«Gefahr» Doping-Bann: Aber Olympiasieger Schipulin lächelt

Epoch Times16. Dezember 2016 Aktualisiert: 16. Dezember 2016 12:13
Biathlon gehört zu den dopinganfälligsten Sportarten - jede Sekunde auf der Strecke kann über Sieg oder Niederlage entscheiden. 31 russische Skijäger stehen nun unter Dopingverdacht. Beweise oder Namen liegen nicht vor. Noch nicht.

Die Angst vor einem Doping-Bann gegen den Nationalsport Biathlon wächst in Russland, doch Anton Schipulin gibt sich ganz entspannt. „Diese Informationen rufen bei mir ein Lächeln hervor. Jedenfalls verfalle ich nicht in Panik“, sagt der russische Staffel-Olympiasieger von Sotschi.

„Mir scheint, dass sich hier die Politik allzu sehr in den Sport mischt. Ohne jede Beweise russische Sportler zu beschuldigen, ist zu viel. Das Ganze spitzt sich zu weit zu“, meint der beste russische Skijäger. Der Biathlon-Weltverband hatte zuvor 31 noch namenlose russische Biathleten an den Pranger gestellt.

„Wir werden das erst kommentieren, wenn es mehr Klarheit gibt“, sagt Sportminister Pawel Kolobkow angesichts der vielen offenen Fragen nach dem zweiten McLaren-Report zum vermutlich staatlich dirigierten Dopingsystem in Russland. Direkte Beweise und unverschlüsselte Namen liegen bisher nicht vor – höchstens hinter vorgehaltener Hand.

„Die Chancen, dass in einer solchen Lage in Russland der Weltcup in Tjumen und 2021 die WM stattfinden werden, sind sehr klein“, kommentiert die Tageszeitung „Sport-Express“ am Freitag und wittert Ungemach: „Natürlich müssen wir darum kämpfen – aber die größere Gefahr ist der Ausschluss aus der Biathlonfamilie.“ Nach Meinung von Schipulin wäre eine Verschiebung des Weltcups in Tjumen ungerecht.

Erik Lesser fordert indes harte Sanktionen durch den Biathlon-Weltverband IBU. „Ich hoffe, dass man knallhart durchgreift, wenn die Beweise vorliegen“, sagt der Verfolgungs-Weltmeister von 2015. „Ich denke auch, dass die IBU nicht nur die Athleten, sondern auch die Trainer, die dahinter stehen, belangen muss. Sie sollten nicht mehr an Olympischen Spielen und bei keiner IBU-Veranstaltung als Betreuer teilnehmen dürfen.“

IBU-Präsident Anders Besseberg hatte am Donnerstag die Vorwürfe gegen Russland öffentlich gemacht. Dem Weltverband IBU liegt demnach eine Liste mit 31 dopingverdächtigen russischen Athleten vor. Darunter seien aktive Sportler. Einige Athleten seien schon gesperrt, andere hätten ihre Karriere bereits beendet. Namen nannte Besseberg nicht.

Unter den Skijägern hat die Zahl der verdächtigen Russen für Entsetzen gesorgt. „Wenn nur zehn Prozent davon stimmt, ist das eine Katastrophe“, sagt Rekord-Olympiasieger und Weltmeister Ole Einar Björndalen aus Norwegen. Arnd Peiffer erklärt: „Man ist erschüttert. Aber man muss abwarten, bis man handfeste Beweise hat.“ Diese fordern auch Biathlon-Ikone Björndalen („Für mich sind alle sauber, solange sie nicht überführt sind“) und der Weltcup-Gesamtführende Martin Fourcade.

„Ich habe diese Beweise nicht, und in meiner Karriere habe ich schon oft gehört, es gibt einen großen Dopingskandal – und dann ist nichts passiert“, sagte der Franzose: „Ich kämpfe schon immer gegen Doping und habe da eine ganz klare Meinung. Ich hoffe, dass wenn die Beweise da sind, die IBU hart durchgreift.“

Die IBU könnte bereits am 22. Dezember erste Ergebnisse präsentieren. Bis kurz vor Weihnachten solle eine Expertengruppe aus fünf Nationen die 31 Fälle aus dem McLaren-Report prüfen und dem IBU-Vorstand Bericht erstatten. Im Rahmen der IBU-Anti-Doping-Regeln und des WADA-Anti-Doping-Codes solle die Expertengruppe „einschlägige Disziplinarmaßnahmen“ vorschlagen. Peiffer hofft, „dass die Weltverbände konsequent gegen dieses Dopingproblem arbeiten.“ Er hatte sich schon vorher für lebenslange Dopingsperren ausgesprochen. (dpa)

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