Annegret Kramp-Karrenbauer.Foto: Omer Messinger/Getty Images

Bundeswehr fliegt mehr als 120 Menschen aus – AKK: „Wir nehmen alles mit, was in unsere Flugzeuge passt“

Epoch Times17. August 2021 Aktualisiert: 17. August 2021 16:31
Die Bundeswehr hat aktuell über 100 Menschen aus Afghanistan ausgeflogen. Tausende weitere zu Evakuierende sitzen noch fest. Der Berliner Bürgermeister Müller fordert nun eine Bundeskoordination bei Aufnahme von Afghanistan-Flüchtlingen. Kanzlerin Merkel betont, dass Deutschland noch mehr Menschen helfen möchte.

Unter schwierigen Bedingungen ist der Evakuierungseinsatz der Luftwaffe in Afghanistan angelaufen: Mit zwei Flugzeugen brachte sie am Dienstag rund 130 Menschen aus Kabul ins benachbarte Usbekistan. Weitere Flüge sollten folgen. „Wir nehmen alles mit, was vom Platz her in unsere Flugzeuge passt“, sagte Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in Berlin. Pessimistisch bewertete die Bundesregierung allerdings die Rettungschancen für die einheimischen Ortskräfte: Diese würden von den Taliban nicht zum Flughafen vorgelassen.

Die Evakuierungsaktion ausländischer Streitkräfte lief unter chaotischen Umständen an: Kramp-Karrenbauer bezeichnete die Landung der ersten deutschen Militärmaschine am Morgen als „echtes Husarenstück“. Die Rollbahn sei nicht beleuchtet und auch nicht vollständig frei gewesen. Wegen der chaotischen Situation am Flughafen hatte die Maschine zuvor stundenlang über Kabul kreisen müssen, bevor sie landen konnte.

Mit der ersten Maschine wurden nur sieben Menschen ausgeflogen. Sie brachte aber Bundeswehr-Soldaten zur Absicherung der weiteren Evakuierungsflüge an den Flughafen Kabul. Ein zweites Flugzeug flog dann 125 Menschen aus, wie Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Nachmittag mitteilte. An Bord seien deutsche und afghanische Staatsbürger sowie Menschen aus anderen Ländern gewesen. Für Dienstag seien noch zwei weitere Flüge geplant.

Schicksal der einheimischen Ortskräfte ungewiss

Mit wachsender Sorge betrachtet die Bundesregierung das Schicksal der einheimischen Ortskräfte, die in Afghanistan für deutsche Stellen tätig waren. Die radikalislamischen Taliban hätten inzwischen die Zufahrten zum Flughafen abgeriegelt und Kontrollposten eingerichtet, an denen afghanische Staatsbürger zurückgewiesen würden – dies schreibt das Bundesverteidigungsministerium in einem auf Dienstag datierten Lagebericht für den Bundestag.

Durch die „Abriegelung des Flughafens für afghanische Staatsbürger“ werde eine „Evakuierung ehemaliger afghanische Ortskräfte erschwert“, heißt es in dem als „Verschlusssache“ deklarierten Bericht, der AFP vorliegt.

Minister Maas berichtete am Nachmittag von gemeinsamen Bemühungen mit den USA, dafür zu sorgen, „dass die Ortskräfte auch an den Flughafen kommen“. Einige Ortskräften hätten sich trotz der Kontrollen bis zum Flughafen durchschlagen können. Insgesamt habe sich die Lage dort „stabilisiert“, sagte Maas. Deutsche Staatsbürger würden von den Taliban-Posten durchgelassen.

Merkel: „Deutschland möchte noch sehr vielen Menschen helfen“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte ein weiteres Bemühen um die Rettung von Ortskräften zu: „Deutschland möchte noch sehr vielen Menschen helfen, die uns geholfen haben.“

Die Ausgeflogenen wurden von der Luftwaffe zunächst in die usbekische Hauptstadt Taschkent gebracht. Von dort sollen sie von Lufthansa-Chartermaschinen nach Deutschland geflogen werden – nach Angaben des brandenburgischen Innenministeriums, das die Aufnahme koordiniert, sollten die ersten ausgeflogenen Ortskräfte am Donnerstag in Deutschland ankommen.

Wie lange die Rettungsaktion dauern werde, konnte Kramp-Karrenbauer nicht sagen. Die Bundeswehr habe sich auf zwei Szenarien eingestellt: Beim ersten gebe nur einen sehr „kurzen Zeitslot“ für die Evakuierungsflüge. Das zweite Szenario sehe vor, dass die Luftwaffe möglicherweise bis in die kommende Woche hinein „eine echte Luftbrücke“ aufbauen könne, sagte die Ministerin.

Den bereits angelaufenen Einsatz will sich die Bundesregierung nachträglich vom Bundestag genehmigen lassen. Das Mandat sieht eine Obergrenze von bis zu 600 Soldaten vor. Am Mittwoch soll das Kabinett die Vorlage absegnen, das Votum des Bundestags ist für kommende Woche geplant.

Am Flughafen von Kabul hatten sich am Montag chaotische Szenen abgespielt. Tausende Menschen versuchten verzweifelt, an Bord von Evakuierungsflugzeugen zu gelangen.

Müller fordert Bundeskoordination bei Aufnahme von Afghanistan-Flüchtlingen

Unterdessen hat Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) das Fehlen einer bundesweiten Koordinierung zur Aufnahme von Flüchtlingen aus Afghanistan bemängelt. Er nehme „mit Erstauen zur Kenntnis“, dass es offenbar noch keine Initiative auf Bundesebene gebe, bundesweit zu einer entsprechenden Koordination zu kommen, sagte Müller nach der Sitzung des Berliner Senats am Dienstag.

„Umso wichtiger war es mir, dass wir uns darauf vorbereiten“, sagte Müller, der derzeit der Ministerpräsidentenkonferenz vorsitzt. Er habe seine Senatskollegen aufgefordert, sich darauf vorzubereiten, dass wieder mehr Menschen in Berlin erwartet würden. Es gehe unter anderem um Unterbringungsmöglichkeiten, Fragen der Gesundheitsversorgung und Bildungsangebote. All das sei im Vorfeld zu organisieren.

Müller sprach von „einer dramatischen Situation“ in Afghanistan. Es zeichne sich eine „humanitäre Katastrophe ab“ – nicht nur in Afghanistan, sondern in der gesamten Region. „Wir werden nicht jedem helfen können, aber wir werden vielen helfen können“, betonte der SPD-Politiker.

Zuletzt hatten bereits mehrere Bundesländer ihre Bereitschaft zur Aufnahme von Flüchtlingen aus Afghanistan verkündet. Brandenburgs Innenministerium gab am Dienstag bekannt, die Erstaufnahme afghanischer Ortskräfte zu übernehmen. Dies habe das Land dem Bund zugesagt.

Brandenburg habe die Kapazitäten und stehe bereit, erklärte Innenminister Michael Stübgen (CDU). Die ersten Ortskräfte würden am Donnerstag erwartet. Danach werde mit weiteren Ankömmlingen alle ein bis zwei Tage gerechnet. „Deutschland darf seine afghanischen Helfer nicht im Stich lassen“, erklärte Stübgen. (afp/oz)



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