Karl Lauterbach.Foto: STEFANIE LOOS/POOL/AFP via Getty Images

Lauterbach hält noch härtere Corona-Einschränkungen für denkbar

Epoch Times20. November 2021 Aktualisiert: 20. November 2021 10:20
Karl Lauterbach warnt vor einer Verschärfung der Corona-Krise. Sollte sich die Lage nicht verbessern, könnten schärfere Maßnahmen - wie etwa in Österreich - nicht ausgeschlossen werden.

Der SPD-Politiker Karl Lauterbach hält angesichts der rasant steigenden Corona-Zahlen eine weitere Verschärfung der Einschränkungen im öffentlichen Leben für möglich. „Ich hoffe wirklich, dass wir ähnlich drastische Maßnahmen wie in Österreich noch verhindern können“, sagte Lauterbach am Samstag dem Nachrichtenportal t-online mit Blick auf den dort beschlossenen landesweiten Lockdown. Ob in Deutschland beim nächsten Bund-Länder-Treffen am 9. Dezember auch neue Einschränkungen beschlossen werden müssten, hänge nun vom Verhalten aller ab.

„Wir haben das alle gemeinsam in der Hand“, sagte Lauterbach. „Wenn wir 2G und 2G Plus nicht konsequent einhalten, werden wir ein sehr großes Problem bekommen – mit entsprechenden Verschärfungen als Folge.“

Bund und Länder hatten sich am Donnerstag auf ein einheitliches Konzept zur stufenweisen Verschärfung von Maßnahmen geeinigt. Zentraler Maßstab ist die Hospitalisierungsquote, die die Zahl der Krankenhauseinweisung von Corona-Patienten innerhalb einer Woche pro 100.000 Einwohner angibt.

So gilt ab einer Quote von 3 im Freizeitbereich flächendeckend 2G und ab 6 eine 2G-Plus-Regelung. Ab einer Rate von 9 können die Länder weitergehende Verschärfungen wie Kontaktbeschränkungen einführen.

Lauterbach räumte ein, die Pandemiebekämpfung habe in der vierten Welle nicht mehr so gut funktioniert wie in vorigen Wellen. „Wir hätten vor vier oder fünf Wochen mit schärferen Einschränkungen beginnen müssen“, sagte er t-online. „Aber die Widerstände waren damals zu groß.“

Grüne und FDP kritisieren Hospitalisierungsrate als neuen Richtwert

Indes stößt die beschlossene Hospitalisierungsquote bei zwei Ampel-Fraktionen im Bundestag auf scharfe Kritik. „Die tagesaktuelle Hospitalisierungs-Inzidenz des RKI ist aufgrund der hohen Anzahl an Nachmeldungen stets falsch niedrig“, sagte Janosch Dahmen, Gesundheitsexperte der Grünen-Fraktion, der „Welt“ (Samstagausgabe). Es sei daher ein Fehler, an dieser Kennzahl das Krisenmanagement auszurichten, so der Arzt.

„Tatsächlich dürfte die tatsächliche Hospitalisierungs-Inzidenz in jedem Bundesland fast doppelt so hoch liegen.“ Wichtiger seien aktuell andere Kennzahlen: „Die Länder sollten notwendige Entscheidungen bis auf Weiteres vor allem an der Inzidenz und der Intensivbetten-Verfügbarkeit ausrichten“, so Dahmen. „Die nun willkürlich gesetzten Grenzwerte des Hospitalisierungs-Index müssen sich erst in der Praxis bewähren und deshalb kritisch begleitet werden“, sagte Andrew Ullmann, Infektiologe und Gesundheitsexperte der FDP-Fraktion.

Der Index sei zwar grundsätzlich „ein guter Indikator“, stelle aber „nur unzureichend die anstehende Belastung in einer Region dar“.

Wichtig sei eine Zusammenschau folgender Werte: Impfquote, Booster-Rate, Intensivbettenauslastung und Infektionszahl je nach Alter. Auch aus der oppositionellen Union kommen Bedenken an dem MPK-Beschluss: „Diese Hospitalisierungsraten sind sicherlich ein wichtiger Indikator“, sagte CDU-Gesundheitsexperte Erwin Rüddel. „Sie dürfen aber nicht der eine ausschlaggebende Faktor sein, nach dem sich die Maßnahmen richten, da die Hospitalisierungsrate immer auch eine gewisse zeitliche Verzögerung mit sich bringt.“ Die Infektions-Inzidenz sei immer noch ein wichtiger Faktor, der keinesfalls vernachlässigt werden sollte.

Die Linksfraktion kritisierte den neuen Richtwert ebenfalls: „Mit der Hospitalisierungs-Inzidenz als einzigem Kriterium haben es sich die Bundesländer deutlich zu einfach gemacht“, bemängelte die Gesundheitsexpertin Kathrin Vogler. „Die zeitliche Verzögerung zwischen Infektion, Erkrankung und Krankenhauseinweisung führt dazu, dass mit dieser Kennziffer weiter hinter der Entwicklung hergelaufen wird.“ Sinnvoll wäre es, die Neuinfektionen in den besonders vulnerablen Altersgruppen sowie den R-Wert zu berücksichtigen. (dts/dpa/afp/oz)



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