Wirtschaftsexperte Fratzscher fordert Rentenreform: Viele Menschen bekommen weniger raus als, was sie eingezahlt haben

Epoch Times28. September 2019 Aktualisiert: 28. September 2019 12:57

Eine grundlegende Rentenreform hat der Wirtschaftsexperte Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) gefordert.

Menschen mit geringeren Einkommen sollten bei den Rentenanwartschaften durch eine Aufwertung ihrer Einzahlungen systematisch bessergestellt werden“, sagte Fratzscher der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Samstag. Dies werde auch in den meisten anderen Industriestaaten so gehandhabt und „das ist richtig so“.

Fratzscher kritisierte, dass es derzeit für viele Menschen in der gesetzlichen Rentenversicherung eine negative Rendite gebe:

Sie bekommen weniger Geld heraus, als sie über die vergangenen drei, vier Jahrzehnte eingezahlt haben.“

Das sogenannte Äquivalenzprinzip, wonach in der Theorie jeder Versicherte pro eingezahlten Euro auch einen Euro herausbekommen solle, bezeichnete er als zwar „grundsätzlich richtig“, es müsse aber besser ausgestaltet werden, um etwa Unterschiede bei der Lebenserwartung zu berücksichtigen.

Kritik übte Fratzscher an den Plänen für die Grundrente, um die seit Monaten in der Koalition gerungen wird. Zwar gehe das Vorhaben „in die richtige Richtung“, doch würden viele Menschen nicht auf die von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) als Voraussetzung verlangten 35 Beitragsjahre kommen.

Im Streit um eine Bedürftigkeitsprüfung für mögliche Leistungsempfänger stellte sich Fratzscher hinter die Union, die auf einer solchen Prüfung beharrt. Andernfalls würden „auch Leute profitieren, die das Geld nicht unbedingt brauchen“, sagte der Wirtschaftsexperte.

Heil argumentiert dagegen, dass Rentenzahlungen generell unabhängig von der Einkommens- und Vermögenssituation der Rentner erfolgen. Eine hochrangige Arbeitsgruppe der Koalition hatte sich am Freitag erneut nicht auf eine Lösung verständigen können. (afp)

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