Charmant & Hart – Ina Menzer

Von 24. Oktober 2007 Aktualisiert: 24. Oktober 2007 0:41
Interview mit Boxweltmeisterin Ina Menzer

Gelegentlich hält das Leben auch einmal eine angenehme Aufgabe parat. Eine dieser angenehmen Aufgaben ist zum Beispiel ein Interview mit der charmanten Boxweltmeisterin Ina Menzer. In einer sehr entspannten Atmosphäre trafen wir uns in einem netten Café, um das geplante Interview aufzuzeichnen:

Frau Menzer, wir alle haben noch die fantastische Stimmung bei ihrem letzten WM-Fight gegen Jazmin Rivas in Erinnerung. Bekommt man das überhaupt während des Kampfes mit wenn man so frenetisch angefeuert wird?

Schon allein dass so viele Menschen aus Mönchengladbach nach Düsseldorf kamen, um mich zu unterstützen hat mich positiv nervös gemacht. Bereits vor dem Kampf haben alle gejubelt und mich super empfangen. Als ich dann zum Kampf in die Halle eingelaufen bin, konnte ich die Musik kaum hören, weil die Leute so laut geschrien haben. Während des Kampfes sind die dann alle von ihren Sitzen aufgesprungen und haben mich angefeuert. Normalerweise, wenn ich super konzentriert bin, höre ich immer nur meine Trainer – aber diesmal hab ich jeden Einzelnen gehört.

… woran lag das …?

Wahrscheinlich weil es so viele vertraute Stimmen waren.

Welcher war Ihr schwerster Kampf?

Weiß ich gar nicht so recht – jeder Kampf ist eine große Herausforderung . Der letzte Kampf war schwer …

obwohl es ja von außen alles sehr leicht und souverän aussah …

Ja, aber wenn man selber im Ring steht, sieht die Sache anders aus. Wenn andere boxen frag ich mich manchmal auch “warum macht die das nicht so oder so” – aber wenn man selbst im Ring steht, ist das halt ganz anders als wenn man nur zuschaut.

Meine Titelverteidigung vor einem Jahr war auch sehr schwer. Aber wahrscheinlich hab ich das auch nur so in Erinnerung weil der Kampf sehr knapp ausgegangen ist. So genau kann ich das allerdings auch gar nicht sagen weil die letzten Kämpfe alle schwer waren.

Haben Sie noch mit Vorurteilen zu kämpfen, dass Frauen boxen?

Ja, aber nicht mehr soviel wie früher. Als ich zum Beispiel bei den Profis angefangen habe, bin ich bei Universum zu einer Veranstaltung gegangen. Da habe ich mich mit meinem jetzigen Trainer Michael Timm unterhalten, als ein Boxer von ihm dazu kam. Michael Timm stellte mich ihm vor und sagte zu ihm: “das ist eine neue Boxerin von mir”. Der Boxer grinste nur und sagte: “ja, ja – alles klar” und ging dann wieder weg. Als ich dann das erste Mal zum Training kam, schaute der Boxer mich ganz verblüfft an und sagte “du bist ja wirklich eine Boxerin …”

Krachend schlägt die Rechte von Ina Menzer bei Jasmin Rivas ein. (Krachend schlägt die Rechte von Ina Menzer bei Jasmin Rivas ein. (Foto: C.Koepsel/Staff/Bongarts/Getty Images)

Es hieß früher immer ihre Mutter mache sich große Sorgen um Sie – ist das immernoch so?

Nein, das hat sich mittlerweile geändert – inzwischen machen sich noch viel mehr Leute um mich Sorgen (Frau Menzer lächelt). Mein Mann, meine Geschwister und auch alle Leute, die nach Düsseldorf kamen, waren wegen mir nervös – aber das kann man natürlich nicht mit einer Mutter vergleichen. Aber meine Mutter ist manchmal immer noch extrem nervös – manchmal weint sie sogar nach einem Kampf … und wenn ich mal eine Beule habe dann weint sie erst recht.

Wie kommt es, dass so viele Boxer aus der ehemaligen Sowjetunion im Moment so stark sind?

Weil Boxen zum Beispiel in der Ukraine sehr beliebt ist. Dort boxen sehr viele und die Ausbildung in der Grundschule des Boxens ist dort auch sehr gut. Dazu kommt halt noch, dass die Grenzen jetzt auf sind und die Sportler überall hin reisen um ihr Können zu demonstrieren.

Es ist bekannt, dass Sie sozial sehr engagiert sind …

Ja besonders für Kinder und Tiere kann ich nicht nein sagen. Deshalb feierte auch im September das „Ina Menzer-Box-Camp“ seine Premiere. Ich habe da mit zwölf Kids mit Migrationshintergrund gearbeitet, um ihnen mit Hilfe von Boxübungen und der Philosophie des Boxens die wichtigen Werte im Leben zu vermitteln. Diese Werte sind für mich vor allem Aufrichtigkeit, Ehre, Treue, Höflichkeit und Güte, Wahrhaftigkeit und der respektvolle Umgang untereinander. Ich finde es wichtig, Kindern frühzeitig die entscheidenden Werte im Leben zu vermitteln. Sowieso wird das Klima in einem Boxverein auch vom Trainer bestimmt. Herr Altergott, mein erster Boxtrainer, hat dies in seiner Boxschule in Mönchengladbach hervorragend gemacht. Es gab in den acht Jahren, die ich dort trainiert habe bei ca. 70 Boxern und den verschiedenen Nationalitäten nie einen Streit und wenn jemand Hilfe brauchte haben sich alle untereinander geholfen.

Bleibt Ihnen als Weltmeisterin überhaupt noch Zeit, sich für andere Dinge zu interessieren?

Zur Zeit lese ich gerade „Der Graf von Monte Christo“ – aber das geht im Moment sehr schleppend wegen dem Training. Wenn ich dann noch dazu komme schau ich mir auch sehr gerne Tanzen an. Das gefällt mir, das finde ich sehr schön.

Erschöpft aber zufrieden: Ina Menzer und Jasmin Rivas nach ihrem Kampf in Düsseldorf
Erschöpft aber zufrieden: Ina Menzer und Jasmin Rivas nach ihrem Kampf in Düsseldorf

Es ist auffällig, dass über Sie und Ihre Leistungen immer in Verbindung mit Regina Halmich berichtet wird. Stichwort: „Die Kronprinzessin der Quotenqueen …“

Wenn ich ehrlich bin ist das nicht immer schön. Manche berichten oder schreiben, als ob ich ständig im Schatten von Regina stehen würde. Doch jede boxt anders und jede ist eine eigene Persönlichkeit. Regina ist Regina und Ina ist Ina, und erst wenn Regina nicht mehr boxt, wird sich entscheiden, wer ihren Platz beim Publikum dann einnimmt. Und das werden die Fans dann letztendlich auch selbst entscheiden. Aber ich möchte auch ganz gern als eine eigene Person wahrgenommen und behandelt werden. Jedoch, Regina zu ersetzen ist nicht mein Ziel – ich bin Ina Menzer!

Ihre nächste Titelverteidigung steht nun am 30. 11. bei der „Abschiedsveranstaltung“ von Regina Halmich auf dem Programm

Es ist natürlich klasse, dass ich an diesem Abend ebenfalls meinen Titel verteidigen werde. Reginas Abschied aus dem Ring wird bestimmt sehr emotional und wir werden eine tolle Stimmung in der Halle haben“

Vielen Dank Frau Menzer und viel Erfolg!

 

Boxhandschuhe der Weltmeisterin zu gewinnen!

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Epoch Times Deutschland verlost unter den Lesern ein Paar Boxhandschuhe, handsigniert von der amtierenden WIBF-Weltmeisterin Ina Menzer.

 

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Ina Menzer ist bei Universum Box-Promotion unter Vertrag. Mit 18 Siegen in 18 Profikämpfen (8 durch K.O.) ist sie seit Oktober 2005 amtierende WIBF Weltmeisterin im Federgewicht. 2005 und 2006 wurde sie zur „Sportlerin des Jahres“ der Stadt Mönchengladbach gewählt. Sie ist am 10.11.1980 in Atbasar (Kasachstan) geboren und ist gelernte kaufmännische Fremdsprachenassistentin. Ihr BWL-Studium hat sie im Moment zu Gunsten ihrer Boxkarriere unterbrochen.

Autogrammwünsche an: Ina Menzer, c/o Universum Box-Promotion, Am Stadtrand 27 , 22047 Hamburg

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