Mehr Messer-Attacken in NRW: SPD fordert Statistik – doch nicht zur Täterherkunft

Die Zahlen der Messer-Attacken (auch) in NRW steigen rasant. Nun fordern die Landtagsfraktion der SPD und die Polizeigewerkschaft eine spezielle Aufführung von derartigen Angriffen in der Polizeistatistik. Was jedoch nicht gefordert wurde, ist die statistische Aufführung der Täterherkunft, was nötig wäre, um die Problematik umfassend zu verstehen.

Duisburg (44), Köln (39), Essen (34) und Bonn (33) – Das sind die Zahlen der Messer-Attacken in den genannten NRW-Städten allein von September 2017 bis Anfang März dieses Jahres. Landesweit wurden 570 Angriffe mit Stichwaffen ausgeführt. Das macht mehr als ein Viertel aller 2.075 Angriffe überhaupt aus.

Die Zahlen stammen aus einer eigenen Auswertung von Polizei-Pressemeldungen durch die SPD-Fraktion im Landtag, denn eine spezielle Ausweisung in der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik gibt es bisher nicht, berichtet der „Bonner Generalanzeiger“ nach DPA-Angaben.

Auch bundesweit soll es keine derartige Statistik geben. Doch laut Ganzke wäre dies technisch gesehen kein Problem.

Bisher werden nur Messer-Attacken auf Polizisten statistisch aufgeführt, nicht jedoch die auf gewöhnliche Bürger.

Sekunden zwischen Leben und Tod

Wie berichtet wird, herrsche in Polizeikreisen und auch in der Öffentlichkeit der Eindruck, dass vor allem jugendliche Täter immer öfter das Messer zücken würden, erklärte der innenpolitische Fraktionssprecher der SPD, Hartmut Ganzke, Donnerstag letzter Woche in Düsseldorf.

SPD-Fraktions-Vize Thomas Kutschaty erläuterte, dass Angriffe mit Stichwaffen „brutal gefährlich“ seien und oft einen tödlichen Ausgang hätten: „Man kann sie überall kaufen und fühlt sich vermeintlich sicherer damit“, so der Politiker.

Doch genau da ist offenbar auch das Problem, wie die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnt:

Die Jugendlichen übersehen dabei, dass sich aus dem Einsatz eines Messers in Sekundenbruchteilen eine lebensgefährliche Situation ergeben kann.“

(Arnold Plickert, Landeschef GdP)

Nur wenn man die „Dimension dieses neuen, gefährlichen Trends“ genau kenne, sei man in der Lage, wirksame Gegenmaßnahmen zu ergreifen, sagte Plickert.

Mehr Anti-Messer-Training als Lösung?

Um das Problem zu lösen, schlägt SPD-Innenpolitiker Ganzke eine Schwerpunktausbildung junger Polizisten gegen Messer vor. Auch könne die Ausrüstung verbessert werden. Man müsse Konzepte erarbeiten, Messer-Attacken entgegenzuwirken. Dazu müsse es belastbare Zahlen geben.

Erinnern tut diese sogenannte Lösung aber eher an die „Eine Armlänge Abstand“-Methode der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker oder das Einrichten von Frauen-Schutzzelten zu Silvester in Berlin im Kampf gegen Sex-Attacken. Auch im Kampf gegen Messer-Attacken gibt es nun ähnlich „wirksame“ Tipps, diesmal vom NRW-Innenminister:

Bürgerinnen und Bürger werden einfach sensibler sein müssen. Man muss nicht unbedingt Menschen nah an sich heranlassen.“

(Herbert Reul, Innenminister NRW, CDU)

Polizisten würde man zudem dadurch schützen, dass man sie mit Schutzwesten ausstatte und in Schulungen vorbereite, so Reul.

Neuer Trend – doch woher?

Um also diesem „neuen, gefährlichen Trend“, wie GdP-Landeschef Plickert ihn nannte – woher auch immer dieser gekommen sein mag – entgegenzutreten, wird nun also versucht, die Polizei darauf einzustellen und den Bürger geraten, vorsichtiger zu sein. Zudem will man nun Näheres über die zahlenmäßige Häufigkeit von diesem „Trend“ wissen, so die Forderungen.

Allerdings war es offenbar nicht Inhalt der Forderungen der SPD-Fraktion, über die Täter selbst eine Statistik einzuführen. Dazu müsste man sich die Frage stellen, ob es Bevölkerungsgruppen gibt, die tendenziell stärker zum Einsatz von Messern neigen.

Zuletzt erschütterten brutale Messer-Morde an Mädchen das Land: Mia, Keira, Mireille. Auch bei vollzogenen oder versuchten Ehrenmorden war das Messer als Tatwerkzeug beliebt. Die Fälle wurden weniger bekannt.

Auch bei islamistischen Attacken findet das Messer aus vielerlei Gründen Anwendung. Außer einigen Fällen in London im vergangenen Jahr, geschahen solche auch in Deutschland, in Hamburg-Barmbek beispielsweise oder in Prien am Chiemsee.

Als sich dann in Cottbus nach mehreren Messer-Attacken junger Flüchtlinge auf Passanten vor einem Einkaufszentrum und auf einen Jugendlichen ebendort ankündigte, dass es bald Tote geben wird, wenn sich nichts ändert, gingen dort die Menschen erstmals seit 1989 wieder auf die Straße.

Vielfach wurde ihnen rechte Hetze, Hass und Rassismus vorgeworfen, ganz so, wie es wohl dem Denken derer entspricht, die diese Vorwürfe anbrachten. Doch den Menschen ging es offenbar um ganz etwas anderes. Sie gingen auf die Straße für ihre Heimat und für eine lebenswerte Zukunft – ohne Messer-Attacken und ständiger Angst.

Siehe auch:

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