Feuerwehrleute und Polizisten stehen vor den Resten des Turms einer Windenergieanlage. Das fast 240 Meter hohe Windrad ist in sich zusammengestürzt.Foto: Guido Bludau/Foto Bludau/dpa/dpa

Windräder – eine „Hochrisikotechnologie“? Ursache nach Einsturz in Haltern weiter unklar

Von 7. Oktober 2021 Aktualisiert: 7. Oktober 2021 23:27
Eine Woche nach dem Unglück vom 29. September laufen die Ermittlungen nach der Ursache für den Windradeinsturz in Haltern am See auf Hochtouren. Vorsorglich hat der Hersteller Nordex alle Windräder dieses Typs in Deutschland außer Betrieb gesetzt. Für die Bundesinitiative „Vernunftkraft“ steht fest: „Wenn man die Zahl der Unfälle, die Zahl bestehender und vor allem die Pläne für immer mehr und immer höhere Anlagen vor Augen hat, sind schwere Personenschäden nur eine Frage der Zeit.“

Am 29. September ist gegen 19 Uhr ein Windrad der Firma Nordex in Haltern am See (Nordrhein-Westfalen) in 20 Metern Höhe abgebrochen und eingestürzt.

Am Ort des Geschehens bot sich den ersten Einsatzkräften ein Trümmerfeld aus herabgestürzten Teilen. Der 340 Tonnen schwere Getriebekopf des Windrades ist laut Medienberichten so heftig abgestürzt, dass er komplett im Erdreich verschwunden sein soll.  Verletzt wurde bei dem Unglück niemand.

Unmittelbar nach dem Einsturz suchte die Feuerwehr mit Wärmebildkameras nach Verletzten im anliegenden Wald, konnte aber niemanden finden. Laut Augenzeugen kann eine Kollision mit einem Flugzeug ausgeschlossen werden. Auch starken Wind, der die Anlage zum Einsturz gebracht haben könnte, soll es an diesem Abend nicht gegeben haben.

Einen Tag später hätte die Havarie verheerende Auswirkungen gehabt. Am 30. September war die coronabedingt verschobene Einweihung der Windkraftanlage geplant gewesen.

Für den Hersteller der insgesamt 240 Meter hohen Windkraftanlage hat die Aufklärung der Unfallursache oberste Priorität. „Zum jetzigen Zeitpunkt liegen hierzu noch keine Erkenntnisse vor, untersucht wird in alle Richtungen“, teilte Nordex-Pressesprecher Felix Losada gegenüber Epoch Times mit. Er rechnet damit, dass die Ursachenforschung noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird.

Nordex setzt 22 Windräder außer Betrieb

Das Unternehmen Nordex reagierte auf den Vorfall. Nicht nur das einige hundert Meter entfernt stehende Windrad in der Region wurde vorübergehend stillgelegt. In Deutschland sind laut dem Hersteller neben der zerstörten Anlage insgesamt 22 Windräder mit identischer Konfiguration seit Herbst 2020 errichtet worden beziehungsweise befinden sich im Bau.

Bis nähere Erkenntnisse zur Unfallursache vorliegen, wurden diese Anlagen vorläufig außer Betrieb gesetzt. Erst wenn zu 100 Prozent ein sicherer Betrieb der Anlagen gewährleistet ist, sollen sie wieder in Betrieb genommen werden.

Einen konkreten Zeitpunkt können wir jetzt noch nicht benennen. Sicherheit geht hier vor“, erklärt der Nordex-Pressesprecher.

Auf Basis von Drohnenaufnahmen wurde in Absprache mit Behörden und Versicherungen die Unfallstelle zunächst weiter gesichert, um einem Team aus internen und externen Experten und Gutachtern einen gefahrlosen Zutritt zur Schadstelle zu ermöglichen. Vor Ort hat die detaillierte Analyse der Anlagenteile (insbesondere der Turmsegmente und Rotorblätter) begonnen. Für Mitte der Woche ist die Bergung der „Bottom Box“ geplant, die eine Analyse der Betriebsdaten der Turbine zum Unfallzeitpunkt ermöglichen soll.

Laut Nordex sind in der über 35-jährigen Unternehmensgeschichte und bei einer weltweiten Errichtungskapazität von über 35 Gigawatt derartige Unfälle „sehr, sehr selten“. Eine solche Havarie liege im Promillebereich.  Das Unternehmen bezeichnet die betroffene Turbine N149 als sehr robuste Anlage. 1.222 Turbinen dieses Typs mit einer Leistung von 5,7 GW sind weltweit errichtet worden beziehungsweise befinden sich in der Errichtung. Je nach Standort sind die Turbinen unterschiedlich konfiguriert.

Die Frage, wer für den Schaden des fünf Millionen Euro teuren Windrades aufkommt, bleibt vorerst unbeantwortet. „Die Klärung von Versicherungs- und Haftungsthemen hängt von den finalen Untersuchungsergebnissen der Unfallursache ab“, hieß es vom Hersteller.

Zentnerschwere Trümmerteile, kein Einzelfall

Nur wenige Tage später, am 1. Oktober, brach im 60 Kilometer nördlich gelegenen Neuenkirchen im Kreis Steinfurt in den frühen Morgenstunden ein Feuer an einem Windrad aus. Nach Auskunft eines Sprechers der Kreisleitstelle Steinfurt brannte die Rotornabe im Bereich des Maschinenraums in einer Höhe von 100 Metern. Der Feuerwehr blieb nichts anderes übrig, als das Feuer an dem vor 19 Jahren errichteten Windrad abbrennen zu lassen. Die Polizei geht laut Medienberichten von einem technischen Defekt aus.

Im Jahr 2018 fiel an einer Windkraftanlage im niedersächsischen Landkreis Schaumburg die Steuerungselektronik aus. Der Rotor konnte sich nicht mehr nach dem Wind ausrichten. Laut Polizeibericht zerbrachen zunächst einige Teile des Rotorblattes, später knickte der Turm des etwa 70 Meter hohen Windrades ein und stürzte zu Boden. Verletzt wurde niemand.

In Pömbsen bei Bad Driburg (Nordrhein-Westfalen) brachen am 20. Januar 2018 zwei Rotorblätter an einer über 100 Meter hohen Windkraftanlage ab. Ein tonnenschweres Rotorblatt landete 100 Meter entfernt, zentnerschwere Bruchstücke stürzten auf einen nahen Wanderweg. „Im dichten Nebel sieht die Landschaft um das zerstörte Windrad aus wie ein Kriegsschauplatz und macht einen gespenstischen Eindruck“, schilderte die „Neue Westfälische“ die Situation am Unglücksort. Ein dickes Rohr hatte sich wie ein Pfeil in die Erde gebohrt.

Personenschäden nur eine Frage der Zeit, sagen Experten

Seit Jahren fordert der TÜV eine bundesweite einheitliche Prüfpflicht, wie sie für andere Industrieanlagen besteht. Auch die Bundesinitiative für vernünftige Energiepolitik „Vernunftkraft“ fordert nach den neuesten Vorfällen für die Windenergieanlagen eine dem Gefährdungspotenzial angemessene Überwachung von Zulassung und Betrieb durch unabhängige Gutachter.

Aufgrund der Anlagen mit weit über 200 Meter Höhe sollten die Mindestabstände zu Wohngebäuden vergrößert werden.  Zwar sei bei der jüngsten Havarie kein Mensch ums Leben gekommen, aber „wenn man die Zahl der Unfälle, die Zahl bestehender und vor allem die Pläne für immer mehr und immer höhere Anlagen vor Augen hat, sind schwere Personenschäden nur eine Frage der Zeit“, so Vernunftkraft-Pressesprecherin Waltraud Plarre.

Nicht nur die zentnerschweren Trümmerteile, die hunderte Meter weit durch die Luft geschleudert werden, stellen eine wachsende latente Bedrohung für Leib, Leben und öffentliche Sicherheit dar. Hinzu komme noch die Verstärkung der Rotorblätter mit Carbonfasern, die die Weltgesundheitsorganisation wegen ihrer krebserregenden Wirkung durch Abrieb und bei Brand in die Gefahrenklasse III eingestuft habe.

Wenn man stur an Ausbauplänen festhalte und Sicherheitsbedürfnisse den Brancheninteressen unterordne, dann werde die Windkraftanlage „eine Hochrisiko-Technologie – mit einem nicht zuverlässigen Beitrag zum Klimaschutz“.



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