal kann Trump nicht mehr gewinnen“, oder?! Popularität wieder auf Stand vor Corona

Von 5. September 2020 Aktualisiert: 5. September 2020 13:34
In der Hoffnung, dass es die einzige bleiben werde, hat Politikwissenschaftler Stephan Bierling ein Buch über die bisherige Amtszeit Donald Trumps im Weißen Haus veröffentlicht. Seine in der „Welt“ geäußerte Zuversicht bezüglich eines Biden-Sieges könnte verfrüht sein.

„Sachlich und mit klarem Urteil, welche erschreckenden Resultate diese Präsidentschaft hervorgebracht hat“, aber in der wachen Hoffnung, dass diese an ihrem Ende angelangt ist, hat USA-Experte Stephan Bierling jüngst seine „Bilanz“ über Donald Trump im Weißen Haus vorgelegt. Die „Welt“ hat anlässlich der Veröffentlichung des Buches ein Interview mit dem früheren Dozenten in Texas und Kalifornien geführt – in dem dieser auf die Mobilisierung der Demokraten baut, die 2020 zum „Jahr der Abrechnung“ mit dem US-Präsidenten machen wollen.

Trump wird weiterhin auf Wähler von 2016 bauen können

„Selbstkritisch räumt er ein, im Jahr 2016 mit seiner Einschätzung, Hillary Clinton werde die Präsidentschaftswahlen gewinnen, falsch gelegen zu haben. Diesmal sei er sich jedoch sicher, dass Joe Biden die Wahl gewinnen werde. Zum einen werde die Strategie Trumps bei diesem nicht greifen, die beim letzten Mal gewirkt habe – als dieser nämlich Clinton „als Ultrafeministin und Linksradikale so sehr dämonisiert“ habe, dass sie „für einige wankelmütige Demokraten unwählbar wurde“.

Zum anderen sei man jetzt in der Lage, den Faktor der „versteckten“ Trump-Wähler besser zu erfassen, die vor vier Jahren in den Umfragen nicht aufgetaucht seien. Außerdem werde es diesmal nicht mehr ausreichen, auf die Mobilisierung der eigenen Klientel zu setzen, weil sich die Demografie weiter in Richtung demokratischer Wählergruppen verschoben habe.

Allerdings werde Trump immer noch auf drei wesentliche Gruppen bauen können, von denen man eine vor vier Jahren zu wenig im Blick gehabt habe. Das seien zum einen die Wirtschaftsliberalen und Unternehmer, die Republikaner wählen, um Regulierungen und Steuererhöhungen zu verhindern. Dann kämen die Evangelikalen, von denen man nicht gedacht hätte, dass sie sich so geschlossen hinter einem Mann vereinigen würden, dessen Lebenswandel nicht den bibeltreuen Idealen genüge. Allerdings merkten diese, dass er entschlossen sei, sie vor einem übergriffigen säkularen Staat zu beschützen.

Reicht Joe Bidens moderateres Image aus, um selbst zu mobilisieren?

Die dritte Gruppe, die man völlig unterschätzt habe, sei die der „Wutbürger“ – ältere weiße Männer ohne hohen formalen Bildungsabschluss, die den technologischen, wirtschaftlichen und demografischen Wandel fürchteten und sich von den Eliten nicht mehr respektiert fühlten.

Diese Gruppen werde Trump auf jeden Fall wieder mobilisieren können, räumt auch Bierling ein. Mehr als 90 Prozent derer, die Trump 2016 gewählt hatten, würden dies erneut tun. Das sei auch psychologisch erklärbar:

Trump hat den Wutbürgern eines versprochen: Respekt. Diese Menschen fühlten sich zwar auch materiell ausgeschlossen, aber vor allem fühlten sie sich nicht mehr respektiert. Die Eliten sahen sie als Überbleibsel der Vergangenheit, als aussterbende Gruppe. Trump hat sich als ihr Verteidiger inszeniert.“

Bierling rechnet jedoch nicht damit, dass Trump ausreichend neue Wählerschichten erschließen oder erneut in zuvor demokratische Kernschichten einbrechen könne. Er hält das moderate Image Joe Bidens für ausreichend, um dies zu verhindern.

Wo Bierlings Sachlichkeit an Grenzen stößt

Pathetisch erklärt Bierling im „Welt“-Interview, das immerhin erst aus den vergangenen Tagen stammt, die Corona-Krise wäre für Trump „der Mühlstein um seinen Hals, der ihn nach unten zieht“.

Immerhin habe er in der Krise „die Chance verspielt, seine insgesamt ruinöse Präsidentschaft neu zu beleben“, indem er sich als Landesvater etabliere, der „kompetent gegen Corona vorgeht“.

Jüngste Erhebungen vermögen eine solche Einschätzung bei einer erheblichen Anzahl an Amerikanern unterdessen jedoch nicht zu stützen. Wie Rasmussen erhob, ist die Zustimmungsrate zu Donald Trump mit 52 Prozent wieder auf dem Stand vom Februar des Jahres angelangt, vor dem Ausbruch der Corona-Krise.

Dieser Wert entspricht dem höchsten Popularitätswert, den sein Amtsvorgänger Barack Obama im Laufe seiner Amtszeit erzielen konnte – im späten Januar 2011. Der Höchstwert für Trump insgesamt waren 53 Prozent im September 2019. Sowohl George W. Bush als auch Obama hatten zum Zeitpunkt ihrer Wiederwahl einen Zustimmungsgrad von jeweils 51 Prozent.

Was Bierling auch hier offenbar verkennt, ist, dass zum einen nicht alle Bundesstaaten in den USA in gleicher Weise vom neuartigen Coronavirus betroffen sind – und dass wesentliche Zuständigkeiten zur Bekämpfung von Seuchen und Katastrophen bei den Gouverneuren liegen. Einige davon setzten radikale Lockdowns durch, andere nicht. Letztgenannte kamen verhältnismäßig gut durch die Krise, ohne der Wirtschaft nachhaltig zu schaden – und mittlerweile erholt sich diese auch landesweit wieder.

Corona-Lockdown ist in den USA kein Gewinnerthema

Mittlerweile scheint auch Joe Biden, der jüngst noch erklärt hatte, er würde einen landesweiten Lockdown verhängen, sollte „die Wissenschaft“ dies empfehlen, bemerkt zu haben, dass diese Position in den USA nicht populär ist. In jüngsten Statements versucht er, die Aussage zu relativieren. Der Umstand, dass viele Bürger in den USA einen wirtschaftlichen Zusammenbruch mehr fürchten als das Virus, lässt dies ebenso als erfolgsversprechendere Strategie erkennen wie jener, dass mittlerweile selbst im staatsgläubigen Europa erste Politiker wie Jens Spahn einräumen, dass der weitreichende Lockdown im Frühjahr aus heutiger Sicht nicht erforderlich gewesen wäre.

Was liberale Prognostiker diesmal ebenfalls unterschätzen könnten, ist das amerikanische Selbstverständnis, sich Tyrannen oder aufgehetzten Randalierern nicht zu beugen, sondern zu widersetzen. Angesichts einer Vielzahl von Beispielen, in denen Politiker der Demokraten nicht nur keine Distanzierungen von „Antifa“ oder „BLM“ über die Lippen brachten, sondern selbst aktiv zum Aufruhr anstachelten, dringt Joe Biden mit seiner Strategie nicht durch, Donald Trumps Rhetorik als Auslöser der Gewaltwelle darzustellen.

Schwarze Wähler von Gewalt und Randale abgestoßen

Die Republikaner lancieren gerade proaktiv Wahlkampfvideos, in denen sie entsprechende Aussagen zusammengeschnitten haben. Sie wenden sich damit vor allem an Menschen in Minderheiten-Communitys, die persönlich von der Gewalt und Gesetzlosigkeit betroffen waren. Dass in Bundesstaaten wie Pennsylvania, die Biden zuletzt als sicher galten, aus einem Acht-Punkte-Vorsprung in Umfragen ein Gleichstand wurde, ist vor allem einer Absetzbewegung schwarzer Wähler von den Demokraten zu verdanken. Es ist fraglich, ob Experten wie Stephan Bierling, die in den USA vorwiegend im Akademikermilieu verkehrt haben, dies berücksichtigt haben.


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