Die Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1 im mecklenburgischen Lubmin.
Die Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1 im mecklenburgischen Lubmin.Foto: Jens Büttner/dpa

Nord Stream 1 abgeschaltet – Gas fließt über Ukraine

Epoch Times11. Juli 2022 Aktualisiert: 11. Juli 2022 12:48
Kein Gas mehr über Nord Stream 1. Offiziell soll der Stopp aufgrund von Wartungsarbeiten zehn Tage dauern. Russland betont, es wolle den vertraglichen Verpflichtungen nachkommen.

Nach der Abschaltung der Ostseepipeline Nord Stream 1 fließt das Gas weiter über die Ukraine nach Europa. Am Montag können nach Angaben des Betreibers des ukrainischen Gastransitnetzes 41,1 Millionen Kubikmeter Gas durchgeleitet werden. Der Umfang entspricht etwa dem der vergangenen Tage. Maximal könnten laut Vertrag 109,6 Millionen Kubikmeter Gas transportiert werden. Allerdings ist die Durchleitungsmenge auch abhängig von den Bestellungen.

Nach russischen Angaben erlaubt die Ukraine derzeit nur noch die Nutzung eines Stranges ihres Netzes für den Gastransit. Das ist aktuell die letzte noch verbliebene Gasleitung nach West- und Zentraleuropa. Am Montag wurde die wichtigste Versorgungsleitung – die von Russland nach Deutschland reichende Ostseepipeline Nord Stream 1 – wegen Wartungsarbeiten vorübergehend stillgelegt. Die Arbeiten sollten zehn Tage dauern, bis zum 21. Juli.

Russland will „vertraglichen Verpflichtungen“ nachkommen

Angesichts von Befürchtungen in Deutschland, dass Russland den Gashahn nicht wieder aufdrehen könnte, hatte ein Kremlsprecher in Moskau vergangene Woche betont, dass die Energiegroßmacht ihren vertraglichen Verpflichtungen nachkommen wolle. Der russische Staatskonzern Gazprom hatte zuletzt die Gasdurchleitung durch Nord Stream 1 gedrosselt. Als Grund dafür wurde eine fehlende Turbine genannt, die zur Reparatur nach Kanada geschickt worden war.

Kanada will die Turbine nun Deutschland übergeben. Die Ukraine hatte kritisiert, dass damit im Sinne Russlands die Sanktionen umgangen würden. Nach Kremlangaben sollen die Lieferumfänge durch Nord Stream 1 wieder hochgefahren werden, sobald die Turbine zurückkehrt. Unklar ist, wann das sein wird. Zuletzt waren wegen der fehlenden Turbine nur noch rund 40 Prozent der üblichen Gasmenge durchgeleitet worden.

Im vergangenen Jahr hatten die Wartungsarbeiten an Nord Stream 1 vom 13. Juli bis zum 23. Juli gedauert. Die Durchleitungsmenge im vergangenen Jahr lag bei 59,2 Milliarden Kubikmeter Gas.

Außerdem fertig verlegt ist die Pipeline Nord Stream 2. Sie ist zwar gefüllt, darf aber bislang nicht in Betrieb gehen. Das Genehmigungsverfahren hat Deutschland zuletzt auf Eis gelegt.

Chemische Industrie fürchtet „Herzinfarkt“ der deutschen Wirtschaft

Derweil warnt die chemische Industrie vor einer tiefen Wirtschaftskrise im Fall eines vollständigen Gasembargos. „Für den Fall eines vollständigen Gasembargos befürchte ich den Herzinfarkt der deutschen Wirtschaft, auch unserer Branche“, sagte Christian Kullmann, Präsident des Verbands der chemischen Industrie (VCI) und Evonik-Chef, der „Süddeutschen Zeitung“. Ohne Chemie stehe das Land still, „denn chemische Produkte werden für 90 Prozent aller Produktionsprozesse benötigt“.

Die Folgen für die Beschäftigten wären gravierend, es drohe „eine schlimme Krise, auch gesellschaftlich und sozial“. Kullmann stellt deshalb auch den Vorrang privater Haushalte bei der Zuteilung von Gas infrage. Die Sicherung der Arbeitsplätze und damit das Einkommen sei für die Familien sehr wichtig. „Sie steht für die Gesellschaft höher als die vollständige Sicherstellung der privaten Gasversorgung“, so Kullmann, der anfügte: „Was nützt es, wenn die Haushalte zwar weiter Gas bekämen, es aber nicht mehr bezahlen könnten?“ (dpa/dts/red)



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