In einigen Regionen an der Grenze zu Polen heißt es: Stallpflicht für Schweine.Foto: iStock

Schweinepest in Brandenburg: Kleinsthaltung von Schweinen soll aufgegeben werden

Von 15. August 2021 Aktualisiert: 16. August 2021 11:01
In Brandenburg wird empfohlen, dass Bauern mit bis zu zehn Schweinen für 24 Monate die Schweinezucht aufgeben. In Frankfurt (Oder) wird der Stadtwald für die Bürger gesperrt. Öko-Schweinewirte bangen um ihre Weiden. Der Grund? Die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest.

Die Afrikanische Schweinepest breitet sich immer weiter aus, sowohl bei Haus- als auch bei Wildschweinen. Das Land Brandenburg forderte nun Inhaber von Kleinsthaltungen mit bis zu zehn Hausschweinen auf, die Haltung von Schweinen für zwei Jahre aufzugeben.

Zum Ausgleich erhalten sie 200 Euro pro Schwein. Die Landkreise und kreisfreien Städte sollen die Schweinehalter entsprechend lenken. Mit Stand Ende Juli 2021 betrifft dies insgesamt 337 Tiere bei 131 Haltern.

Frankfurter Stadtwald gesperrt

In Frankfurt (Oder) wurde wegen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) der Stadtwald für Menschen gesperrt. Die Stadtverwaltung teilte am 6. August mit, dass laut der neuen Tierseuchenverordnung der Wald, Felder und Wiesen außerhalb geschlossener Ortschaften nicht mehr betreten werden dürfen.

Am 12. August wurde zudem ein erster Fall der ASP in der Uckermark in Brandenburg gefunden. Ein Frischling wurde südwestlich von Criewen positiv auf das Virus getestet. In Brandenburg sind die Regionen Oder-Spree, Märkisch-Oderland, Frankfurt (Oder) Stadt, Spree-Neiße, Dahme-Spreewald und Barnim betroffen (insgesamt rund 1.500 Fälle). In Sachsen wurden im Landkreis Görlitz 370 Fälle gemeldet.

Komplizierte Lage für Schweinehalter

Für Schweinehalter ist die Lage derzeit äußerst angespannt, die Nachfrage nach Schweinefleisch ist aktuell geringer als üblich. Schweinehalter kritisieren zudem, dass Tiere, die nach dem Haltungsstandard der Initiative Tierwohl gehalten wurden, nicht wie angekündigt vom Handel abgenommen werden.

Öko-Schweinhalter, die Schweine im Wald oder auf der Weide großziehen, bangen vor künftigen Regelungen. Die Tiere, die Freilauf gewöhnt sind, können vermutlich nur schwer in geschlossenen Ställen untergebracht werden. Das würde meist das Ende der Öko-Schweine bedeuten.

Bei Wild- und Hausschweinen führt die Viruserkrankung meist binnen einer Woche zum Tod der Tiere. Übertragen wird die Schweinepest durch das ASF-Virus, oft durch direkten Kontakt. Möglich ist auch eine indirekte Übertragung durch Speiseabfälle, wenn diese von den (Wild-)Schweinen gefressen werden.

Der Erreger ist sehr stabil und kann auch in Lebensmitteln über mehrere Monate infektiös bleiben. Die Tiere bekommen Fieber, Magen-Darm-Beschwerden und verlieren an Gewicht. Sie neigen zu Bewegungsunlust und flüchten nicht automatisch, wenn jemand näher kommt. Manchmal kommt es zu Husten, Atemnot und Hautverfärbungen. Genaue Regelungen zum Umgang mit der Schweinepest sind in der Schweinepestverordnung (SchwPestV) enthalten.

Für Menschen ist das Virus ungefährlich

„Der Erreger der ASP ist nicht auf den Menschen übertragbar“, betont Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. „Weder vom direkten Kontakt mit kranken Tieren noch vom Verzehr von Lebensmitteln, die von infizierten Haus- oder Wildschweinen stammen, geht ein Risiko für die Gesundheit aus.“ Prof. Hensel ist Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

Das Fleisch sollte wie alles andere auch gekühlt aufbewahrt werden und beim Erhitzen und Garen mindestens für zwei Minuten eine Temperatur von 70 Grad und mehr erreichen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, keine tierischen Lebensmittel aus dem betroffenen Ausland einzuführen.

Zudem sollen Speiseabfälle nicht offen entsorgt werden. An Raststätten, Parkplätzen oder bei öffentlichen Abfallbehältern sollte kein Reiseproviant hinterlassen werden. Es wird darum gebeten, verendete Wildwscheine, die Spaziergänger im Wald entdecken, nicht zu berühren und dem zuständigen Veterinäramt oder der Polizei zu melden.

Von der Ukraine wurde die Schweinepest nachgewiesenermaßen über kontaminierte Rohwurst ins Baltikum eingeschleppt. Das Virus kann auch durch Tiertransporte, im Schlamm von Auto-Radkästen oder an Schuhsohlen weiterverbreitet werden.

Nahezu ungehinderte Ausbreitung in Westpolen

Die ASP breite sich in Westpolen ungehindert aus, erklärt Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher. Jeder sei aufgefordert, entsprechende Schutzmaßnahmen zu befolgen, auch Spaziergänger, Radfahrer oder Angler. Um die Ausbreitung einzudämmen, wurde begonnen, einen zweiten, festen Zaun entlang der Grenze zu errichten. Spaziergänger sollten die installierten Tore in den Zäunen nutzen und unbedingt wieder verschließen, nachdem sie hindurchgegangen sind.

Nonnemacher erklärt auch: „Der regelmäßige Diebstahl von Batterien an Elektrozäunen, ganzer Toren oder Zaunelementen schadet uns allen und ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat. Es gibt Tierhalter, die hier um ihre Existenz kämpfen.“

In Polen sind vor allem kleinere Bestände von der Tierseuche betroffen. Größere Unternehmen haben ihre Biosicherheitsmaßnahmen erhöht und scheinen derzeit weniger beeinflusst. Die polnische Regierung stellt für die Schweinehalter ein Hilfspaket von umgerechnet 44 Millionen Euro zur Verfügung. Darin enthalten sind Ausgleichszahlungen für entstandene finanzielle Verluste am Schweinemarkt und Kosten für die Anschaffung von Desinfektionsgeräten, Schutzkleidung, die Absicherung von Stallgebäuden etc.

Andere Länder, bei denen aktuell Fälle der ASP nachgewiesen sind, sind unter anderem die Dominikanische Republik, Korea, die Mongolei, China, Philippinen, Bhutan, Malaysia oder Russland.



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