Deutsche Bank und Commerzbank kündigen Fusionsgespräche an

Epoch Times17. März 2019 Aktualisiert: 17. März 2019 13:56
Die beiden größten deutschen Privatbanken, Deutsche Bank und Commerzbank, nehmen Gespräche über eine mögliche Fusion auf. Die Banken wollen "ergebnisoffene Gespräche über einen eventuellen Zusammenschluss aufnehmen".

Die Deutsche Bank und die Commerzbank haben offiziell angekündigt, Gespräche über eine mögliche Fusion aufzunehmen. Die Unternehmen veröffentlichten am Sonntag eine entsprechende Ad-hoc-Mitteilung. Zuvor hatten bereits mehrere Medien über diesen Schritt berichtet.

Man habe sich darauf verständigt, „ergebnisoffene Gespräche“ über einen eventuellen Zusammenschluss aufzunehmen, hieß es vonseiten der Commerzbank.

Die Deutsche Bank bestätigte die Gespräche mit der Commerzbank und teilte mit, dass man „mit Blick auf sich bietende Opportunitäten“ beschlossen habe, „strategische Optionen“ zu prüfen. „Diese Optionen wird der Vorstand daraufhin bewerten, ob sie Wachstum und Profitabilität der Bank stärken“, hieß es weiter. Es gebe allerdings keine Gewähr, dass es zu einer Transaktion komme.

Die Vorstände beider Geldhäuser hatten schon seit geraumer Zeit im kleinen Kreis beraten, ob die beiden Geldhäuser zusammenpassen könnten. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte beklagt, hiesige Banken hätten nicht mehr die „Größenordnung und die Globalität“, die notwendig sei, um Unternehmen bei ihren Geschäften weltweit zu begleiten. Die Gewerkschaften warnten dagegen, ein Zusammenschluss gehe mit massivem Stellenabbau einher.

Informationen für Mitarbeiter

Die Deutsche Bank hat ihre Mitarbeiter über die Aufnahme von Verhandlungen mit der Commerzbank informiert. „Wir haben die Öffentlichkeit heute darüber informiert, dass wir im Zusammenhang mit der Prüfung strategischer Optionen Gespräche mit der Commerzbank führen“, heißt es in einem Schreiben von Vorstandschef Christian Sewing, über das die „Welt“ berichtet.

Sie erinnern sich sicher, dass ich im September vergangenen Jahres gesagt habe, wir wollten zunächst unsere Hausaufgaben erledigen. Dabei sind wir in den vergangenen Monaten weit vorangekommen.“

Gleichzeitig müsste sich das Management aber dann mit Gelegenheiten beschäftigen, wenn sie sich böten, schreibt Sewing weiter. „Die Konsolidierung der Bankenbranche in Deutschland und Europa ist für uns ein wichtiges Thema, auch das habe ich immer wieder betont. Wir müssen prüfen, wie wir sie mitgestalten wollen.“

Der Vorstand werde deshalb die Möglichkeiten, die sich böten, sorgfälig prüfen. „Zum jetzigen Zeitpunkt steht keineswegs fest, ob es überhaupt zu einer Transaktion kommen wird. Die Erfahrungen zeigen, dass es viele wirtschaftliche und technische Gründe geben kann, die einem solchen Schritt entgegenstehen können.“

Druck aus der Politik und mögliche neue Mehrheiten in Brüssel

Seit Monaten wird über eine Fusion der beiden Privatbanken spekuliert. Immer wieder bekräftigten Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und sein Staatssekretär, der ehemalige Goldman-Sachs-Deutschlandchef Jörg Kukies: Deutschland brauche starke Banken. Scholz hatte am Montag gesagt, es gebe Beratungen über die aktuelle Situation, die Bundesregierung sei „ein fairer Begleiter von privatwirtschaftlichen Diskussionen“. Bei der Commerzbank hat der Bund über seine Aktienbeteiligung von gut 15 Prozent, die er seit einer Rettungsaktion in der Finanzkrise hält, Mitspracherecht.

Sollte es nicht zu einer Fusion kommen, würde die Commerzbank in absehbarer Zeit vermutlich bei einem ausländischen Käufer unterkommen, hieß es Anfang März. Damit gäbe es aber auch für die angeschlagene Deutsche Bank keine Option mehr. Im Geschäftsjahr 2016 war die Commerzbank nach der Bilanzsumme die viertgrößte Deutschlands

Aus Sicht der Berliner Politik drängt die Zeit. Ende Mai wird ein neues Europaparlament gewählt. Dem Bericht zufolge fürchtet die Bundesregierung neue Mehrheiten in Brüssel, die das Vorhaben blockieren könnten. So drohe ein beihilferechtliches Problem, wenn die beiden Banken bei ihrem Zusammengehen eine Form staatlicher Stütze bräuchten.

Sollten Union und SPD bei der Wahl zudem merklich Stimmen einbüßen, könnte der Fortbestand der großen Koalition gefährdet sein. In einer instabilen politischen Lage wäre eine neuerliche Krise einer großen deutschen Bank besonders problematisch, heißt es.

Kommentare aus der Politik

FDP-Chef Christian Lindner hat die Fusionspläne von Deutscher Bank und Commerzbank begrüßt. „Deutschland braucht eine starke Privatbank. Allein waren Deutsche Bank und Commerzbank das nicht mehr“, sagte Lindner der „Bild“.

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Es müsse jetzt „anhand konkreter Konzepte“ geprüft werden, „ob eine Fusion sinnvoll ist“. Diese müsse aber durch die Eigentümer geschehen. Linder warnte ausdrücklich vor einer zu großen Einmischung seitens der Bundesregierung: „Eine vom Staat eingefädelte Zwangsfusion wäre weder für Kunden noch für Eigentümer gut.“

„Wir finden es beachtlich – um nicht zu sagen bedauerlich – wenn gerade der Staat als größter Einzelaktionär der Commerzbank in seiner Doppelrolle einen solchen Druck für eine offensichtlich wirtschaftlich unsinnige Maßnahme aufbaut, die obendrein noch Tausende von Arbeitsplätzen kosten würde“, erklärte der Vorsitzende des Deutschen Bankangestellten Verbandes (DBV), Stephan Szukalski, in einem von der Gewerkschaft veröffentlichten Schreiben. Auch die Gewerkschaft Verdi sieht ein Fusionsszenario kritisch. (dpa/dts)