Symbolbild.Foto: TOBIAS SCHWARZ/AFP/Getty Images

Abdel-Samad: „Integration ist gescheitert“ – Abgehängte der muslimischen Welt kommen nach Europa

Epoch Times8. April 2018 Aktualisiert: 8. April 2018 20:24
Europa sei naiv gewesen und habe unter dem Banner der Toleranz Gettos und Parallelgesellschaften zugelassen, meint der Islamkritiker Hamed Abdel-Samad. Dies habe vor allem den politischen Islam und die kriminellen Großfamilien gefördert, aber nicht die Integration.

Die Integration in Europa ist gescheitert – dies meinte der Islamkritiker und Politologe Hamed Abdel-Samad am Freitag in einem Interview mit der „Welt“.

Denn Europa sei naiv gewesen und habe unter dem Banner der Toleranz Gettos und Parallelgesellschaften zugelassen. 

„Diese Gettos waren sowohl für Migranten als auch für die Mehrheitsgesellschaft bequem: Die einen durften ihre Sitten und Unsitten weiterhin in Ruhe ausleben, die anderen ließen sich von den Fremden durch diese Isolation nicht stören“, so der 46-Jährige.

Erst als Gewalt, Kriminalität und Fundamentalismus aus den Gettos kamen, sei der Fehler sichtbar geworden – doch da sei es schon zu spät gewesen, erklärte Abdel-Samad. Jetzt behandle man nur die Symptome und wage sich nicht mehr an die Wurzel heran.

Fehlendes positives Nationalbewusstsein in Deutschland

Explizit auf Deutschland bezogen, gibt es laut dem Islamkritiker zwei Punkte, warum die Integration in der Bundesrepublik scheitert.

Zum einen habe Deutschland kein positives Nationalbewusstsein und keinen Gründungsmythos, wie die klassischen Einwanderungsländer USA und Kanada sie haben. „Nie wieder Krieg“ reiche nicht aus. Dies mache es den Migranten schwer, sich mit Deutschland zu identifizieren.

Muslime fühlen sich moralisch überlegen

Das größere Problem sei aber der Unwille der Migranten, dies zu tun. Insbesondere gelte dies für Menschen aus dem islamischen Kulturraum, so Abdel-Samad. Denn für sie gelte „diese Identifikation gleich als ein Verrat an der eigenen mitgebrachten Identität“.

Die kulturellen und religiösen Aspekte dürften nicht ausgeblendet werden:

„Die islamische Kultur hat sich immer als eine Antithese zum Westen gesehen. Sie hat ihr altes Reich auf Kosten von zwei Dritteln der alten christlichen Welt aufgebaut. Dann wandte sich das Blatt, und die Christen wurden stärker. Kreuzzüge und Kolonialismus hinterließen tiefe Spuren im Kollektivgedächtnis der Muslime“. 

Viele Muslime fühlen sich laut dem 46-Jährigen moralisch überlegen. Deswegen stellte Abdel-Samad die Frage: 

Wie kann man sich aber mit einer Gesellschaft identifizieren, die man als moralisch unterlegen betrachtet und sie ablösen will?“

Diese Mentalität habe aber vor allem mit den Menschen zu tun, die nach Deutschland kommen, so der Islamkritiker. 

Abgehängte der muslimischen Länder kommen nach Europa

Abdel-Samad reist viel durch Europa und die muslimischen Länder. Dabei sei ihm aufgefallen, dass die muslimische Welt ihre Haltung zur Religion modernisiere. Muslime in Europa hielten jedoch weiterhin an den veralteten Strukturen fest, meinte Abdel-Samad.

So hätten ihn Muslime in muslimischen Ländern auf der Straße angesprochen und sich für seine Aufklärungsarbeit bedankt. Von vielen Muslimen in Europa werde er hingegen angefeindet.

Als er in Casablanca und Beirut war, habe er außerdem gesehen, dass die westlich orientierten und die besser gebildeten Menschen nach Dubai flogen. Diese seien die Eliten der Länder gewesen, denn Arme bekommen in Dubai kein Visum.

Europa hingegen sei meistens das Ziel von „Abgehängten, die im Niedriglohnsektor arbeiten oder von Sozialhilfe leben“, so der Politologe.

„Masseneinwanderung und Sozialstaat gehören nicht zusammen“

Da sei die Politik gefragt, dieses Problem zu lösen, denn „Masseneinwanderung und Sozialstaat gehören nicht zusammen“, fügte Abdel-Samad hinzu. Die Massenmigration müsse kontrollierbar sein, fordert er.

Die Politik müsse die Rahmenbedingung für eine klare Migrations- und Integrationspolitik nennen. Bis jetzt gebe es kein Konzept. 

Man kann nicht nur Appelle an Migranten und Flüchtlinge senden, sondern muss mauch Sanktionierungs- und Kontrollmechanismen entwickeln. Integration muss zur Pflicht werden“, meinte Abdel-Samad. 

Insbesondere müssten der politische Islam und die kriminellen Großfamilien bekämpft werden, denn beide förderten Parallelgesellschaften, so der Politologe weiter. 

„Die Schule muss sich zu einem Ort entwickeln, wo die Schüler erfahren können, dass Freiheit viel attraktiver ist als das Korsett des Kollektivs in Migrantenmilieus“.

Vier Felder für eine erfolgreiche Integration

Seiner Meinung nach muss eine Integration auf vier Feldern stattfinden, um erfolgreich zu sein:

  1. strukturelle Integration durch Arbeit, 
  2. kulturelle Integration durch Sprache und Kultur, 
  3. soziale Integration durch Symbiosen, 
  4. emotionale Integration durch Identifikation mit dem Land.

Wenn eine gewisse Verbundenheit und Einheit hergestellt seien, bedeute dies Integration, so der Politologe.

Dies heiße aber nicht, dass man locker miteinander umgehe und alles tun könne, was einem gefalle. 

Von dieser Beliebigkeit profitieren oft nur die Radikalen, die die Vorzüge der Demokratie für sich beanspruchen, um ihre antidemokratische Gesinnung zu verbreiten“, erklärte der Islamkritiker.

Insgesamt sei die deutsche Gesellschaft geistig gespalten, resümierte Abdel-Samad. Diese Spaltung könne auch physisch werden, wenn „die Radikalen an beiden Rändern noch mehr polarisieren und mobilisieren und die Mitte der Gesellschaft lähmen“, befürchtet er.

Deswegen müssten seiner Meinung nach alle – „ob Muslime oder Zivilgesellschaft, ob Politik oder Justiz, ob Linke oder Rechte, ob Kirchen oder Flüchtlinge“ – aktiv werden und an einem Strang ziehen, damit die Integration gelinge, schloß er ab.

(as)

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