Coronavirus schickt Italiens Wirtschaft auf den Weg in neue Bankenkrise

Epoch Times12. März 2020 Aktualisiert: 12. März 2020 15:25
Italiens Wirtschaft steht seit Jahren auf tönernen Füßen. Die Anzahl von Zombie-Firmen wuchs stetig. Die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie schüren die Sorge um Italiens Wirtschaft weiter - und vor möglichen Ansteckungsgefahren auch für das Finanzsystem.

Der Ökonom Jens Südekum hält EU-Hilfen für Italien für unabdingbar: „Da muss dringend gesamteuropäisch geholfen werden“, sagte er der „Bild“-Zeitung vom Donnerstag.

Einerseits müsse sich die Europäische Zentralbank (EZB) darum kümmern, dass die italienischen Banken nicht in Bedrängnis gerieten, forderte der Wirtschaftswissenschaftler. Andererseits müsse der italienische Staat zur Not auch mehr Schulden aufnehmen, um die Unternehmen im Land zu stützen.

„Die Situation dort macht mir große Sorgen“, sagte Südekum, der am Mittwoch gemeinsam mit weiteren führenden Ökonomen ein 15-seitiges Papier mit wirtschaftspolitischen Handlungsempfehlungen im Kampf gegen die Corona-Krise vorgelegt hatte. Er warnte in der Zeitung vor der ökonomischen Gefahr, die von Italien für Europa ausgehe: „Das Land hat viele Probleme gleichzeitig: Es ist massiv überschuldet und hat seit Jahren das mit Abstand schwächste Wachstum in Europa.“

Italien – Umsatzstark aber dennoch schwach und hoch verschuldet

Italien ist von der Ausbreitung des Coronavirus besonders betroffen; im gesamten Land gelten deshalb drastische Einschränkungen. Zugleich war Italien dem Statistischen Bundesamt zufolge im vergangenen Jahr bezogen auf die Höhe der Umsätze hinter China, den Niederlanden, den USA und Frankreich der fünftwichtigste Handelspartner der Bundesrepublik.

Außerdem sind auch die deutschen Banken erheblich mit dem italienischen  Finanzsystem verwoben: Laut Bundesbank beliefen sich die Forderungen der deutschen Banken einschließlich ihrer Auslandsfilialen und -töchter an Italien Ende vergangenen Jahres auf mehr als 76 Milliarden Euro.

Italienische Banktitel – Auf dem Weg in die Wertlosigkeit

Banktitel wiederum gehören bei den derzeitigen Kursrutschen an den Börsen zu den am stärksten betroffenen Aktien. Grund dafür ist unter anderem, dass Anleger derzeit um die Profitabilität der Finanzhäuser fürchten – vor allem weil wegen der Corona-Krise die Rückzahlung von Krediten an die Institute in erheblichem Umfang auszufallen droht.

Der frühere Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte deshalb zuletzt bereits Parallelen zur Finanzkrise gezogen und die Bankenbranche als besonders gefährdet bezeichnet. „Ich hoffe immer noch, dass es nicht so schlimm wird wie 2008, aber das haben zu Beginn der Finanzkrise auch viele gedacht“, sagte er dem „Spiegel“. Die Institute seien heute zwar besser kapitalisiert als vor der Finanzkrise und durch die Zentralbanken auch gut mit billigem Geld versorgt. „Aber viele Banken besonders in Europa sind nicht profitabel genug, um eine solchen Schlag einfach wegstecken zu können“, sagte Ackermann.

Wieder Bankenretttung auf Kosten der Steuerzahler?

Auch Staatshilfen hält Ackermann wieder für möglich. „Ich hoffe, dass es nicht so weit kommt“, sagte er. „Aber die Regierungen werden der Wirtschaft insgesamt, also auch der Finanzwirtschaft, beistehen müssen.“

Gabriel Felbermayr, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), sagte der „Bild“-Zeitung, bei der Finanzkrise 2008/2009 habe es „eine Kernschmelze im Finanzsystem“ gegeben. „Jetzt haben wir einen Gesundheits-Schock“. Es gebe jedoch eine Parallele: „Es kann über Angst zu Ketten-Reaktionen kommen“.

Ohne Vertrauen keine funktionierende Wirtschaft

In ihrem 15-seitigen Papier hatten die Ökonomen rund um Felbermayer und Südekum betont, dass es in der Corona-Krise wichtig sei, „einem Verfall des Vertrauens unter Unternehmen der Realwirtschaft und im Finanzsektor in die Solidität und Zahlungsfähigkeit der Geschäftspartner entgegenzuwirken“ – denn dies würde, ähnlich wie 2008, „zu einer Run-Situation, also einer durch fundamentale Faktoren nicht begründeten Panik führen“.

Nach Einschätzung internationaler Finanzexperten rund um das Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung Safe in Frankfurt am Main sollten die europäischen Staaten betroffene Unternehmen nun gezielt mit Liquidität unterstützen. Andernfalls könnten die durch virusbedingte Geschäftsausfälle hervorgerufenen Liquiditätsengpässe in der Realwirtschaft „eine neue Bankenkrise hervorrufen“, warnten sie am Donnerstag. (afp/al)

ilo

 

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