Mozart für den Emmentaler

Epoch Times15. December 2018 Aktualisiert: 16. Dezember 2018 20:17
Im ersten Moment klingt die Vorstellung verrückt. Doch manche Forscher untersuchen seit langem die Auswirkung von Musik auf das Wachstum von Pflanzen oder das Gedeihen von Embryos.

Wer den Käsekeller von Beat Wampfler im schweizerischen Burgdorf betritt, den kitzelt nicht nur der Geruch reifenden Emmentalers in der Nase, sondern dem klingt auch leise Musik in den Ohren. In einer Reihe stehen neun Regale mit jeweils einem Laib Käse, der von unten beschallt wird. „Techno“, steht auf einem Regal, ein anderer Laib bekommt Mozart zu hören. Ein Experiment, mit dem Wampfler herausfinden will, wie sich Musik auf den Geschmack auswirkt.

„Die Bakterien sind verantwortlich für die Geschmacksbildung im Käse. Mit ihren Enzymen beeinflussen sie die Reifung. Ich bin überzeugt, dass nicht nur Feuchtigkeit, Temperatur und Nährlösung einen Einfluss auf den Geschmack haben, sondern auch physikalische Effekte wie Schall oder eben auch Musik“, sagt Wampfler, der im Hauptberuf als Tierarzt arbeitet.

Im ersten Moment klingt die Vorstellung verrückt. Doch manche Forscher untersuchen seit langem die Auswirkung von Musik auf das Wachstum von Pflanzen oder das Gedeihen von Embryos. Auch für sein Experiment hat Wampfler wissenschaftliche Unterstützung gefunden – von der Hochschule der Künste im nahe gelegenen Bern.

Am Anfang sei er skeptisch gewesen, gibt Michael Harenberg zu, Leiter des Studienbereichs Musik der Hochschule. Aber dann habe er von einem Fach namens Sonochemie erfahren, das erforscht, wie Schallwellen chemische Prozesse beeinflussen. „Wir versuchen herauszufinden, welche musikalischen Qualitäten eine Rolle spielen könnten“, sagt Harenberg.

Studierende der Universität unterstützen das Projekt „Klangkäse“ als Teil eines Programms, das verschiedene Teile der Gesellschaft näher zusammenbringen will – in diesem Fall Landwirtschaft und Kunst. Er hätte nie gedacht, dass er sich in einem Keller in Burgdorf wiederfinden und sich mit Käse beschäftigen würde, sagt Programmdirektor Christian Pauli lachend.

Seit September bekommen die neun Käselaibe Mozarts „Zauberflöte“, Rock von Led Zeppelin oder Hip Hop von der US-Gruppe A Tribe Called Quest zu hören, während Dutzende andere nebenan ganz ohne Musik reifen.

„Wird der Käse besser schmecken? Das ist schwer zu sagen“, sagt Wampfler. Am 14. März wird er es wissen. Dann findet eine Verkostung mit Experten statt. „Ich erhoffe mir, dass der Hip-Hop-Käse der Beste ist, das würde mir gefallen.“ (afp)

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