Thielemann: „Jeder sollte bei Arbeitsethos, Disziplin und Zuverlässigkeit Preuße sein“

Epoch Times4. April 2019 Aktualisiert: 4. April 2019 15:28
Zu seinem 60. Geburtstag gab der Dirigent Christian Thielemann dem Magazin "Corps" ein Interview. Er äußert sich darin zur preußischen Disziplin, Selbstkritik und Elitedenken.

Er gehört zur Welt-Elite der Dirigenten, Patentrezepte um dort anzukommen, hat er nicht, aber viele wichtige Einsichten. Sein Lebenslauf war beispielhaft zielgerichtet.

Christian Thielemann begann seine berufliche Laufbahn 1978 als Korrepetitor an der Deutschen Oper Berlin. Nach Stationen in Gelsenkirchen, Karlsruhe und Hannover wurde er 1985 Erster Kapellmeister an der Düsseldorfer Rheinoper. 1988 trat er als jüngster Generalmusikdirektor Deutschlands in Nürnberg an, bevor er 1997 für sieben Jahre in gleicher Position an die Deutsche Oper Berlin zurückkehrte.

Von 2004 bis 2011 war Thielemann Generalmusikdirektor der Münchner Philharmoniker. Seit Beginn der Saison 2012/2013 leitet er als Chefdirigent die Sächsische Staatskapelle Dresden. Zu seinem 60. Geburtstag gab Christian Thielemann dem Magazin „Corps“ ein Interview. Hier geht er auf die Themen Tradition, preußische Werte und Meinungsfreiheit ein.

„Es geht um Erziehung. Das Preußische macht sich darin fest, in einer richtigen Erziehung. Dem Streben nach Idealen. Man fühlt sich besser mit Regeln, solange man nicht darin verkrampft. Das Elitäre gehört dazu“, so der künstlerische Leiter der Salzburger Festspiele Thielemann.

Alle Leute sollten manchmal Preuße sein, wenn es um Arbeitsethos, Disziplin, und Zuverlässigkeit geht. Dieses ewige Laissez-faire (…). Und erklärt: „Ich mag das Wort Disziplin, es geht um Selbstbeherrschung.“

Thielemann glaubt man käme weiter im Leben, wenn man nicht über die Umstände lamentiere, sondern aus seinen Möglichkeiten das Beste machen würde.

„Bevor man etwas von anderen verlangt, muss man es erst sich selbst abverlangen“

Er selbst sei nur durch Elitedenken an die Weltspitze gelangt. „Bevor man etwas von anderen verlangt, muss man es erst sich selbst abverlangen“, so der Wagner-Kenner.

Und zum Thema Kritik sagt er: „Wenn Sie nicht kritisieren, kommt man nicht mehr voran. Die wichtigste Kritik richtet sich dabei als erstes gegen einen selbst.“ Wer das nicht lerne, hätte verloren, so der gebürtige Berliner.

Für den Chefdirigenten gehen die Maßstäbe vor die Hunde. Man müsse sagen dürfen, dass etwas Mist sei, wenn es Mist sei. Darin würde sich für ihn auch die Krise des Bürgertums zeigen. Viele würden sich nicht mehr trauen zu sagen, wenn sie etwas nicht mögen und drucksen rum. „Toleranz darf nicht so weit gehen, dass man nichts mehr schlecht finden darf, um nicht als altbacken zu gelten“, so Thielemann.

Goethe: „Ältestes bewahrt mit Treue, freundlich aufgefasstes Neue“

Und Thielemann erklärt weiter: Toleranz sei wichtig, aber eben in der preußischen Variante. Nämlich zu akzeptieren, dass der andere seine Freiheit so weit genieße, bis er an die eines anderen stieße.

Traditionen hält er für wichtig: Es gäbe Städte in Deutschland, da gelte eine beschmierte Wand als Kunst. In anderen sei es eine Sachbeschädigung. „Ich bin für überlieferte Gewissheiten“, so Thielemann.

Und zitiert Wolfgang Goethe: „Ältestes bewahrt mit Treue, freundlich aufgefasstes Neue.“ Da hätte er doch Recht, es ginge um diese Abwägung, das Zulassen beider Seiten, so Thielemann, der in Potsdam-Babelsberg lebt. (er)

Mögen Sie unsere Artikel?
Unterstützen Sie EPOCH TIMES
HIER SPENDEN