Waffen für die Ukraine: Was Deutschland bislang lieferte

900 Panzerfäuste, 100.000 Handgranaten, 16 Millionen Schuss Munition: Die Waffenliste für die Ukraine ist lang. Darüber hinaus will die Bundesregierung die Lieferung schwerer Waffen finanzieren, mit einem Ringtausch ermöglichen - oder mit Ausbildung unterstützen.
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Ein spezielles Modell des G36 Sturmgewehrs von Heckler & Koch zeigt ein Soldat der Bundeswehr in einer Waffenkammer. Symbolbild.Foto: Marijan Murat/dpa/dpa
Epoch Times21. April 2022

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Die Ukraine hat seit Kriegsbeginn von Deutschland gut 2.500 Luftabwehrraketen, 900 Panzerfäuste mit 3.000 Schuss Munition, 100 Maschinengewehre und 15 Bunkerfäuste mit 50 Raketen erhalten.

Hinzu kommen 100.000 Handgranaten, 2.000 Minen, rund 5.300 Sprengladungen sowie mehr als 16 Millionen Schuss Munition verschiedener Kaliber für Handfeuerwaffen vom Sturmgewehr bis zum schweren Maschinengewehr, wie die Deutsche Presse-Agentur aus ukrainischen Regierungskreisen erfuhr. Nicht enthalten in der Liste sind schwere Waffen wie Panzer oder Artillerie.

Die Bundesregierung hatte sich zwei Tage nach dem Krieg dafür entschieden, Waffen in das Kriegsgebiet zu liefern – ein Tabubruch. Anfangs gab die Bundesregierung noch bekannt, welche Waffen sie liefert, seit längerer Zeit aber nicht mehr. Bundestagsabgeordnete können sich nur noch in der Geheimschutzstelle darüber informieren.

Die in den ukrainischen Regierungskreisen genannten Waffen sind bereits im Kriegsgebiet angekommen. Auf der Liste stehen auch 1.000 Ersatzteile für Maschinengewehre, 100.000 Sprengschnüre und 250.000 Anzünder.

Mörser statt Panzer

Bereits Ende März hatte die Bundesregierung der ukrainischen Regierung eine Liste mit 210 Angeboten für Rüstungslieferungen der deutschen Industrie im Gesamtwert von 307 Millionen Euro vorgelegt. Darauf finden sich Panzerabwehrwaffen, Granaten, Drohnen, Schutzausrüstung und Munition.

Die schwersten dort aufgeführten Waffen sind 12 Mörser mit einem Kaliber von 120 Millimeter. Panzer, schwere Artilleriegeschütze, Kampfhubschrauber oder Kampfflugzeuge sind darauf auch nicht zu finden. Die Liste mit der Überschrift „Unterstützungsmöglichkeiten Industrie – Konsolidiert“ vom 29. März liegt der Deutschen Presse-Agentur vor, zuerst hatte „Bild“ darüber berichtet.

Vor allem Aufklärungstechnik angeboten

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte am Dienstag angekündigt, dass die Bundesregierung Rüstungsgüter der deutschen Industrie in die Ukraine liefern werde. Er sprach von einer Liste, auf der stehe, was die deutschen Rüstungsunternehmen in nächster Zeit liefern könnten. Darunter seien wie bisher Panzerabwehrwaffen, Luftabwehrgeräte, Munition „und auch das, was man in einem Artilleriegefecht einsetzen kann“.

Konkret stehen auf der Liste 5.150 Panzerabwehrwaffen, die bis zu 500 Meter weit schießen können. Außerdem zählen zu den Angeboten 18 kleine Aufklärungsdrohnen, 3.000 Nachtsichtgeräte, mehr als 3.000 Handfeuerwaffen, 30 Anti-Drohnen-Gewehre sowie gepanzerte Fahrzeuge. Der größte Teil der Angebote fällt in die Kategorien „Aufklärungstechnik“ (circa 162 Millionen Euro), persönliche Schutzausrüstung (circa 79 Millionen Euro) und Handfeuerwaffen (circa 41 Millionen Euro).

Keine Waffen mehr aus Bundeswehrbeständen

Laut Scholz will die Bundesregierung keine Waffen mehr aus Bundeswehrbeständen liefern, weil sie der Meinung ist, dass die Truppe dann nicht mehr ihre Aufgaben bei der Landes- und Bündnisverteidigung erfüllen kann.

Stattdessen will die Bundesregierung direkte Rüstungslieferungen der Industrie an die Ukraine finanzieren. Der Geldtopf dafür soll von 225 Millionen auf zwei Milliarden Euro aufgefüllt werden, wie Scholz bereits in der vergangenen Woche angekündigt hat.

Der zweite Weg, die Lieferung schwerer Waffen in die Ukraine zu ermöglichen, ist der Ringtausch: Andere Länder liefern Waffen sowjetischer Bauart in die Ukraine und bekommen dafür Ersatz aus Deutschland. Die Aktion soll nach Angaben von Verteidigungsministerin Christine Lambrecht in den nächsten Tagen starten.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur vom Donnerstag soll der Nato-Partner Slowenien eine größere Stückzahl seiner Kampfpanzer an die Ukraine abgeben und aus Deutschland dafür den Schützenpanzer Marder sowie den Radpanzer Fuchs erhalten. Slowenien nutzt noch eine jugoslawische Variante des Kampfpanzers T-72 unter der Bezeichnung M-84. Es wird vom ukrainischen Heer bereits eingesetzt und erfordert keine umfangreiche Zusatzausbildung.

Slowenien soll als Kompensation auch moderneres Gerät aus Deutschland angefordert haben, darunter den deutschen Kampfpanzer Leopard 2, den Radpanzer Boxer sowie den Schützenpanzer Puma, der in der Bundeswehr als Nachfolger des seit 50 Jahren genutzten Marder eingeführt wird.

Andere Bündnispartner, die moderneres Gerät schicken, sollen mit Munition und Ausbildung unterstützt werden. So will sich Deutschland beispielsweise an der Lieferung schwerer Artillerie aus den Niederlanden oder den USA in die Ukraine indirekt beteiligen.

Ausbildung ukrainischer Soldaten an Panzerhaubitze 2.000

Lambrecht bestätigte auch, dass Deutschland ukrainische Soldaten an der Panzerhaubitze 2.000 ausbilden werde. „Weil wir das Know-how haben, um daran auszubilden. Das ist eine Möglichkeit, um auch diesen Support zu leisten“, sagte sie.

Nach früheren Berichten soll die Panzerhaubitze 2.000 von den Niederlanden an die Ukraine geliefert werden. Deutschland könne dies nicht tun, da die „Bundeswehr nicht so ausgestattet“ sei, sagte Lambrecht und fügte hinzu: „Aber da, wo wir Ausbildung leisten können, werden wir das tun.“ Die Bundeswehr verfügt über etwa 120 Panzerhaubitzen. Sechs davon sind in Litauen im Einsatz. (dpa/red)



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