Stromausfälle wie in Südamerika können überall passieren – auch in Deutschland

Epoch Times18. Juni 2019 Aktualisiert: 18. Juni 2019 18:41
Es wäre der Supergau der modernen Zivilisation: Ein tagelanger, flächendeckender Stromausfall in Deutschland. Kein Strom, kein Fernsehen, kein Handy. Im Gegensatz zu Europa ist Südamerika besser dagegen gewappnet – dort haben viele Dörfer ein Notstromaggregat und sind Stromausfälle gewohnt.

Sonntag, 9:00 Uhr, die Sonne scheint. In der Küche ist alles für ein entspanntes Frühstück vorbereitet, nur die Kaffeemaschine muss eingeschaltet werden. Aber nichts passiert, Stromausfall.

Was im ersten Moment nach türkischem Kaffee klingt entpuppt sich als ernsthaftes Problem, denn nicht eine Familie, sondern auch ca. 48 Millionen andere Menschen haben keinen Strom – so ähnlich mussten sich die Menschen am Wochenende in Argentinien und Uruguay gefühlt haben. Nur das auf der Südhalbkugel gerade Winter ist und damit auch meist die Heizung ausfiel.

Stromausfall „kann überall passieren“

Bestsellerautor Marc Elsberg beschäftigte sich intensiv mit den Auswirkungen eines flächendeckenden Stromausfalls. Sein Thriller „Blackout“ aus dem Jahr 2012 beschreibt einen europaweiten Stromausfall nach einem Hacker-Angriff. Der „Tagesspiegel“ sprach mit Elsberg über die reale Gefahr.

„So etwas kann jederzeit passieren, und zwar überall“, sagte der Autor nach dem Stromausfall in Südamerika. Die Gefahren seien den Bürgern aber nicht bewusst.

Elsberg erklärte, dass die meisten Stromausfälle, die wir in Europa und Deutschland erleben, kein Problem sind. Sie dauern oft nur wenige Minuten, maximal Stunden und sind lokal stark begrenzt. Doch „die digitale Vernetzung und die steigende Komplexität“ machen das Stromnetz „labiler als früher […], so dass kleine Störfälle schon ausreichen, um einen Dominoeffekt auszulösen.“

Als in Norddeutschland vor einigen Jahren mal eine Hochspannungsleitung abgeschaltet wurde, löste das eine Kettenreaktion aus. […] Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Teilen Spaniens, Italiens, Belgiens und Frankreichs.“

Der gebürtige Österreicher befürchtet, dass die Menschen in Europa schlechter auf derartige Stromausfälle vorbereitet sind als beispielsweise Südamerikaner.

In Uruguay seien „Leute Stromausfälle noch gewohnt, in vielen Dörfern gibt es Notstromaggregate. Da bricht dann das Leben nicht gleich zusammen.“ Spätestens, wenn die Akkus der Smartphones leer sind, würden die Europäer ein Problem haben.

Stromausfälle unter 24 Stunden wären zur Not bewältigbar, darüber wird es kritisch, so Elsberg. Selbst der „kleine“ Stromausfall mit etwa 30.000 betroffenen Haushalten Ende Januar in Berlin führte dazu, dass mehrere Patienten in andere Krankenhäuser verlegt werden mussten. Erst mit Hilfe des THW konnte die Stromversorgung des ebenfalls betroffenen Krankenhauses Köpenick wiederhergestellt werden.

Strom kommt aus der Steckdose, oder?

Nein. Nicht in Europa und erst recht nicht in Südamerika. Argentinien und Uruguay teilen sich ein Stromnetz, das vom gemeinschaftlich betriebenen Staudamm Salto Grande ausgeht. Der Stromausfall ging aber offenbar vom Staudamm Yacyretá aus, der an der Grenze zwischen Argentinien und Paraguay liegt.

„Wir haben derzeit nicht mehr Informationen darüber, warum es passiert ist“, sagte Argentiniens Energiestaatssekretär Gustavo Lopetegui bei einer Pressekonferenz. Eine Cyberattacke sei zwar nicht auszuschließen, gehöre aber nicht zu den wahrscheinlichsten Ursachen. Am Nachmittag, etwa sieben Stunden nach Zusammenbruch des Stromnetzes, hatten knapp zwei Drittel der Menschen wieder Strom. Bis zum späten Abend war die Stromversorgung „zu 100 Prozent“ wiederhergestellt.

In Europa würde ein derartiger Stromausfall vermutlich länger dauern, denn das europäische Stromnetz ist um einiges komplexer. Selbst ohne Störungen eines Kraftwerks wie in Südamerika ist das Stromnetz immer wieder stark gefährdet. So rief der schweizer Energienetzbetreiber Swissgrid am 20. Mai die höchste Alarmstufe aus. Der nächste Schritt wären „Lastabwürfe“ gewesen – gezielte Abschaltung des Stroms um das Netz nicht zu überlasten.

Strom aus Sonne und Wind wird uns retten? Im Gegenteil

Grund für den Alarm am 20. Mai war der übermäßige Stromexport nach Deutschland aufgrund der „Arbeitsverweigerung“ der deutschen erneuerbaren Energien.

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Doch egal wie viel Energie die Erneuerbaren liefern, die Stromversorgung nach einem Blackout wieder aufzubauen, gelingt nicht allein mit Sonne und Wind. Deren Stromerzeugung unterliegen starken Schwankungen und müssen auf ein bereits vorhandenes, stabiles 50-Hertz-Stromnetz „aufgeschaltet“ werden. Andernfalls würde das Netz sofort wieder zusammenbrechen.

Für den Fall der Fälle hält Autor Marc Elsberg sich an die Empfehlungen der Katastrophenschutzbehörde. Er hat zwar kein Notstromaggregat im Keller, aber stets genug Lebensmittel für zwei Wochen […], dazu Taschenlampen und Streichhölzer.“ (ts)