Essener Tafel.Foto: ROLAND WEIHRAUCH/AFP/Getty Images

Bei den Tafeln verteilen 60.000 Helfer Lebensmittel an anderthalb Millionen Bedürftige

Epoch Times18. Juni 2018 Aktualisiert: 18. Juni 2018 16:29
"Es ist vielmehr Aufgabe von Gesellschaft und Politik, Lebensmittelverschwendung und Armut abzuschaffen - solange dies nicht geschehen ist, wird es Tafeln weiterhin geben," so der Vorsitzende von Tafel Deutschland, Jochen Brühl.

25 Jahre nach Gründung der ersten deutschen Tafel helfen bei mittlerweile mehr als 940 örtlichen Tafeln rund 60.000 Menschen mit der Weitergabe gespendeter Lebensmittel etwa anderthalb Millionen Bedürftigen. Diese Zahlen gehen aus der Tafel-Umfrage 2017/2018 hervor, die der Verein Tafel Deutschland am Montag in Berlin vorlegte. Neun von zehn Helfern sind demnach ehrenamtlich aktiv.

Die erste deutsche Tafel wurde 1993 von der Initiativgruppe Berliner Frauen in der Hauptstadt gegründet. Heute sind laut Tafel Deutschland über 60 Prozent der ehrenamtlich Tätigen Frauen; knapp 70 Prozent sind im Seniorenalter. Die Helfer leisten jährlich 24 Millionen Stunden ehrenamtliche Arbeit – umgerechnet in Zeitspenden hat ihr Einsatz laut Tafel Deutschland einen Wert von 216 Millionen Euro pro Jahr.

Dabei schwankt die Anzahl der Ehrenamtlichen stark zwischen neuen und alten Bundesländern. Die meisten Tafel-Ehrenamtlichen sind in Hessen im Einsatz, die niedrigste Ehrenamtsquote haben Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Die Tafel verteilten der Umfrage zufolge aktuell 264.000 Tonnen Lebensmittel im Jahr – der größte Anteil entfällt dabei mit 41 Prozent auf Obst und Gemüse. Gut 82 Prozent der Tafeln arbeiten mit regelmäßigen Spendern wie Supermärkten, Händlern, Bäckereien oder Fleischereien zusammen. Neben Rentnern stellen Kinder und Jugendliche die größte Gruppe der Tafel-Kunden – ihr Anteil liegt mittlerweile bei 30 Prozent.

„Nach 25 Jahren hat sich das Selbstverständnis der Tafeln gewandelt“, erklärte der Vorsitzende von Tafel Deutschland, Jochen Brühl. Der Leitgedanke ziele nicht mehr darauf ab, sich selbst abzuschaffen. „Es ist vielmehr Aufgabe von Gesellschaft und Politik, Lebensmittelverschwendung und Armut abzuschaffen – solange dies nicht geschehen ist, wird es Tafeln weiterhin geben.“

Zugleich forderte Tafel Deutschland weitere Schritte zur Bekämpfung der Lebensmittelverschwendung. Der Verband setzt sich in diesem Zusammenhang für die Abschaffung des Mindesthaltbarkeitsdatums bei lang haltbaren Produkten und die Einführung des Fachs Lebensmittelkunde in Schulen ein.

Darüber hinaus plädiert die Tafelbewegung nachdrücklich für neue Anreize beim Ehrenamt. Längere Lebensarbeitszeit und straffere Ausbildungswege erschwerten es Bürgerbewegungen, neue Ehrenamtliche zu gewinnen. Vor diesem Hintergrund könne das Ansammeln von Rentenpunkten durch langjähriges Engagement das Ehrenamt stärken. (afp)

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