Unübersichtliche Lage im Sudan: Weiterhin heftige Gefechte zwischen Armee und Paramilitär

Die Gefechte im Sudan reißen auch in der Nacht nicht ab. Krankenhäuser und Wohngebiete werden beschossen, die Zahl der Opfer steigt. Ein EU-Diplomat wird sogar in seiner eigenen Residenz angegriffen.
Titelbild
Rauch steigt aus einem Wohnviertel in Khartum auf.
Epoch Times18. April 2023

Im Sudan haben sich die schweren Gefechte zwischen den rivalisierenden Lagern der Armee und des Paramilitärs fortgesetzt. Im seit drei Tagen wütenden Machtkampf zwischen der sudanesischen Armee unter Kommando des sudanesischen Generals Abdel Fattah al-Burhan und den rivalisierenden paramilitärischen Einheiten seines Stellvertreters Mohammed Hamdan Daglo haben sich die Fronten weiter verhärtet.

Die Zahl der Opfer in der Zivilbevölkerung dürfte auch am Dienstag weiter steigen. Die G7-Staaten verlangten von den Konfliktparteien ein sofortiges und bedingungsloses Ende der Kämpfe.

Das sudanesische Ärztekomitee forderte die Konfliktparteien am Montag auf, ihre „ständigen Angriffe“ auf Krankenhäuser, Krankenwagen und medizinisches Personal einzustellen.

Der Deutsche UN-Vermittler Volker Perthes kritisierte, internationale Organisationen und Zivilisten würden bei den Gefechten zwischen der Armee und der paramilitärischen Gruppe Rapid Support Forces (RSF) nicht geschützt. Die Vereinten Nationen gingen bis zum Montagabend von mindestens 185 Toten und 1800 Verletzten aus – darunter seien sowohl Kämpfer als auch Zivilistinnen und Zivilisten.

Kämpfe in vielen Teilen des Landes

In der Hauptstadt Khartum gab es Perthes zufolge weiter heftige Gefechte um die geschlossenen Brücken, den internationalen Flughafen und die Hauptquartiere des Militärs und der RSF. Nach Angaben von Amnesty International richtete der Einsatz schwerer Waffen, darunter Artillerie, Panzer und Düsenflugzeugen, in dicht besiedelten Gebieten in Khartum große Zerstörung an.

Zivilisten seien mitten im Gefechtsgebiet gefangen, so Amnesty. Wer in dem Machtkampf der rivalisierenden Lager die Oberhand hat, blieb angesichts der unübersichtlichen Lage und der widersprüchlichen Angaben beider Konfliktparteien unklar.

Anwohner in der Hauptstadt Khartum berichteten von anhaltenden Schüssen und Explosionen. Aber auch in anderen Teilen des Landes am Horn von Afrika gingen die Kämpfe weiter – etwa in der Stadt Merowe, die über einen wichtigen Flughafen verfügt sowie in der Stadt Njala in Darfur.

Der Gouverneur von Nord-Darfur, Nimr Abdul Rahman, sagte der Deutschen Presse-Agentur am Montagabend, allein in seiner Region seinen mindestens 65 Menschen getötet und 160 weitere verletzt worden. Die Strom- und Wasserversorgung sei aufgrund der Gewalt in Teilen Nord-Darfurs unterbrochen, so Rahman.

Internationale Gemeinschaft bemüht sich um Waffenruhe

US-Außenminister Antony Blinken sprach nach Angaben seines Ministeriums vom Montagabend (Ortszeit) sowohl mit Al-Burhan als auch mit Daglo.

Er habe die Dringlichkeit eines Waffenstillstands deutlich gemacht, um die Lieferung humanitärer Hilfe sowie die Wiedervereinigung sudanesischer Familien zu ermöglichen – und der internationalen Gemeinschaft in Khartum die Möglichkeit zu geben, ihre Präsenz zu sichern. Blinken habe an die Verantwortung der beiden Generäle appelliert, die Sicherheit und das Wohlergehen der Zivilisten, des diplomatischen Personals und der humanitären Helfer zu gewährleisten.

„Wir rufen alle Akteure auf, auf Gewalt zu verzichten, zu Verhandlungen zurückzukehren und aktive Schritte zu unternehmen, um Spannungen abzubauen“, heißt es im Abschlusspapier zum Treffen der G7-Außenminister, das am Dienstag im japanischen Erholungsort Karuizawa endete. Auch müsse die Sicherheit der Zivilisten sowie des diplomatischen und humanitären Personals gewährleistet werden.

UN-Vermittler Perthes betonte, er werde am Dienstag erneut versuchen, eine belastbare Waffenruhe zwischen den Konfliktparteien auszuhandeln. In Gesprächen mit ihren Anführern hätten beide Seiten sich gegenseitig die Schuld an der Eskalation gegeben. Al-Burhan und Daglo stünden seiner Einschätzung zufolge unter hohem Druck. Perthes betonte aber, dass sie sich offen für Gespräche mit den Vereinten Nationen und anderen internationalen Akteuren gezeigt hätten.

Auch die EU bemühe sich, die Konfliktparteien davon zu überzeugen, eine humanitäre Feuerpause in Erwägung zu ziehen, teilte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Montagabend mit. Details zu den Friedensbemühungen nannte er nicht. Eine Sprecherin hatte am Mittag bereits über Krisengespräche Borrels mit Spitzenpolitikern aus Kenia, Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten berichtet.

Drei ostafrikanische Präsidenten sowie ein Vertreter der Afrikanischen Union sollen als Vermittler nach Khartum reisen. Aufgrund der anhaltenden Kämpfe, die auch am internationalen Flughafen in Khartum ausgefochten wurden, war das bislang nicht möglich.

Angriff auf EU-Botschafter

Der EU-Botschafter im Sudan wurde nach Angaben Borrells in seiner eigenen Residenz angegriffen. Die Tat stelle einen schwerwiegenden Verstoß gegen das Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen dar, schrieb der EU-Außenbeauftragte auf Twitter.

Die Sicherheit diplomatischer Einrichtungen und des Personals liege primär in der Verantwortung der sudanesischen Behörden und sei eine völkerrechtliche Verpflichtung. Angaben zur Art des Angriffs und zu dem Täter oder den Tätern machte Borrell nicht.

Er ließ auch unklar, ob der Botschafter verletzt wurde oder mit dem Schrecken davonkam. Aus Diplomatenkreisen hieß es am Abend in Brüssel, der Botschafter sei wohlauf und nicht verletzt worden.

Der Machtkampf im Sudan lässt das flächenmäßig drittgrößte Land Afrikas mit seinen rund 46 Millionen Einwohnern und reichen Öl- und Gold-Vorkommen zunehmend im Chaos versinken. Der Sender Sky News berichtete, Al-Burhan habe in einem Telefoninterview am Montag Gesprächsbereitschaft signalisiert.

„Jeder Krieg endet in Verhandlungen, auch wenn der Gegner besiegt ist“, sagte er demnach. Die Armee werde siegen – „definitiv, so Gott will“. Konkrete Angaben zu möglichen Verhandlungen machte Al-Burhan jedoch nicht. (dpa/il)



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