Per Hubschrauber und mit drei schwer bewaffneten Komplizen gelang Frankreichs meist gesuchtem Verbrecher am Sonntag die Flucht aus dem Gefägnis. (Symbolbild)Foto:  Christoph Schmidt/dpa

Erneute Flucht: Frankreichs #1-Verbrecher per Hubschrauber entkommen – Fahndung mit 3.000 Beamten

Epoch Times1. Juli 2018 Aktualisiert: 2. Juli 2018 17:39
Mit einem Hubschrauber ist am Sonntag der einst meistgesuchte Verbrecher Frankreichs aus der Haft geflohen. Die Flucht von Redoine Faïd aus einem Gefängnis in Réau nahe Paris habe sich in wenigen Minuten abgespielt, erklärte die Strafvollzugsbehörde.

Frankreichs einst meistgesuchtem Verbrecher ist am Sonntag eine filmreife Flucht aus dem Gefängnis gelungen – mit einem Hubschrauber. Der 46-jährige Redoine Faïd, der im April wegen eines tödlichen Raubüberfalls zu 25 Jahren Haft verurteilt worden war, hatte bei seiner Flucht in Réau nahe Paris Hilfe von drei schwer bewaffneten Komplizen, wie aus Ermittlungskreisen verlautete. Die französische Polizei leitete eine Großfahndung ein.

Faïds Flucht aus der Haftanstalt in Réau im Departement Seine-et-Marne südöstlich von Paris habe sich binnen weniger Minuten abgespielt, teilte die Strafvollzugsbehörde mit. Dabei habe es weder Verletzte noch Geiseln gegeben. „Ein bewaffnetes Kommando ist im Gefängnishof gelandet, während der Gefangene im Besucherraum war“, gab die Behörde weiter bekannt. Drei „schwer bewaffnete“ Männer hätten dem 46-Jährigen bei seiner Flucht geholfen, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus Ermittlerkreisen. Sie sollen ein Schloss zu einem Gang aufgebrochen haben, in dem Faïd mit einem seiner Brüder wartete.

Binnen wenigen Minuten war alles vorbei

Nachdem der Hubschrauber im Gefängnishof gelandet war, seien „zwei Bewaffnete“ mit Trennschleifern herausgesprungen, berichtete Martial Delabroye von der Gewerkschaft FO in dem Gefängnis. Die „schwarz gekleideten und maskierten Männer mit Polizeiarmbinden“ seien mit „Sturmgewehren vom Typ Kalaschnikow“ bewaffnet gewesen. Sie hätten Rauchbomben eingesetzt und eine Tür aufgebrochen und dann Faïd befreit.

Den Hubschrauber fand die Polizei später in Gonesse, etwa 60 Kilometer von dem Gefängnis entfernt. Die Flüchtenden versuchten offenbar noch, den Helikopter in Brand zu setzen, was aber misslang. Aus Polizeikreisen hieß es, der eigentliche Hubschrauberpilot sei zeitweise von Faïds Komplizen als Geisel genommen worden. Er sei später freigelassen und mit einem Schock ins Krankenhaus eingeliefert worden. Beamte der Spurensicherung untersuchten den Helikopter, der nach Angaben aus Ermittlerkreisen in Fontenay-Trésigny südöstlich von Paris gestartet war.

Von Gonesse aus flüchteten Faïd und seine Komplizen in einem schwarzen Renault Mégane, der später ausgebrannt auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums in der Region gefunden wurde. „Alle Kräfte wurden mobilisiert, um den Flüchtigen zu finden“, teilte das französische Innenministerium mit. Bei der Fahndung und den Kontrollen werde „die Gefährlichkeit des Flüchtigen und seiner möglichen Komplizen“ berücksichtigt. Aus Polizeikreisen erfuhr AFP, dass rund „2900 Polizisten und Gendarmen mobilisiert“ worden seien.

Justizministerin Nicole Belloubet besuchte am Sonntagabend das Gefängnis in Reau. Vermutlich hätten die Helfer „Drohnen eingesetzt, um den Ort zu auszukundschaften“. Es werde ermittelt.

Nicht seine erste spektakuläre Flucht

Faïd, auf dessen Konto nach eigenen Angaben mehrere Raubüberfälle gehen, hatte bereits im April 2013 mit einer spektakulären Flucht aus einer Haftanstalt in Nordfrankreich von sich reden gemacht. Damals hatte er im Gefängnis von Lille-Séquedin vier Wächter als Geiseln genommen und sich den Weg durch fünf Gefängnistüren mit Dynamit frei gesprengt. Danach schlüpfte er in eine Uniform, stieg in ein Fluchtauto und verschwand.

In Frankreich und Belgien wurde damals sofort eine Großfahndung gestartet. Auch Interpol wurde eingeschaltet, um den als besonders gefährlich eingestuften Mann zu finden. Sechs Wochen später wurde Faïd mit einem Komplizen in einem Hotel in der Nähe von Paris gefasst.

Der Wiederholungstäter ist in Frankreich eine Berühmtheit. 2010 veröffentlichte der Einwanderersohn, der in einem nördlichen Vorort von Paris aufwuchs, ein Buch über seine „Karriere“ als Spezialist für das Ausrauben von Geldtransportern. Er tingelte durch Talkshows, berichtete, er habe sich von Kinofilmen wie „Scarface“ und „Heat“ inspirieren lassen, und gab sich geläutert.

2011 wurde Faïd jedoch abermals wegen Verstößen gegen seine Bewährungsauflagen verhaftet, die ihm nach seiner Verurteilung wegen mehrerer Überfälle auf Banken und Geldtransporter gemacht worden waren. Im April schließlich verurteilte ein Berufungsgericht Faïd wegen eines versuchten Raubüberfalls im Großraum Paris, bei dem 2010 eine Polizistin ums Leben gekommen war, zu 25 Jahren Haft.

Nun ist der Franzose mit algerischen Wurzeln wieder einmal der meist gesuchte Mann Frankreichs – 2900 Sicherheitskräfte waren am Montag im Einsatz, die Kontrollen an den französischen Grenzen wurden verschärft, um ihn an einer Flucht ins Ausland zu hindern.

Der Ausbruch fasziniert: Die Schauspielerin Béatrice Dalle schreibt auf Instagram: „Bravo Redoine Faïd! Ganz Frankreich ist mit dir.“ Und Twitternutzer schwärmen: „Redoine Faïd ist ein Genie“ oder fordern die Verfilmung seiner Lebensgeschichte.

Der selbsternannte „Urban Cowboy“ wurde zum Vorbild für eine ganze Generation von Hoffnungslosen in den französischen Banlieues, jenen Vorstädten, in denen die Jugend-Arbeitslosigkeit nicht selten bei 50 Prozent liegt. Allerdings erinnert seine Heimatstadt Creil nördlich von Paris mit ihrer Ansammlung trister Häuserriegel weniger an Chicago als an Halle-Neustadt oder Bremen-Tenever.

Dennoch sind Selfmade-Ganoven wie Faïd – Spitzname „Doc“ – ein echtes Problem für die französische Gesellschaft – und auch für Präsident Emmanuel Macron. Während der frühere Staatschef Nicolas Sarkozy die Vorstädte noch „mit dem Kärcher säubern“ wollte, verblüffte Macron kürzlich mit der Aussage, er wolle „keinen Plan für die Banlieue“. Vielmehr setze er im Kampf gegen Drogen und Gewalt vor allem auf Eigeninitiative – von Bürgermeistern wie Bewohnern. (afp/ts)


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