Kunststudenten im Protest: AfD-Bibliothekarleiterin und das „Kuschen“ der Hochschulleitung

Epoch Times31. Mai 2019 Aktualisiert: 31. Mai 2019 15:55
„Weil die AfD Dresden ganz klar die Kunstschaffenden auch als Feindbild erhoben hat, gerade politische Kunstschaffende. Und davon gibt es an dieser Kunsthochschule viele.“ Mit dieser Aussage verteidigt Studentenvertreterin Madlyn Sauer die Besetzung der Bibliothek, nachdem den Studenten die AfD-Kandidatur ihrer Bibliothekarin zu Ohren gekommen war.

„HfBK oder AfD. Beides geht nicht“, fordern die Studenten der Hochschule für bildende Künste (HfBK) in Dresden. Mit diesem aus dem Fenster hängenden Transparent wenden sie sich gegen die AfD-Kandidatur ihrer Bibliothekarleiterin bei den Landtagswahlen. Diese trat zwar parteilos, aber als Kandidatin für die AfD bei den Kreistagswahlen in Meißen an.

Die Nachricht darüber verbreitete sich wie ein Lauffeuer unter den rund 550 Studenten. In einer Abstimmung beschlossen sie, aus Protest die Bibliothek der Hochschule  zu besetzen. Auch wenn nur 25 Studenten bei der Aktion dabei waren, so stünden alle anderen Studenten dahinter, sagte Lisa Baier.

Die Studentenvertreterin Madlyn Sauer findet die derzeitige Situation an der Hochschule problematisch. Die Bibliothekarleiterin sei für die Auswahl der Literatur zuständig und könne auf sämtliche sensiblen Daten zugreifen, wie Adressen, Emails, Handynummern.

Und dadurch, dass es einige politisch aktive Studierende gibt, aber auch Studierende, die aus einem anderen kulturellen Background kommen und damit auch wieder in das Feindbild der AfD passen, sind wir natürlich wahnsinnig besorgt, ob sie damit wirklich vertrauensvoll umgeht“, so Sauer laut „Deutschlandfunk Kultur“.

Bereits jetzt würden sich Studenten mit Migrationshintergrund überlegen, ob sie wirklich nach Dresden kommen, so Lisa Baier. Die Studenten befürchten eine „Kunstflucht“ nach Leipzig oder Berlin.

Protest gegen das Kuschen der Hochschule

Ein Mobbing der Leiterin der Bibliothek sehen die Studenten in ihrer Aktion nicht. Vielmehr gehe es um Fragen, die die Kunststudenten umtreiben. In ihrer Pressemitteilung heißt es:

Der zweite Grund der Besetzung beruht auf dem jahrelangen Unmut und der Frustration der Studierenden im allgemeinen Diskursumgang der Hochschule mit der Neuen Rechten seit 2015. Das allgemeine Verhalten, welches wir immer wieder beobachten konnten, heißt: Kuschen!“

Die Hochschulleitung habe es in den vergangenen vier Jahren versäumt, einen „diskursiven Umgang“ an der Hochschule zu etablieren. Undemokratischen Entscheidungen hätten die „vielen Bemühungen durchkreuzt“.

Die AfD richtet sich gegen die Kunst, will Gelder dafür streichen und hat explizit gesagt, das Europäische Zentrum der Künste in Hellerau schließen zu wollen“, sagt Studentenratsmitglied Victoria Gentsch laut „Sächsische Zeitung“.

Alle liegengelassenen Fragen sollten jetzt angegangen werden. Dabei strebe die Studentenbewegung einen diplomatischen Weg an. Es gehe nicht um Entlassungen, sondern um einen Diskurs.

Hochschulleiter setzt auf Neutralität der Bibliothekarleiterin

Die Sorge der Studenten kann auch Kanzler Jochen Beißert nachvollziehen. Er plädiert für eine offene Diskussion:

Vertrauen ist sehr schnell zerstört. Das wiederzugewinnen ist nicht einfach. Andererseits muss man auch klar sagen, dass hier die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am ganzen Hause sehr sorgsam mit den Daten umgehen.“

Nachdem Beißert von der Kandidatur der Bibliothekleiterin erfahren hatte, suchte er mit ihr das Gespräch. Er habe ihr deutlich gemacht, „dass die Kandidatur für die AfD das eine ist, ihr gutes Recht, sich da zu engagieren. Das andere ist natürlich, dass sie ihr Amt hier an der Hochschule auch neutral wahrzunehmen hat und natürlich auch die freiheitlich-demokratische Grundordnung hier zu verteidigen hat.“

Die Studenten planen laut „Sächsische Zeitung“ in den nächsten Wochen verschiedene Aktionen, darunter Flashmobs, Videoprojekte und auch eine großangelegte Recherche zur NS-Vergangenheit der Schule. Für Montag sind weitere Gespräche mit der Hochschulleitung geplant. (sua)

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