Paritätischer: Jeder Sechste in Deutschland ist arm

Epoch Times13. Dezember 2018 Aktualisiert: 13. Dezember 2018 15:42
In Deutschland leben dem Paritätischen Wohlfahrtsverband zufolge fast 14 Millionen Menschen in Armut. Das ist jeder Sechste.

In Deutschland leben dem Paritätischen Wohlfahrtsverband zufolge fast 14 Millionen Menschen in Armut.

Das ist jeder Sechste, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Armutsbericht des Verbandes hervorgeht. Demnach ist ein Drittel der erwachsenen Armen in Deutschland erwerbstätig, jeder Vierte ist in Rente oder Pension und nur ein Fünftel ist arbeitslos.

Jedes fünfte Kind in Deutschland lebt dem Bericht zufolge in Armut. Bei Alleinerziehenden steigt das Risiko, desto jünger die Kinder sind: Mit 56 Prozent gelten mehr als die Hälfte der Alleinerziehenden mit zwei und mehr Kindern unter 15 Jahren als arm.

Mit einer Armutsquote in Deutschland von 16,8 Prozent sei „erneut eine neue traurige Rekordmarke“ seit der Wiedervereinigung erreicht, sagte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, Ulrich Schneider. „Es geht um mindestens 13,7 Millionen Menschen, die aktuell zu den Armen gezählt werden müssen.“

In der Statistik, die auf Daten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) beruht, sind jedoch nur Menschen erfasst, die über einen eigenen Haushalt verfügen. Nicht berücksichtigt sind somit bis zu einer Million Wohnungslose, etwa 800.000 Bewohner von Pflegeheimen sowie 200.000 Menschen mit Behinderungen in Wohnheimen. „Faktisch werden es daher in Deutschland durchaus noch mehr Menschen als die 13,7 Millionen sein, die unter die Armutsgrenze fallen“, sagte Schneider.

Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, nannte es „höchst skandalös“, dass die soziale Spaltung in einem wohlhabenden Land wie Deutschland immer größer werde. „Auf der einen Seite haben wir ein starkes Wirtschaftswachstum und sinkende Arbeitslosenzahlen, auf der anderen Seite sind fast vierzehn Millionen Menschen, darunter viele Kinder und Ältere, vom Erfolg ausgeschlossen“, kritisierte sie.

„Diese Menschen können keine Rücklagen bilden, sie können nicht für das Alter vorsorgen, sie sparen häufig bei selbstverständlichen Dingen wie Strom, Heizung und bei Lebensmitteln“, fügte Bentele hinzu. „Hier versagt der Sozialstaat Deutschland bei Gerechtigkeit, sozialer Sicherung und Teilhabe.“

Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch verwies darauf, dass dem Bericht zufolge die Mehrheit der erwachsenen Armen berufstätig oder in Rente sei. „Beinahe jeder zehnte Erwerbstätige ist arm“, sagte Bartsch. Die meisten Armen verfügten über ein mindestens mittleres, viele auch über ein höheres Bildungs- oder Qualifikationsniveau. „Wenn in unserem Land nicht einmal mehr Arbeit oder Bildung davor schützen, in Armut zu fallen, ist das ein Offenbarungseid.“ (afp)

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