Erfolgsrezept einer Schulleiterin: „Ich haue im Zweifelsfall auch mal auf den Tisch – dann sind arabische Männer fassungslos“

Epoch Times22. May 2018 Aktualisiert: 22. Mai 2018 19:03
Die Situation an vielen Schulen in Berlin ist weiterhin angespannt. Insbesondere an Grundschulen in Problemvierteln mit hohem Anteil an einkommensschwachen Familien und hohem Migrantenanteil. Es gibt aber auch Schulen, in denen es klappt.

Lehrer und Sozialarbeiter einer Grundschule im Berliner Bezirk Neukölln, mit einem Einwandereranteil von 90 Prozent, wandten sich mit einem Brandbrief an die Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

Konkret bemängeln die 33 Lehrer und Sozialarbeiter der Sonnen-Schule in dem Schreiben: chronischen Personalmangel, Missstände durch gescheiterte Inklusion und sozial auffällige Problemschüler in dem von Einwandererkindern geprägten Viertel.

Muslimische Kinder reagieren feindlich auf Kreuze

GEW-Chef Tom Erdmann bezeichnete die Schule als „exemplarisch für viele andere Brennpunktschulen“, berichtet der „Tagesspiegel“.

Zum Einzugsgebiet der Sonnen-Grundschule gehört die sozial extrem belastete High-Deck-Siedlung und die Weiße Siedlung – alles Brennpunkte. Die als Salafisten-Treffpunkt berüchtigte Al-Nur-Moschee gehört zur Nachbarschaft, wodurch die Kinder ebenfalls beeinflusst würden, so Erdmann.

Rektorin Karoline Pocko-Moukoury beklagt, dass Eltern unter anderem darauf bestehen, dass die achtjährige Tochter im Schwimmunterricht einen Ganzkörperanzug – Burkini – trägt.

Zudem gibt es offenbar muslimische Kinder, die feindlich auf Kreuze reagieren. Es sei schon vorgekommen, dass einige Kinder selbst gebastelte Puppen zerstört hätten, da ihr Holzgestell ein Kreuz darstellte, so Pocko-Moukoury. Im Mathematikunterricht hätten einige dieser Kinder sogar Ablehnung in der Arbeit mit Koordinatenkreuzen gezeigt.

Inklusion unter diesen Bedingungen nicht möglich

In dem Brandbrief beklagen die Lehrern auch den Ansatz „unbegrenzter und alternativloser Inklusion“, die unter diesen Bedingungen nicht gelingen könne. Der normale Schulbetrieb laufe nur noch „nebenher“, heißt es in dem Brief. Um „extrem von Gewalt, Missbrauch, Vernachlässigung, Lernstörung, Schulversagen bedrohten Kindern beizustehen“, müssten Formalitäten bewältigt werden, „die nichts mit unserem Lehrauftrag zu tun haben“.

Die Kollegen der Sonnen-Schule fordern aufgrund ihrer Situation: eine deutliche Reduzierung der Pflichtstundenzahl auf 20 Stunden Unterrichtsverpflichtung, Entlastungsstunden zur Einarbeitung/Betreuung von Quereinsteigern und Lehramtsanwärtern und mehr Zeit für den Klassenleiter für Klassenleitertätigkeiten sowie fürs Team für Teamsitzungen.

Außerdem fordern die Kollegen eine Reduzierung der Klassengröße auf unter 20 Kinder je Klasse und mehr personelle und qualifizierte Unterstützung im inklusiven Unterrichtsalltag.

An der Sonnen-Schule sind 90 Prozent der Schüler nichtdeutscher Herkunft und stammen aus rund 20 Nationen, berichtet die Schule über sich selbst.

Dass der Anteil an Schülern mit nichtdeutscher Herkunft in Berlin generell gestiegen ist, geht auch aus der Antwort der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie auf eine Anfrage des AfD-Abgeordneten Herbert Mohr im März hervor. Demzufolge hätten an 158 von 359 Berliner Grundschulen mehr als die Hälfte der Schüler einen Migrationshintergrund.

Doch ist der gestiegene Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund allein die Ursache für mehr Gewaltdelikte an den Schulen? Das mitnichten, aber es hat die ohnehin schon angespannte Situation dramatisch verschärft.

Fast an jeder zweiten Schule Gewalt gegen Lehrer

Nicht nur zwischen den Kindern tritt mehr Gewalt auf, sondern es kommt auch immer häufiger zu Gewalt gegen die Lehrkräfte und dies nicht nur in Berlin. So zeigt eine Studie des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), die vergangene Woche für Aufsehen sorgte, dass es bundesweit in den vergangenen fünf Jahren an fast jeder zweiten Schule zu Gewalt gegen Lehrkräfte gekommen ist.

Dies ergab eine Befragung von deutschlandweit 1.200 Schulleitern. Außerdem zeigte sich, dass die meisten Fälle von körperlicher Gewalt an den Grundschulen auftraten. Vulgäre Ausdrücke von Kindern gegenüber Lehrerinnen, Kinder die andere Kinder und den Lehrer schlagen, der schlichten will, Schüler die Lehrkräfte mit einer Schere in der Hand drohen, dies alles sind keine Einzelfälle. Dazu kommen noch Eltern, die Lehrer beleidigen oder anschreien, weil sie finden, dass ihr Kind ungerecht behandelt wurde.

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Heidrun Quandt vom Berliner Landesverband der Gewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE), ist selbst als Lehrerin tätig. Sie hat „den Eindruck, dass es in den letzten Jahren schlimmer geworden ist.“

Die Respektlosigkeit habe zugenommen und Lehrkräfte fühlten sich immer öfter hilflos, erklärt sie. Es käme auch immer wieder vor, dass Schulleitungen die Vorfälle aus Angst um den Ruf der Schule herunterspielten.

Schulen sollen sich präventiv auf mögliche Problematiken vorbereiten

Matthias Siebert leitet den Fachbereich Schulpsychologie im schulpsychologischen und inklusionspädagogischen Beratungszentrum (SIBUZ). Er meint: „Wichtig ist, dass sich die Schulen mit der Problematik auseinandersetzen, am besten präventiv. Sie sollten Situationen durchsprechen und Strategien entwickeln, wie man sich dann verhalten kann, und wie sich Lehrkräfte gegenseitig unterstützen können“, berichtet der „Tagesspiegel“.

Siebert verdeutlicht, dass es bei vielen Pädagogen eine große Handlungsunsicherheit gebe, beispielsweise ob sie ein Kind, das ausrastet, anfassen dürfen. „Es gibt ein Recht auf Nothilfe und auf Notwehr. Wenn ein Kind sich selbst oder andere gefährdet, und man es mit Worten nicht mehr erreichen kann, dann kann es in der Situation erforderlich sein, es festzuhalten“, sagt Siebert.

Lehrkräfte sollten sich klar machen, dass sich verhaltensauffällige Schüler meist in großer seelischer Not befinden. „Es ist klug, sich damit auseinanderzusetzen, wo diese Verzweiflung herkommt. Man kann sich auch überlegen, ob man vielleicht mit eigenem Verhalten etwas ausgelöst hat.“

Siebert ermutigt Pädagogen, sich Unterstützung zu holen und die Vorfälle nicht zu bagatellisieren. „Es hilft, darüber zu reden und diese Situationen zu reflektieren. Dafür sind wir Schulpsychologen da.“

Aber genau daran hapert es oftmals. Es fehle die Zeit bei der hohen Anzahl von Auffälligkeiten und Vorfällen, intensiv mit den Kindern daran zu arbeiten, zumal dann die Wissensvermittlung auf der Strecke bleibe und auch für ein vertrauensvolles ausführliches Gespräche im Team bzw. mit einem Kollegen fehlt oft die Zeit.

Diese Meinung teilt auch Arne Schaller von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Er sagt, die Schulen benötigen mehr Zeit und Ressourcen, um mehr für die Gewaltprävention tun zu können. „Wir fordern deshalb eine Sozialarbeiterstelle je 100 Schüler an jeder Schule.“

Äußere Faktoren in der Gewaltprävention berücksichtigen

Bei der Gewaltprävention gibt es neben der „inneren“ Arbeit aber auch häufig bauliche Möglichkeiten, also auch externe Faktoren, durch die ein positiver Einfluss möglich ist.

Wie das Beispiel der Hellersdorfer Mozart-Schule zeigt, deren Straftatenregister in einem Jahr von 57 auf zwölf Fälle geschrumpft ist. Dies ist sicherlich nicht allein bedingt durch einen hohen Zaun, den die Schule erhielt, um Schulfremde abzuwehren, aber es hat anscheinend mit dazu beigetragen.

Doch leider ist dies nicht für alle Schulen praktikabel. So setzten bereits mehrere Berliner Schulen temporär oder langfristig Sicherheitskräfte wie z. B. einen Wachschutz ein. Dazu gehört unter anderem die Schöneberger Spreewald-Schule, die noch nicht einmal eine Gegensprechanlage besaß. An dieser Schule häuften sich Fälle von Vandalismus und schulfremde Personen hielten sich vermehrt auf dem Schulgelände auf.

Zudem gab es gewalttätige Schüler und aggressive Eltern. Seit dem 1. März gibt es nun einen Wachschutz. Nach Elternangaben habe sich seitdem die Situation „deutlich verbessert“. Es heißt, dass die Ruhe von außen sich auch positiv nach innen auswirkt habe. Doch nur unter hohem Druck reagierte der SPD-geführte Berliner Schulsenat mit dieser Maßnahme und möchte den Wachschutz offenbar schnellstmöglich wieder absetzen.

Dass es auch anders geht, zeigt die B.-Traven-Sekundarschule in Spandau, die auch durch Gewaltvorfälle auffiel. Bürgermeister und Bildungsstadtrat Helmut Kleebank (SPD) stimmte nach mehreren Übergriffen durch Schulfremde auf Pädagogen einem Wachschutzeinsatz zu. Außerdem gibt es gute Erfahrungen mit Wachschutz an acht Schulen im SPD-geführten Neukölln, die diesen bereits seit Jahren nutzen.

„Ich haue im Zweifelsfall auch mal auf den Tisch“

Es gibt aber auch Schulen, die trotz schwieriger Bedingungen die Gewaltproblematik im Griff haben. „Vorfälle, in denen Lehrpersonal erkennbar unangemessen behandelt wird, gibt es bei uns kaum, die Zahl liegt im Promillebereich“, berichtet etwa Astrid-Sabine Busse, die eine Grundschule in einem Brennpunktviertel leitet und zudem Vorsitzende des Interessenverbands Berliner Schulleitungen (IBS) ist.

An ihrer Schule sind es „vielleicht eine Handvoll“ Eltern, die Ärger machen würden – damit ist gemeint, sie sind „aggressiv und laut.“ Da wird die Schulleiterin Busse auch schon mal laut. „Ich haue im Zweifelsfall auch mal auf den Tisch“, erklärt die Verfechterin einer klaren Linie.

Die Reaktionen sind beachtlich. Viele der Eltern kommen aus dem arabischen Raum, eine resolute Frau ist in ihrem Weltbild nicht vorgesehen. Und wenn Astrid-Sabine Busse mal sehr deutlich klar macht, wer hier die Regeln bestimmt, „dann sind arabische Männer fassungslos,“ sagt sie dem „Tagesspiegel“.

Oft entstehen Konflikte, weil man sich nicht versteht

Manche seien dann wie erstarrt und sagen: „Wie sprechen Sie mit einem arabischen Mann?“ „Genauso wie mit einem deutschen Mann“, entgegnet dann Busse. Für sie ist klar, dass die Umgangsformen, die sie einfordert, keine nationalen Freiräume erlauben. Die klare Linie zeigt in aller Regel Erfolg. „Meist hilft es“, sagt Astrid-Sabine Busse. „Und es hilft natürlich, dass wir einen arabisch sprechenden Sozialarbeiter haben. Oft entstehen Konflikte ja, weil man etwas nicht versteht.“

Ganz wichtig sei: Man dürfe mit einem aufgebrachten Elternteil nicht sofort reden. Erst wenn sich Vater oder Mutter beruhigt hätten, mit zeitlicher Verzögerung, solle man diskutieren. „Da gibt man den Eltern dann einfach einen Termin,“ sagt die IBS-Vorsitzende. In ihrer Schule stehen auch Hausbesuche auf dem Programm. Da besuchen dann Lehrer betroffene Eltern, ein häufig durchaus harmonisches Zusammentreffen. „Da wird man meist freundlich empfangen.“

Für Busse ist ebenfalls wichtig: „Man muss sich Zeit nehmen für die Gespräche. Man muss aber auch unbedingt Respekt abverlangen. Und wichtig ist eine klare Sprache. Man muss klar machen, wer der Chef ist.“ Im Bedarfsfall muss ein Sprachmittler mitarbeiten. Und man müsse die Elternvertreter mit ins Boot nehmen, sagt die Schulleiterin dem „Tagesspiegel“.

Schulen immer mehr ein „Reparaturbetrieb“ unserer Gesellschaft

Dem Brandbrief der Sonnen-Schule in Berlin-Neukölln schlossen sich bereits andere Schulen an. Auch auf politischer Ebene blieb das Schreiben nicht ohne Reaktion.

So kritisierte der Neuköllner Abgeordnete Joschka Langenbrinck (SPD), dass die Schulen immer mehr ein „Reparaturbetrieb“ unserer Gesellschaft seien, aber dafür nicht ausreichend ausgestattet sind. Er forderte eine „Task Force“ für Schulen in Not, die mit ihren sozialen Problemen nicht alleingelassen werden dürften. Die Sonnen-Grundschule sei „exemplarisch“ für viele Brennpunktschulen, so Langenbrinck. (er)

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