Uni Gießen: Server lahmgelegt – Hackerangriff als Ursache wird nicht ausgeschlossen

Von 9. Dezember 2019 Aktualisiert: 9. Dezember 2019 16:21
Immer noch arbeiten Spezialisten fieberhaft an der Wiederherstellung der IT-Systeme an der Universität Gießen. Diese hat Anzeige wegen eines möglichen Hackerangriffs erstattet. Erst im Vorjahr hatten iranische Hacker deutsche Universitäten angegriffen.

Zu einem, wie die Einrichtung es nennt, „schwerwiegenden IT-Sicherheitsvorfall“ ist es am Montag (9.12.) an der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) Gießen gekommen. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet, steht die JLU mit den Sicherheitsbehörden in ständigem Kontakt, um Ursache und Schadensausmaß festzustellen und die Systeme wieder in den Normalzustand zu bringen.

Die Computersysteme an der zweitgrößten Universität Hessens sollen vollständig ausgefallen sein, noch verbleibende erreichbare Teile wurden aus Sicherheitsgründen heruntergefahren. Webseite, Mailserver und weitere Dienste waren nicht erreichbar. Allerdings sei die Versorgung der Patienten an der Universitätsklinik nicht gefährdet. Der Datenverkehr des Klinikums laufe über einen eigenen Server.

Unter der Webadresse www.uni-giessen.de ist seit dem Montagnachmittag eine temporäre Ersatz-Webseite geschaltet, die Studenten und Personal mit aktuellen Informationen versorgen soll. Zudem gibt es mittlerweile auch eine Telefonhotline, die unter der Nummer 0641 99-10500 erreichbar ist.

Krisenstab in Kontakt mit Behörden und Experten

Ein Krisenstab unter Leitung des Präsidenten wurde gebildet, der zusammen mit Spezialisten aus Polizei, Wissenschafts- und Innenministerium sowie externen IT-Experten des Darmstädter Forschungszentrums für Cybersicherheit Athene an der Behebung des Schadens und der Klärung der Herkunft arbeiten soll.

Es ist noch nicht abzusehen, wie lange der Serverausfall noch andauern wird. Insbesondere im Verwaltungsnetz der JLU sind die Rechner-Arbeitsplätze derzeit nicht nutzbar. Der Lehr- und Forschungsbetrieb wird jedoch planmäßig fortgeführt. Via Twitter informierte die Universität zudem, dass in den meisten Wohnheimen kein Internetzugang zur Verfügung steht. Das Speisenleitsystem in den Mensen und Cafeterien ist ebenfalls gestört, das Kochen ist aber weiterhin möglich. Für den morgigen Dienstag ist um 16 Uhr eine Informationsveranstaltung in der Aula angesetzt.

Vonseiten der Behörden wird nicht ausgeschlossen, dass ein Hackerangriff die Ursache für den Ausfall der Systeme sein könnte. Wie die „Bild“ berichtet, hat die JLU mittlerweile auch Anzeige erstattet.

Ausfall auch beim IT-Dienstleister der Landesbank Hessen-Thüringen

Anhaltspunkte für einen Zusammenhang mit ebenfalls am Montag bekannt gewordenen technischen Problemen beim IT-Dienstleister der Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale, über die der „Focus“ berichtete, bestehen nicht. Der Ausfall hatte den Zahlungsverkehr der Kunden beeinträchtigt, es entstand ein erheblicher Rückstau bei den Bearbeitungen.

Erst im Mai des Jahres hatte Christian Fötinger von der Stabsstelle für Informationssicherheit der bayerischen Universitäten und Hochschulen am Rande einer Tagung in Ulm vor der Gefahr von Hackerangriffen auf Universitäten und Hochschulen gewarnt. Die Sicherheitsstandards seien vielfach unzureichend, die Risiken real:

Wenn Hochschulen angegriffen werden, dann geschieht das in einem von drei Fällen wegen der Forschungsergebnisse. Es geht sehr stark um Wissenschaftsergebnisse. Ich kann es jetzt aus Bayern sagen: Da ist jetzt schon jede dritte Hochschule betroffen.“

Im Jahr 2018 wurde nachgewiesen, dass iranische Hacker hinter koordinierten Cyberangriffen auf die Server von 300 Universitäten aus aller Welt, darunter auch deutsche, gesteckt hatten. Zu den hauptsächlichen Urhebern von Hackerangriffen auf Unternehmen und Forschungseinrichtungen in westlichen Ländern gehört aber die VR China. Sollten Hacker von dort an dem Angriff auf die JLU Gießen beteiligt sein, wäre dies ein schlechter Dank für die butterweiche Haltung, die JLU-Präsident Joybrato Mukherjee erst jüngst in einem Interview Peking gegenüber an den Tag gelegt hatte.

JLU-Präsident hat noch in der Vorwoche Peking umschmeichelt

Erst in der Vorwoche (5.12.) hatte dieser in einem Interview mit dem Blog des Journalisten und Volkswirts Jan-Martin Wiarda davor gewarnt, gegenüber China in übermäßiger Weise auf „westliche Werte“ zu pochen.

Schließlich, so Mukherjee, gebe es „eine ganze Reihe von Themen, bei denen wir gerade von China viel lernen können“. Etwa im Bereich der „politischen Konsequenz im Umgang mit Umweltbelastungen, die wir in Deutschland nicht erreichen“.

Mögen Sie unsere Artikel?
Unterstützen Sie EPOCH TIMES
HIER SPENDEN