Corona-Teststation während des Lockdowns in Jing‘an, Shanghai, am 4. April 2022.Foto: HECTOR RETAMAL/AFP via Getty Images

Lockdown: Lage im Corona-Kessel Shanghai spitzt sich zu

Von 16. April 2022 Aktualisiert: 16. April 2022 19:13
Mit Robo-Dog und Drohne werden die Menschen in Shanghai an die Verhaltensregeln erinnert. Wer infiziert ist, wird in zentrale Quarantäne-Einrichtungen weggebracht. Offenbar werden sogar Haustiere infizierter Menschen getötet. Und es herrscht Hunger in Chinas reichster Metropole.


Kürzlich veröffentlichte die US-Botschaft in China eine beunruhigende Reisewarnung für amerikanische Bürger. Diese sollten mögliche Reisen in den kommunistischen Staat überdenken  – „aufgrund der willkürlichen Durchsetzung lokaler Gesetze und COVID-19-bezogener Einschränkungen“. Besonders wurde unter anderem vor Reisen nach Shanghai gewarnt. Dort – und mittlerweile auch in anderen Regionen, wie Hongkong und der Provinz Jilin –bestehe aufgrund der Corona-Maßnahmen sogar die Gefahr, „dass Eltern und Kinder getrennt würden“.

Hunger in Shanghai

„Etwa seit Ende März ist Shanghai größtenteils abgeriegelt und soll es noch mindestens bis zum 1. Mai bleiben“, erklärte jüngst die Stadtverwaltung laut der amerikanischen Epoch Times. Vereinzelt wird in Medien über erste Lockerungen berichtet. Wohngebiete, die über 14 Tage keine Neuinfektionen hätten, würden unter bestimmten Bedingungen geöffnet.

Die Menschen in der direkt der Zentralregierung in Peking unterstehenden 26-Millionen-Metropole sitzen eingesperrt in ihren Wohnungen und hungern aufgrund des Lockdowns. Bewohner schließen sich zu Einkaufsgemeinschaften zusammen und bestellen bei Großlieferanten am Stadtrand. Was folgt, ist ein Verteilproblem mit den riesigen Mindesteinkaufsmengen. Die normalen Lieferdienste sind hingegen hoffnungslos überlastet, die Vorräte vieler Menschen schwinden oder sind bereits aufgebraucht und die Nahrungsmittellieferungen der Regierung sind offensichtlich unzureichend. Dabei gilt Shanghai als die reichste Stadt Chinas – und dennoch erleben deren Bürger gerade eine menschengemachte Hungersnot.

Alle werden getestet, immer wieder. Dazu werden in Wohnungen Tests durchgeführt oder auf den Straßen Teststationen aufgebaut, zu denen die Menschen kommen müssen. Wer infiziert ist, kommt in Massenunterkünfte. Doch wie kommen die Menschen dorthin? Sie werden abgeholt. In einem Internetvideo ist zu sehen, wie ein Mann sich vor den „Gesundheitshäschern“ in Schutzkleidung auf seinen Balkon flüchtet. Doch die beauftragten Männer rücken nach und überwältigen ihn schließlich.

In einem anderen Video wird ein Mann mit gabelartigen Abstandshaltern fixiert. Er erklärt den „Gesundheitsmännern“ immer wieder, dass er kein Gesetz gebrochen habe. Er will die Polizei anrufen. Ob diese im tatsächlich helfen wird? Schwer zu sagen.

Null-COVID-Politik und hochinfektiöse Omikron-Variante

Das für die Massentests der zig Millionen Einwohner massiv eingesetzte medizinische Personal der Stadt fehlt wiederum in den Krankenhäusern, was die medizinische Versorgung stark beeinträchtigt. Menschen sterben in ihren Wohnungen – nicht an COVID-19, sondern als unbehandelte Notfälle, beispielsweise an Herzinfarkten.

Wie die „Tagesschau“ berichtet, hätten die Shanghaier Behörden mehr als 250.000 Corona-Fälle registriert, täglich kämen mehr als 20.000 dazu. Ein Stadtsprecher der Pandemie-Behörde habe gesagt, dass die hohen Ansteckungszahlen aufgrund der Omikron-Variante entständen. Sie verbreite sich rasch und sei schwer zu entdecken. Meist infiziere man sich innerhalb der Familie. Medizinische Behandlungen würden berichteten Fällen nach verweigert, weil die Leute ihre Wohnungen nicht verlassen dürften. Es sei offenbar zu mehreren Selbstmorden gekommen. Laut ARD sei das schwer verifizierbar, da sich auch Journalisten nicht frei in der Stadt bewegen dürften.

Bekämpfung der Haustiere?

In einem befremdlich erscheinenden Video informiert ein Roboterhund in einer menschenleeren Straße die Anwohner monoton per Megafon, was die Menschen zu machen haben: „Pandemiemaßnahmen: Maske tragen, Hände häufig waschen, Körpertemperatur messen, Raum lüften, oft desinfizieren.“

Die normalen Hunde und Katzen stehen jedoch auf der anderen Seite der Null-COVID-Politik der kommunistischen Partei, die offenbar sogar Haustiere einfangen und wohl sogar töten lässt, um die Ausbreitung des Coronavirus damit aufzuhalten. Von positiv getesteten Menschen werden die Haustiere Berichten nach ausnahmslos getötet, Hunde, Katzen, Vögel. Ob so etwas systematisch geschieht, ist derzeit nicht verifizierbar.

Verzweiflung in Shanghai

Nach Angaben der chinesischen Ausgabe des US-Senders NTDTV seien die Bewohner der Shanghaier Zhangjiang Nashi International Community in der Pudong New Area am 12. April von den Behörden darüber informiert worden, dass elf Gebäude zur Errichtung von zentralen Quarantäne-Einrichtung beschlagnahmt wurden. Die Bewohner wurden zur Räumung aufgefordert. Am 14. April kam es daraufhin zu Protesten von Anwohnern, Zusammenstößen mit der Polizei und Festnahmen. Ein entsprechendes Video schildert die Situation. Eine Frau schreit: „Was machst du mit dem alten Mann? Was machst du mit dem alten Mann?“, während eine andere Kotau vor der Polizei macht und ruft: „Ich bitte Sie.“

In einem anderen Video aus Shanghai dieser Tage schreien die Leute in ihren Hochhauswohnungen ihre Hoffnungslosigkeit heraus. Sie schreien nichts Bestimmtes. Der Filmer kommentiert: „Jeder schreit jetzt.“ Die Bewohner seien verwirrt und man erhalte keine Erklärungen für die Umstände. Etwas Schlimmes wird passieren, wenn das so weitergeht.“

Indes setzen die Behörden auch Drohnen ein, die in der Nacht die Bürger von Shanghai an die Regeln erinnern: Eine Drohne erscheint: „Bitte halten Sie sich an die COVID-Beschränkungen. Kontrolliere das Verlangen deiner Seele nach Freiheit. Öffne nicht das Fenster und singe nicht.“



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