Sprunghafter Anstieg bei Pflegefällen um elf Prozent – Beitragserhöhung nicht ausgeschlossen

Mehr Pflegebedürftige, mehr Kosten. Doch wie der plötzliche Anstieg der Pflegefälle dauerhaft finanziert wird, ist unklar.
Titelbild
Ältere Frau mit Krankenschwester im Garten eines Pflegeheims.Foto: iStock
Epoch Times14. April 2024

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen verzeichnet eine außergewöhnlich starke Zunahme von Pflegebedürftigen in Deutschland: „Wir sehen einen sprunghaften Anstieg bei den Pflegefällen“, sagte der GKV-Vizevorsitzende Gernot Kiefer den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Sonntagausgaben).

Die Zahl der Pflegebedürftigen sei in früheren Jahren etwa um 326.000 Fälle pro Jahr gestiegen, 2023 habe es auf einmal ein Plus von 361.000 Fällen gegeben. Das entspricht einem Anstieg von elf Prozent. Ende 2023 lag die Gesamtzahl der Pflegebedürftigen demnach bei 5,2 Millionen.

Beiträge werden steigen – wenn der Bund nicht eingreift

Sollte der Bund keine alternativen Schritte zur Entlastung der Pflegeversicherung gehen, müssten die Beiträge weiter steigen, so Kiefer. Konkret nannte der GKV-Vize die Übernahme der Kosten für die Altersversorgung von pflegenden Angehörigen oder einen Ausgleich für die Sonderbelastung in der Coronakrise.

„Wenn der Bund das nicht übernimmt, werden die Beiträge in der Pflegeversicherung um mindestens 0,2 Prozentpunkte steigen müssen.“

Um mehr Finanzmittel für die Pflegeversicherung zu generieren, sei es „eine Option“, Gutverdiener stärker zu beteiligen, so Kiefer: „Eine höhere Beitragsbemessungsgrenze würde dazu führen, dass mehr Geld zur Verfügung stehen würde.“

Lag es an der Pandemie?

Das sei jedoch eine gesellschaftspolitische Grundsatzfrage, für die es zurzeit keine Mehrheit im Deutschen Bundestag gebe. Eine höhere Beitragsbelastung von Kinderlosen oder eine stärkere Staffelung nach Anzahl der Kinder seien dagegen keine Option.

Es sei denkbar, so Kiefer, dass der außergewöhnliche Zuwachs an Pflegefällen im vergangenen Jahr ein einmaliger Nachholeffekt der Pandemie sei. Viele ältere Menschen hätten sich möglicherweise erst spät wieder getraut, die Prüfer des Medizinischen Dienstes ins Haus zu lassen.

„Sollte dies jedoch ein neuer Trend sein, wird sich die Lage in der Pflege noch einmal deutlich kritischer darstellen“, warnte Kiefer. (dts/red)

 



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