Mesut Özil im Interview: „Aber was dann folgte, hat ihren Rassismus für jedermann sichtbar gemacht.“

Von 23. Oktober 2019 Aktualisiert: 23. Oktober 2019 20:32
Rassismus hat viele Gesichter, manches zeigt sich fremdenfeindlich, manches in der Ablehnung der Meinungen anderer. Als Mesut Özil nach dem Eklat um das Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan aus der Deutschen Nationalmannschaft zurücktrat, sah er sich mit Rassismus verschiedener Art konfrontiert - auch aus dem politisch korrekten Lager.

Er wurde in Gelsenkirchen mit türkischer Staatsbürgerschaft geboren, entschied sich mit 18 für die deutsche und spielte im Profilager bei Schalke 04, Werder Bremen und Real Madrid. Seit 2013 ist Mezut Özil bei Arsenal London unter Vertrag. Insgesamt spielte er in 92 Länderspielen für Deutschland.

Im Sommer 2014 wurde Özil zusammen mit seinen Team-Kameraden der deutschen Nationalmannschaft Weltmeister in Brasilien. Über den Teamgeist und das Fairplay der Mannschaft und den Fußballerfolg lernten weite Teile der deutschen Gesellschaft wieder ein Stück gesundes Nationalbewusstsein kennen. Man erinnerte sich vielleicht an den legendären Sommer 2006, als Deutschland Gastgeber der Fußball-WM war und sich ein Zusammengehörigkeitsgefühl über alle Abstammungshintergründe hinweg zeigte. Auch die Menschen anderer Nationen waren positiv überrascht von der neu erlebten Herzlichkeit und Offenheit der Deutschen. Schwarz-Rot-Goldene Fahnen wehten ohne dass hier jemand künstlich Rechtsextremismus witterte. Deutschland hatte mehr zu bieten als jene unseeligen zwölf Jahre NS-Diktatur, die Mitte des vergangenen Jahrhunderts in einem Weltkrieg endeten. Auch 2014 war die Nation durch den Sport geeint, alle feierten zusammen.

Es hätte wohl so weitergehen können, wenn da nicht das Jahr 2015 mit seiner Migrationskrise gekommen wäre.

Es war, als würde sich die Hölle selbst auftun. Millionen von Migranten kamen nach Deutschland, geflohen vor Krieg oder aus wirtschaftlichen Gründen und es schien so, als hätten die Unglücklichen auch eine dunkle Wolke von Unglück aus ihren Ländern mitgebracht. Wer auch immer diese Migrationsströme in Gang gesetzt hatte, es muss das Böse selbst gewesen sein, das steuerte und lenkte. Und es schürte den Hass in den Menschen …

Doch von all dem soll hier nicht weiter berichtet werden.

Jener Mesut Özil also hatte in den letzten Jahren einige Erlebnisse, die ihn nicht nur zum Rücktritt aus der Nationalmannschaft bewegten, sondern auch zu einer Person der politisch korrekten Kritik machten. Angefangen hatte es mit einem gemeinsamen Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan.

Özil und das Foto mit dem Präsidenten

Nun sprach Özil seit längerer Zeit erstmals öffentlich über das Foto und seinen Rücktritt in einem Interview in „The Athletic„, über das die „Bild“ nun berichtet.

Demnach hatten sich Mesut Özil und sein DFB-Kollege Ilkay Gündogan im Vorfeld der WM 2018 und zur Zeit des türkischen Wahlkampfes zur Parlaments- und Präsidentschaftswahl am 24. Juni 2018 mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan getroffen und zusammen ein Foto gemacht. Özil dazu:

Er ist aktuell der Präsident der Türkei, und ich würde dieser Person immer Respekt zollen, wer auch immer es ist. Auch wenn ich in Deutschland geboren und aufgewachsen bin, die Türkei ist Teil meiner Identität.“

(Mesut Özil)

Auch mit Angela Merkel würde er sich treffen, wenn diese nach London käme und ihn sprechen wolle. Für Özil hat das mit „Respekt gegenüber dem höchsten Amt eines Landes“ zu tun, wie er sagte.

Das Foto hatte für viel Kritik, Empörung und Häme in Deutschland gesorgt. Aus rechtsextremen Kreisen wurde auf Özil und Gündogan eingehackt, mit übelsten Worten geschimpft.

Doch auch aus linken und nach links abgerutschten Kreisen aus der Mitte der Gesellschaft und der Politik wurde geschimpft: Es sind jene Kreise, die zwar jegliche Kritik an der verordneten Willkommenskultur als Beleidigung empfinden, aber ein mit sexueller Perversion gefülltes „Schmähgedicht“ eines Jan Böhmermann gegenüber dem türkischen Präsidenten als sogenannte „Kunst“ ohne Probleme akzeptieren.

Kein Wunder also, dass der Erste Stadtrat im hessischen Bebra, Bernd Holzhauer (SPD), in vulgärer Weise die vorläufige Auswahl des DFB für die WM 2018 auf Facebook kommentierte: „das vorläufige deutsche Aufgebot zur WM – 25 Deutsche und zwei Ziegenficker“.

Özil erklärte im Interview, dass er sich nach den Reaktionen auf das Foto „schutzlos und nicht respektiert“ gefühlt habe. Er sei sogar von Politikern und Prominenten rassistisch beschimpft worden. Auch von der Nationalmannschaft habe sich niemand hingestellt und „Stopp!“ gesagt: „Das ist unser Spieler, ihr könnt ihn nicht so beleidigen.‘ Alle haben geschwiegen und ließen es passieren“, so der ehemalige Nationalspieler.

Wie der „Tagesspiegel“ berichtete, sagte Özil:

In meiner Kindheit hat mich meine Mutter gelehrt, immer respektvoll zu sein und nie zu vergessen, woher ich komme, und das sind Werte, über die ich bis heute nachdenke.“

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Als Sohn türkischer Eltern ist die Türkei natürlich auch Teil seiner Identität, seiner Herkunft, seiner Ahnen. Doch von ihm verlangte man eine Entschuldigung und damit eine Unterwerfung unter die Ansichten der Political Correctness und ihren Anti-Patriotismus: „Ansonsten wäre ich nicht mehr willkommen im Team und müsste aufhören.“

Rücktritt und Enttäuschung

Mesut Özil trat nach der WM 2018 aus der Nationalmannschaft zurück.

Rückblickend weiß ich, dass es die richtige Entscheidung war.“

Während der WM konnte die Mannschaft, die an Teamgeist verloren hatte, nicht mehr überzeugen. Der glorreiche Weltmeister von 2014 schied schon in der Vorrunde als Tabellenletzter der Gruppe F gegen Schweden, Mexiko und Südkorea aus.

Und plötzlich zeigte sich hinter der schönen Fassade der Gesellschaft die hässliche Fratze des politischen Rassismus, nicht weniger hässlich als der ethnische.

Rassismus war immer da, aber die Leute haben die Situation um mich als Ausrede genutzt, um ihn auszuleben.“

Laut Özil könne jeder seine eigene Meinung über das Foto mit Erdogan haben. „Aber was dann folgte, hat ihren Rassismus für jedermann sichtbar gemacht.“

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.