Panzerfahren als Freizeitspaß – läuft auch während des Ukraine-Krieges

In Panzer-Fun-Fahrschulen kann jedermann eine Runde mit einem „Leopard“ drehen. Bei manchen Anbietern ist durch den Ukraine-Krieg die Nachfrage gestiegen, andere beendeten ihre Touren.
Titelbild
Ein aus der Bundeswehr ausgemusterter Panzer Leopard 1 auf einer Rennstrecke.Foto: iStock
Epoch Times21. April 2023

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Mit 830 PS schiebt sich der Leopard 1 lärmend durch den Schlamm. Runde für Runde rollt der Kettenpanzer über den Parcours der Panzer-Fun-Fahrschule im brandenburgischen Steinhöfel. Der Dauerregen hat den Boden in eine Schlammwüste verwandelt. Knut Möller lenkt den Panzer routiniert über Hindernisse wie Steilhang und Panzergraben, als hätte er nie etwas anderes getan.

„Meine Zeit bei der Bundeswehr ist schon 35 Jahre her, aber das habe ich nicht verlernt“, freut sich der 55-jährige Schleswig-Holsteiner. Seine Frau hat ihm die Panzerfahrt zum Geburtstag spendiert. Der selbstständige Kfz-Meister aus der Nähe von Kiel ist an diesem Wochenende einer von vielen Gästen, die am Ende mit Schlammspritzern auf der Kleidung, aber zufrieden, wieder abreisen werden.

Der Krieg in der Ukraine ist hier, etwa 60 Kilometer östlich von Berlin, kein Thema. Die Spaß-Fahrschule verspricht, dass die Gäste ihre Alltagssorgen und den Stress vergessen können. Familien mit Kindern, Männergruppen und auch eine Frauenrunde aus Frankfurt an der Oder sind an diesem Samstag hier.

Panzertour statt Bowling

Die Frauen haben einer Kollegin die Panzertour zum 60. Geburtstag geschenkt. „Es sollte mal etwas anderes sein als Bowling“, sind sie sich einig. Nach einem Prosecco geht es mit dem Schützenpanzer BMP-1 los: Von oben Regen, unten spritzt der Schlamm. Das besondere Highlight: eine Speedfahrt, bei der der Fahrer noch einmal deutlich mehr Gas gibt. Neben dem Motorenlärm ist aus der Ferne das Lachen der Frauen zu hören.

„Unsere Gäste kommen mit einem Lächeln und gehen mit einem Lächeln“, sagt Fahrschulgründer Axel Heyse, der sein Unternehmen nun schon 17 Jahre betreibt. Der Krieg in der Ukraine habe dem Geschäft keinen Abbruch getan. Den Kunden gehe es nicht um Kriegsspiele. Schließlich seien auch die Panzer alle demilitarisiert.

Es sei allein die Technik, die die Menschen begeistere. „Es gibt fast nichts, was einen aufhält, mit so einer Maschine“, sagt Heyse. Auch der Schleswig-Holsteiner Knut Möller sagt, er sei froh, dass es für ihn in seiner Zeit bei der Bundeswehr nie zum Ernstfall gekommen sei: „Das will niemand.“

Tonnenschwere Kolosse

Axel Heyse hat in der DDR zehn Jahre lang bei der Nationalen Volksarmee Panzerfahrer ausgebildet. Für die Spaßfahrer hinter dem Steuer ist die Einweisung in etwa einer halben Stunde erledigt. Ein Panzerfahrlehrer aus Heyses Team ist während jeder Fahrt dabei.

Panzerliebhaber können auch in anderen Regionen Deutschlands tonnenschwere Kolosse lenken oder auf ihnen mitfahren, vor allem in den östlichen Bundesländern.

In Sachsen-Anhalt berichtet Benno Winter vom Offroad-Team Landsberg, dass die Nachfrage seit dem Krieg in der Ukraine sogar noch gestiegen sei. „Als über die Panzerlieferungen in die Ukraine diskutiert wurde, wollten plötzlich viele Leute wissen, wie das Panzerfahren so ist“, sagt Winter. Die Gäste kämen aus allen Bevölkerungsschichten: „Arbeiter, Lehrer, Doktoren, alles ist dabei.“

Wer Panzer fahren will, findet im Netz nicht nur die Anbieter, sondern auch eine Reihe von Unternehmen, die Gutscheine für diese Touren verkaufen. Bis kurz nach Kriegsbeginn war auch das Münchner Unternehmen Jochen Schweizer dabei. Seit Anfang März 2022 verkauft es allerdings keine Gutscheine für Panzerfahrten mehr. „Wir haben uns bewusst dazu entschieden, dies aufgrund des Krieges in der Ukraine nicht mehr anzubieten“, heißt es vom Unternehmen.

Ersatzteile fehlen

Beim Erfurter Gutscheinvermittler www.panzer-fahren.net bleiben die Panzertouren weiterhin im Angebot. „Es gibt seit Langem auch in vielen anderen Teilen der Welt Krieg. Ist ein Menschenleben in Syrien weniger Wert als in der Ukraine?“, gibt Geschäftsführer Axel Zawischa zu bedenken. Der Krieg in der Ukraine habe keinen spürbaren Einfluss auf die Verkaufszahlen.

Dafür hätten viele Anbieter ganz andere Probleme: „Es mangelt an Ersatzteilen, ständig gibt es neue Gesetze und Auflagen, der Sprit ist teuer geworden und die Corona-Krise hat auch einiges kaputt gemacht“, so Zawischa.

Im hessischen Knüllwald-Remsfeld zum Beispiel rollen seit Corona keine Panzer mehr durch den Offroad-Park „Böser Wolf“. „Wir haben momentan einfach kein Personal“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer Thilo Krug. Er wolle andererseits aber die Kunden, die bereits Gutscheine gekauft hätten, nicht enttäuschen. Alternativ könnten sie auch Baumaschinen fahren.

Panzerfahren als Freizeitgaudi – das ist auch in anderen Ländern möglich. Auch in der Ukraine gab es dieses Angebot, zumindest bis zum Ausbruch des Krieges. Neben Reisen nach Tschernobyl oder Schießabenteuern mit Kalaschnikows bot das Unternehmen „Adventure Tours in Ukraine“ auch Panzerfahrten an.

Momentan veröffentlicht das Unternehmen in den sozialen Netzwerken keine Abenteuerfotos mehr, sondern Bilder von Krieg und Zerstörung. Einem Interessenten, der im Mai 2022 anfragte, ob das Unternehmen noch aktiv sei, postete man eine Karte der Luftangriffe und bemerkte: „Es ist zu unsicher. Warte lieber mit einer Reise.“ (dpa/er)



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