Durchbruch bei Schlichtung im Bau-Tarifstreit

Epoch Times3. September 2020 Aktualisiert: 3. September 2020 10:20

Durchbruch bei der Schlichtung im Tarifkonflikt für die rund 850.000 Bauarbeiter: Die im Westen Beschäftigten sollen eine Lohnerhöhung von 2,6 Prozent, die im Osten von 2,7 Prozent erhalten, wie die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) am frühen Donnerstagmorgen nach Abschluss der Schlichtung der Tarifrunde in Kassel mitteilte.

Darin enthalten sei erstmals auch eine Vergütung für Fahrzeiten zur Baustelle. Darüber hinaus soll es eine „Corona-Prämie“ von 500 Euro als einmalige steuerfreie Einmalzahlung geben. Auch Azubis bekommen eine Erhöhung ihrer Vergütung und eine „Corona-Prämie“ von 250 Euro.

IG-BAU-Chef Robert Feiger sprach von „ungewöhnlich zähen und harten“ Verhandlungen. „Gelegentlich hatte man den Eindruck, man müsse die Arbeitgeber erst noch davon überzeugen, dass es dem Bau – trotz der Corona-Pandemie – ausgesprochen gut geht und die Bauwirtschaft besser als alle anderen Branchen durch die Corona-Krise kommt.“ Diesen „Branchen-Bonus“ habe die Gewerkschaft deshalb auch eingefordert und „ein entsprechend gutes Ergebnis rausgeholt“. Wer auf dem Bau arbeite, wisse jetzt wieder, dass seine Arbeit geschätzt werde.

Der Schlichterspruch muss allerdings noch von den Tarifparteien angenommen werden. Die IG BAU und die Arbeitgeberverbände von Bauhandwerk (ZDB) und Bauindustrie (HDB) haben dafür zwei Wochen Zeit.

Die Löhne für die Beschäftigten sollen demnach ab Januar um 2,1 Prozent im Westen und um 2,2 Prozent im Osten steigen. Hinzu käme dann noch einmal ein Lohnzuschlag von einem halben Prozent für die Zeit, die Bauarbeitern bei oft langen Fahrten zu den Baustellen verloren geht. Diese Wegezeit-Entschädigung soll bereits ab Oktober auf den Lohn aufgeschlagen werden.

Die Gewerkschaft hatte vor über einem halben Jahr eine Lohnerhöhung von 6,8 Prozent, mindestens aber 230 Euro mehr im Monat und ein Wegegeld für die Fahrten zur Baustelle für die Bauarbeiter verlangt. Die Arbeitgeber hatten in den drei Verhandlungsrunden vor der Schlichtung kein Angebot vorgelegt. Sie sahen eine schwierige konjunkturelle Lage auch auf dem Bau und warfen der Gewerkschaft vor, dies zu ignorieren. Unter Vorsitz des Präsidenten des Bundessozialgerichts, Rainer Schlegel, hatten die Tarifparteien eine Lösung in der Auseinandersetzung gesucht. Die Schlichtung hatte am vergangenen Mittwoch begonnen.

Feiger sagte: „Es ist gelungen das Fundament für eine Entschädigung bei der Wegezeit zu legen. Der Einstieg ist damit geschafft.“ Die „oft enorm langen Fahrten zu den Baustellen“ seien für einen Großteil der Beschäftigten das „Job-Problem Nummer eins auf dem Bau“. Die IG BAU habe hierzu mit den Arbeitgebern im Rahmen der Schlichtung eine Vereinbarung getroffen. Demnach sollen die Spitzen der Tarifparteien unter Leitung des Schlichters eine Lösung für eine verbindliche Einführung einer Wegezeit-Entschädigung bis spätestens Juni 2021 erarbeiten. (dpa)

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