Frauen mit ihren Kindern in Afrika.Foto: JEKESAI NJIKIZANA/AFP/Getty Images

„Rassismus“-Vorwurf holt Bundesregierung ein: Linke schäumt nach Interview des Afrika-Beauftragten Nooke

Von 19. Oktober 2018 Aktualisiert: 20. Oktober 2018 12:53
Böse Zungen behaupten, beim heutigen Stand der Political Correctness sei nicht einmal mehr Schweigen ein probates Mittel, um dem Vorwurf des „Rassismus“ zu entgehen. Nun hat es auch den Afrika-Beauftragten der Bundesregierung und früheren DDR-Dissidenten Günter Nooke erwischt. Sein Delikt: Nachdenken über Afrika.

Bis zum Jahr 2050 könnte der afrikanische Kontinent Berechnungen zufolge einen Bevölkerungszuwachs in Höhe von insgesamt 1,3 Milliarden Menschen erleben. Dies entspräche der heutigen Einwohnerzahl der Volksrepublik China. Nun ist das für sich allein betrachtet sicher kein Grund zur Beunruhigung, denn zum einen ist der afrikanische Kontinent deutlich größer als diese und so wenig wie es massenhafte Wanderungsbewegungen aus Ostasien nach Europa gibt, sind Wanderungsströme aus Afrika ein Naturgesetz.

Fakt ist jedoch, dass es zurzeit massive Wanderungsbewegungen auf dem afrikanischen Kontinent gibt und diese sehr häufig in Richtung Europa verlaufen. Von der demografischen Zusammensetzung her betrachtet sind diese Wanderungsströme nicht sehr ausgewogen. Die Beteiligten sind zumeist jung, männlich und alleinstehend, die Ausbildungssituation der Betreffenden ist im Regelfall keine, die realistische Hoffnungen auf einen raschen beruflichen Aufstieg in Europa weckt. Geholfen ist damit weder den Herkunfts- noch den Ankunftsländern.

Dies aber sind hinreichende Gründe, um sich etwas intensiver mit der Situation auf dem Kontinent auseinanderzusetzen und diese mit dem Ziel zu analysieren, Wege zu finden, um Menschen vor Ort eine dauerhafte Perspektive einzuräumen.

„Relativierung von Kolonialverbrechen“

Der Afrika-Beauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke, hat dies getan und jüngst mit der „BZ“ über die dortige Situation und mögliche Strategien gesprochen. Seine Aussagen im Interview haben vor allem auf der äußersten Linken für Schnappatmung gesorgt – was auf den ersten Blick verwundern mag. Immerhin hatte Nooke zwar das Bündnis 90 wegen dessen Vereinnahmung durch die Grünen verlassen, sonst aber fiel er kaum durch einen allzu robusten Antikommunismus auf, wie man ihn etwa von anderen Bürgerrechtlern wie Vera Lengsfeld oder Hubertus Knabe kannte.

Nicht weniger als „Rassismus“ wirft man Nooke nun aber vor. Der Bundestagsabgeordnete Niema Movassat (Die Linke) fordert seine Entlassung, Christoph Matschie von der SPD gibt sich ebenfalls empört, Kirsten Kappert-Gonther spricht gar von einer „Relativierung der deutschen und europäischen Kolonialverbrechen“.

Die frühere Parteizeitung der totalitären SED, das „Neue Deutschland“, spannt einen Bogen von Nookes Befürwortung der Totalitarismus-Theorie hin zu dessen vermeintlicher Verharmlosung des Kolonialismus. Der ebenfalls orthodox-marxistisch dominierte deutschsprachige Ableger des russischen Auslandssenders RT meint, Nooke habe sich „eine ungeheuerliche Relativierung der imperialen Ausbeutung im Namen der zivilisatorischen Überlegenheit“ geleistet.

Dabei ist Nooke im gesamten Interview nie auch nur in die Nähe von Schilderungen über die vermeintliche afrikanische Mentalität gekommen, wie man sie etwa aus diversen in der DDR erschienen Büchern über sozialistische Aufbauhelfer kannte. Anders als der rote Popstar Ernesto „Ché“ Guevara hat er auch weder den gemeinen Schwarzafrikaner als „träge und einen Träumer“ bezeichnet noch diesem attestiert, sich „aufgrund seiner fehlenden Affinität zum Baden“ seine „rassische Reinheit“ bewahrt zu haben.

Mannigfaltige Katastrophen nach der Entkolonialisierung

Stattdessen hatte Nooke, offenbar inspiriert durch eine Aussage des britisch-sudanesischen Unternehmers Mo Ibrahim, angedeutet, der Kalte Krieg habe sich auf die Situation in Afrika heute schlimmer ausgewirkt als die Kolonialzeit.

Wörtlich antwortete er auf die Frage, inwieweit bestehende Missstände auf dem afrikanischen Kontinent eine Folge der Kolonialzeit seien, mit der Aussage:

„Es gibt schon Nachwirkungen. Schlimm waren die Sklaventransporte nach Nordamerika. Auf der anderen Seite hat die Kolonialzeit dazu beigetragen, den Kontinent aus archaischen Strukturen zu lösen. Experten, auch Afrikaner, sagen: Der Kalte Krieg hat Afrika mehr geschadet als die Kolonialzeit.“

Nun entspricht es zwar nicht dem „antiimperialistischen“ Narrativ, aber durchaus der geschichtlichen Wahrheit, dass die Sklaventransporte tatsächlich nicht ohne die „archaischen Strukturen“ der Vorkolonialära denkbar gewesen wären. Afrikanische Stammeshäuptlinge selbst hatten nicht selten als Verkäufer ein Vermögen mit der Sklaverei gemacht.

Zudem aber fielen zahlreiche Ereignisse, die afrikanische Länder nachhaltig zerstört hatten, nachweislich erst in die Zeit des Kalten Krieges – von Operettendiktaturen wie jener des „Kaisers“ Jean-Bedel Bokassa oder von Idi Amin bis hin zur Hungersnot im sozialistischen Äthiopien. Genau dies hat Nooke im Interview auch angesprochen. Dass nicht zuletzt sozialistische Kommandowirtschaften – angestachelt durch „antiimperialistische“ Mythen – die Folgen ihrer Misswirtschaft mittlerweile sogar durch rassistische Willkürmaßnahmen wie 2000 in Simbabwe oder heute in Südafrika in den Griff zu bekommen versuchen, wird sich auch nur noch schwerlich mit dem kolonialen Erbe in Verbindung setzen lassen.

Nooke erkennt Andersartigkeit der Strukturen an

Stattdessen zeigen solche Ereignisse, dass es in weiten Teilen Afrikas an wirtschaftlicher Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, funktionstüchtigen Institutionen und konsequentem Vorgehen gegen Korruption fehlt. Länder wie Nigeria oder Äthiopien, die in den letzten Jahren deutliche Aufwärtsentwicklungen zu verzeichnen hatten, stoßen dadurch an ihre Grenzen.

Nooke meinte dazu:

„Nach der Unabhängigkeit ab 1960 haben sich Ost wie West je ihre eigenen Diktatoren gehalten. Demokratie wurde nicht erlernt, eine freie Entwicklung nicht zugelassen. In dieser Zeit sind mehr korrupte Eliten entstanden als in der Kolonialzeit. Nach 1990 hätte man da einiges abarbeiten können. Aber das ist nicht geschehen.“

Anders als Ideologen suggerieren, macht Nooke in keiner Weise den Eindruck, er würde dem afrikanischen Kontinent stur europäische oder westliche Vorstellungen überstülpen wollen. Er erkennt die Andersartigkeit der Geschichte, der Traditionen und der Strukturen an und sieht die Chancen ebenso wie die Investitionsrisiken.

Zweifellos verfällt er bisweilen selbst Fehleinschätzungen und ideologischen Dogmen, die auch in Europa selbst viel Flurschaden anrichten. So ist es nicht zuletzt die EU selbst, die auf protektionistische Weise Afrikas Anbietern den Zugang zu den Weltmärkten einschränkt. Auch die Öko- und Klimaideologie spielt eine Rolle bei der fehlenden Freiheit afrikanischer Staaten, ihre Bodenschätze und Rohstoffe optimal zu nutzen. Andererseits hat Nooke auch einen Punkt für sich, wenn er die Gefahr einer einseitigen Rohstoffabhängigkeit afrikanischer Volkswirtschaften anspricht.

„Überbevölkerung“ ist europäischer Mythos

Auch der Hinweis auf das Bevölkerungswachstum – AfD-Politiker Björn Höcke sprach einst vom „afrikanischen Ausbreitungstyp“ – ist wohl eher der Angst vor nicht bewältigbaren Wanderungsbewegungen nach Europa geschuldet als einer tatsächlichen negativen Wirkung auf die Entwicklung der betreffenden Gemeinwesen. Familien mit bis zu zehn Kindern waren insbesondere im ländlichen Raum auch in Europa noch bis in die Zwischenkriegszeit hinein alltäglich.

Mit seiner Forderung nach dem Fall von Zollschranken spricht Nooke ein bedeutendes Thema an. Auch thematisiert er zurecht, dass es niemandem hilft, den afrikanischen Ländern durch offene Grenzen in Europa den dynamischen, mobilen Bevölkerungsteil abzunehmen. Fachkräfte werden vor Ort gebraucht.

Auch die Idee, afrikanische Regierungschefs könnten gegen eine Pacht ein Stück territorialer Hoheit abgeben und dort für 50 Jahre eine freie Entwicklung zulassen, ist zumindest eine, die man weiterverfolgen könnte.

„Dort könnten in Wirtschaftssonderzonen Migranten angesiedelt werden, unterstützt von der Weltbank oder der EU oder einzelnen Staaten“, erläutert Nooke seine Vorstellung. „Der Grundgedanke ist, dass daraus Wachstum und Wohlstand entsteht.“

Elementar ist jedenfalls auch die Gewährleistung eines rechtsstaatlichen Rahmens, zu dem auch eine effektive Rechtsdurchsetzung gehört.

„Investoren könnten Werke bauen und vor Ort produzieren. In Infrastrukturprojekten würden Afrikaner angestellt. Ganz wichtig sind ein Rechtsrahmen und sichere Verhältnisse. Ein Investor baut ein Kraftwerk ja nur, wenn die Stadtregierung durchsetzt, dass die Verbraucher den Strom auch bezahlen.“

Extreme Linke stellt Ideologie über reale Menschen

Die internationalen Investoren müssten sich darauf verlassen können, dass es der Staat sanktioniert, wenn Masten umgelegt werden oder die Leute illegal Strom zapfen.

Die extreme Linke wird weiterhin den Narrativ bemühen, alle Missstände auf dem afrikanischen Kontinent seien die Folge des weißen Rassismus und Imperialismus, weshalb sich der Westen von dieser Schuld durch Milliarden an Entwicklungshilfe nach dem Gießkannenprinzip und durch offene Grenzen freikaufen müsse.

Ein realistischer Ansatz hingegen wird Chaos vermeiden, funktionierende Strukturen stützen und Wege suchen müssen, Afrika seinen eigenen Weg zu ermöglichen, ohne eigene Interessen zu vernachlässigen. Günter Nooke präsentiert eigene Vorstellungen dazu, die teils praktikabel sein dürften und teils weniger. Bis die extreme Linke einen eigenen Leistungsnachweis dahingehend vorzuweisen hat, dass ihre Ideen in welchem Land auch immer mehr als nur Elend, Tod, Tyrannei und Zerstörung gebracht hätten, kann man ihr Empörungsgeschrei getrost ignorieren.

 



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