Hamburgs Innensenator Andi Grote (SPD) musste sich den Vorwürfen im Hamburger Senat stellen: Warum wurde Ahmad A. von den Behörden derart unterschätzt, sogar noch, als er im langen islamischen Mantel bei den Behörden erschien?

Keine „Terror-Anklage“: Mord-Prozess gegen Edeka-Killer von Hamburg-Barmbek beginnt am Freitag – Die Verwandlung des Ahmad A.

Epoch Times9. Januar 2018 Aktualisiert: 12. Januar 2018 20:35
Ab 12. Januar beginnt der Prozess gegen den islamistischen Edeka-Killer Ahmad Alhaw. Der abgelehnte Asylbewerber hatte im Juli einen Messer-Anschlag in Hamburg-Barmbek verübt. Dabei starb ein Mann, mehrere weitere Personen wurden teils schwer verletzt.

Obwohl die Bundesanwaltschaft davon ausgeht, dass Ahmed Alhaw (26), abgelehnter Asylbewerber und radikalisierter palästinensischer Islamist, die blutige Messer-Attacke auf Kunden des Barmbeker Edeka-Marktes am 28. Juli 2017 als „Beitrag zum weltweiten Dschihad verstanden wissen“ wollte, sei er aber, so die Ansicht der Behörde, kein Teil eines extremistischen Netzwerks gewesen.

Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen wird der Prozess am Freitag, 12. Januar vor dem Staatsschutzsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Hamburg beginnen und nach bisheriger Planung neun Verhandlungstage andauern. Das Urteil wird frühestens am 2. März erwartet.

Kein Terror, „nur“ Mord

Deshalb wird sich Ahmed A. in dem voraussichtlich bis März laufenden Prozess vor dem Staatsschutzsenat nicht wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verantworten müssen, sondern „nur“ wegen Mordes, sechsfachen versuchten Mordes und sechsfacher gefährlicher Körperverletzung.

In seinem Zimmer in einer Hamburger Flüchtlingsunterkunft bewahrte er eine selbst gebastelte IS-Flagge auf, die die Polizei später fand.

Allerdings, wie „Focus“ berichtet, wurde nach der Tat zwar viel über eine organisatorische Verbindung zur Terror-Gruppe „Islamischer Staat“ spekuliert, belastbare Hinweise dafür habe man aber nicht gefunden.

Wie die „Bild“ nach dem Anschlag berichtete, vermieden die Spitzenpolitiker schon damals den Begriff „Terror“ in ihren Worten: Bundeskanzlerin Merkel sprach von einer „Gewalttat“, Hamburgs SPD-Bürgermeister Scholz von einem „bösartigen Anschlag“.

Doch „Terror“ oder lateinisch „terror“ würde „Schrecken“ übersetzt bedeuten. Laut den Vereinten Nationen definiert sich Terrorismus, ungeachtet der „Beweggründe und gleichviel wann und von wem“ begangen klar als:

… Straftaten, namentlich auch gegen Zivilpersonen, (…) Tod oder schwere Körperverletzung (…) oder Geiselnahmen, mit dem Ziel (…) die ganze Bevölkerung, eine Gruppe von Personen oder einzelne Personen in Angst und Schrecken zu versetzen, eine Bevölkerung einzuschüchtern …“

(UN-Sicherheitsrat, Resolution 1566, 8. Oktober 2004) [mehrsprachig]

[deutscher Text hier]

Die „Bild“ erinnerte daran, dass die Dimension des Anschlags von Hamburg-Barmbek zwar eine andere als die des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidtplatz war, aber Motivation und Vorgehen sich nicht voneinander unterschieden.

Den Entschluss zu der Mordtat hatte er erst am Tattag getroffen, berichtete der „NDR“. Demnach hatte Ahmad A. zuerst überlegt – wie der Nizza-Attentäter oder Amri auf dem Berliner Weihnachtsmarkt – mit einem Lastwagen oder Auto zu morden. Dann entschied er sich aber für eine Messer-Attacke.

Nicht gefährlich, nur Islamist

Der Fall brachte auch einige Behördenpannen ans Tageslicht.

Obwohl Mitarbeiter des Verfassungsschutzes bereits im November 2016 mit dem Palästinenser sprachen, stuften sie ihn nur als „Verdachtsfall Islamist“ – also nur einer von 800 in Hamburg gespeicherten Islamisten – und nicht als „Gefährder“ ein.

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Der Fall und die damit verbundenen Pannen auf mehreren Ebenen wurde später auf politischer Ebene im Senat aufgearbeitet.

Die zutage getretenen Verfehlungen im Vorfeld des Attentats von Barmbek machen sprachlos. Es haben offensichtlich alle politischen und behördlichen Ebenen einzeln und in Zusammenarbeit versagt.“

(Anna von Treuenfels-Frowein, stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bürgerschaftsfraktion)

Die Behörden sahen laut einem Bericht von „Focus“ bei Ahmad A. lediglich Anzeichen psychischer Labilität. Der Palästinenser machte demnach Deutschland für die Zugangsbeschränkungen von Muslimen zum Jerusalemer Tempelberg durch den Staat Israel mitverantwortlich.

Die Terroristen vom IS vereinnahmten den Fall, entgegen ihrer sonstigen Vorgehensweise, nicht, als von einem ihrer „Soldaten“ verübt. Über die Gründe kann nur spekuliert werden. Vielleicht war es, weil in diesem Fall muslimische und westliche Augenzeugen den Täter verfolgten und überwältigten.

Wie die „Welt“ vor wenigen Tagen berichtete, kam ein Sachverständigengutachten zu dem Schluss, dass Ahmad A. voll schuldfähig sei und keine gravierenden psychischen Störungen habe. Dieser Befund sei jedoch noch vorläufig und könne sich im Verlauf des Prozesses ändern.

Täter sieht sich selbst als Terrorist

Grund genug für Ahmed A., noch vor seiner drohenden Abschiebung, in einer Art Vergeltungs- oder Bestrafungs-Akt möglichst viele deutsche Christen umzubringen. Dazu wollte der nun angeklagte Attentäter laut Bundesanwaltschaft seine Tat „im Kontext islamistischer Anschläge“ wahrgenommen wissen.

Dazu nahm er am Nachmittag des Tattages ein großes Küchenmesser aus dem Sortiment des Edeka-Marktes und stach hinterrücks auf zwei Kunden ein. Ein Mann (50) stirbt, ein weiterer wird schwer verletzt. Im Eingangsbereich trifft er auf einen 19-Jährigen, sticht zu. Das Opfer wird später notoperiert, überlebt.

Dann rennt der Täter mit erhobenen Armen auf die Straße, schreit „Allahu Akbar“ und verletzt weitere Passanten mit und ohne Messer. Dann nehmen Augenzeugen die Verfolgung auf und stoppen Ahmad A. schließlich mit Stühlen, Stangen und Steinen, noch bevor die Polizei eintrifft.

Die Verwandlung des Ahmad Alhaw

Am 6. Dezember 2016 tauchte Ahmad A. in einem arabisch-islamischen langen Mantel mit spitzer Kapuze, Djellaba genannt, unangemeldet und „aufgedreht“ wirkend beim Einwohnermeldeamt auf und kündigte an, Deutschland freiwillig in Richtung Gaza verlassen zu wollen.

Der Zimmernachbar von Ahmad A. im Asylheim berichtete, dass der Palästinenser früher viel Alkohol getrunken, Haschisch und Kokain konsumiert habe. Am Ende habe er sein Zimmer kaum noch verlassen. Andere Mitbewohner erzählten, dass er „verrückt“ gewesen sei und oft „Allahu Akbar“ über den Flur gerufen habe und laut Koran-Suren in Flüchtlings-Cafès vorgetragen habe. Dort hatte er auch in ein langes Gewand gekleidet prophezeit: „Der Terror wird auch hierherkommen.“

Radikalisiert hatte sich der abgelehnte Asylbewerber wahrscheinlich in der Assahaba-Moschee, rund 200 Meter vom Tatort Edeka entfernt, einem stadtbekannten Treffpunkt für radikale Islamisten. Hier ging Ahmad A., der Attentäter aus dem Supermarkt, ein und aus.

Schon 2015 warnte der Verfassungsschutz vor dem salafistischen Prediger Baher Ibrahim alias „Abu Abdullah“, der in der Moschee predigte und Jugendliche radikalisiert haben soll. Einige von ihnen gingen später nach Syrien, berichtet die „Welt“.

Der Prediger wurde vom Vorstand nach den Meldungen in der Presse ausgewechselt. Doch auch am Tattag gab die Moschee kein gutes Bild ab: Nach einer Predigt des Imams Ahmed Mohamed ging Ahmad Alhaw los, zum Edeka …

Ahmad A. kam 2009 bereits mit dem Flugzeug von Ägypten aus nach Norwegen, reiste weiter nach Schweden, nach Spanien, wieder zurück nach Norwegen, bis er im März 2015 in Deutschland ankam.

Offenbar fielen die Worte des Predigers in Barmbek bei dem Palästinenser auf gefährlichen Boden. Andere Teilnehmer der Predigt sahen diese vielleicht nüchterner: Vorstandsmitglied Ismail Ismail sagte: „Drei der Helden von Barmbek haben ebenfalls die Predigt am 28. Juli gehört. Und sie sind danach nicht ausgerastet, sondern haben ihre Mitmenschen verteidigt.“

Und Imam Ahmed Mohamed, der die Predigt hielt, welche Ahmad A. nach eigenen Aussagen aufgewühlt hatte, sagte: „Dieser Mensch ist psychisch krank und gehört in die Psychiatrie. Mehr kann ich dazu nicht sagen.“