Hier ist Geduld gefragt! In Nordrhein-Westfalen starten heute die Sommerferien. Entsprechend viele Menschen stehen im Düsseldorfer Flughafen in der Warteschlange, um das Gepäck für die Reise in den Urlaub abzugeben.
Hier ist Geduld gefragt! Viele Menschen stehen im Düsseldorfer Flughafen in der Warteschlange, um das Gepäck für die Reise in den Urlaub abzugeben.Foto: David Young/dpa

Verdi: „Drastische Zunahme der Gewalt“ gegen Flughafenbeschäftigte

Epoch Times28. Juni 2022 Aktualisiert: 28. Juni 2022 17:32
Verdi-Gewerkschaftssekretär Sven Bergelin betrachtet mit Sorge die Zustände an vielen deutschen Flughäfen. Die Leidtragenden der derzeitigen Probleme seien die Flughafenbeschäftigten. Nach Einschätzung des Lufthansa-Chefs wird das Chaos im Luftverkehr bis in den Herbst andauern. Die Kunden des größten Touristikanbieters scheint das nicht zu stören.

Die Probleme an den deutschen Flughäfen führen nach Gewerkschaftsangaben vermehrt zu Übergriffen gegen die Mitarbeitenden. „Wir sehen, dass der Frust der Fluggäste immer häufiger an Beschäftigten ausgelassen wird, die gar nichts für die Probleme können“, sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Sven Bergelin den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwochsausgaben). „Es gibt eine drastische Zunahme an psychischer und physischer Gewalt.“

Wegen fehlenden Personals gibt es derzeit an vielen Flughäfen Engpässe und dadurch lange Wartezeiten und andere Probleme für die Passagiere. Es wird befürchtet, dass sich die Lage während der Hauptreisezeit im Sommer weiter verschärft. Bergelin verwies noch auf ein zusätzliches Problem: „Aufgrund der hohen Belastungen vor Ort haben wir momentan eine Krankenquote von 20 Prozent an den Flughäfen.“

Die Lage an den Airports bezeichnete der Gewerkschafter als „Chaos mit Ansage“. Schon im Juni 2021 habe die Gewerkschaft davor gewarnt, dass angesichts des Personalabbaus solche Probleme auftreten könnten. „Wir sehen, dass 20 Prozent des Bodenpersonals fehlt, in absoluten Zahlen sind das 5.000 Leute.“

Bergelin appellierte an Reisewillige, ihre Pläne nach Möglichkeit anzupassen. „Es gibt Spitzentage zu Ferienbeginn, an denen man sehr lange Wartezeiten einkalkulieren muss“, sagte er. „Wenn möglich, sollte man als Urlauber versuchen, diese Spitzentage zu vermeiden.“

Flug-Chaos hält Urlauber nicht vom Reisen ab

Die Probleme im Luftverkehr können nach Einschätzung von Lufthansa-Chef Carsten Spohr nicht schnell gelöst werden.

Die von Personalmangel, Teileknappheit und eingeschränktem Luftraum geprägte Situation werde sich „kurzfristig kaum verbessern“, sagte der Chef der größten Airline-Gruppe Europas in einem Entschuldigungsschreiben an die Passagiere. Der Touristik-Konzern TUI berichtet von einer ungebrochenen Nachfrage. Verkehrsminister Volker Wissing ist nach eigener Aussage „selbst Opfer der schwierigen Zustände an den Flughäfen geworden.“ Der FDP-Politiker verweist im „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Mittwoch) auf viele gestrichene Flüge.

TUI-Deutschland-Chef Stefan Baumert sagte, „trotz aller Herausforderungen aufgrund von Personalengpässen in der Branche werden die Ferien für die überwiegende Mehrheit reibungslos verlaufen.“ Anders als manche Airlines will die konzerneigene Fluggesellschaft Tuifly keine Flüge streichen. Der Flugplan der eigenen Tuifly-Maschinen bleibe bestehen, wie auch Planungen für zusätzliche Reserveflugzeuge zu Spitzenzeiten, sagte Baumert am Montagabend in Berlin.

TUIfly ist zuversichtlich

Dem Manager zufolge stieg die Nachfrage nach Sommerreisen in den vergangenen Wochen deutlich und liegt „durchgängig über dem Niveau von 2019“. „Wir holen rasant auf und sind mehr als zuversichtlich, dass wir in diesem Jahr ein Sommergeschäft sehen, das an 2019 herankommt“, bekräftigte Baumert frühere Erwartungen. Auch die Buchungen für die Monate September und Oktober zögen seit einigen Tagen kräftig an.

TUI könne nicht feststellen, dass sich die Menschen wegen Problemen bei der Abfertigung an Flughäfen mit Buchungen zurückhielten. Es gebe auch keine Hinweise darauf, dass Kunden bei den sogenannten Flextarifen verstärkt die Option nutzten, kostenfrei bis 15 Tage vor Abreise umzubuchen oder zu stornieren. „Sie wollen alle in Urlaub“, sagte Baumert. „Aber wir verzeichnen Rekordwerte bei den Anrufen bei unseren Kundenhotlines.“

Lufthansa-Chef Carsten Spohr stimmte die Passagiere hingegen auf weitere Schwierigkeiten ein. Zwar plane die Branche allein in Europa mehrere tausend Neueinstellungen. „Dieser Kapazitätsaufbau wird sich allerdings erst im kommenden Winter stabilisierend auswirken können.“ Er entschuldigte sich im Namen des Unternehmens dafür, dass nach dem Corona-Einbruch das „Hochfahren des komplexen Luftverkehrssystems von fast Null auf derzeit wieder fast 90 Prozent“ nicht zur angestrebten Verlässlichkeit, Pünktlichkeit und Robustheit geführt habe. Der Manager räumte eigene Fehler ein und stellte fest, dass auch dem Lufthansa-Konzern in einigen Bereichen Personal fehle. (afp/dpa/mf)



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