Die Opfer von Hanau: Eine der Getöteten erwartete gerade ihr drittes Kind

Von 22. Februar 2020 Aktualisiert: 22. Februar 2020 13:01
Am Tag nach der Gewaltorgie von Hanau standen Analysen über den Täter und politisch motivierte Schuldzuweisungen im Fokus medialer Aufmerksamkeit. Über die Opfer wurde nur wenig bekannt. Dies wollen nun Mitglieder einer Gruppe „Pray for Hanau“ auf Instagram ändern.

Nach dem Massaker im hessischen Hanau am Mittwochabend (19.2.) stand vor allem der mutmaßliche Täter im Vordergrund des medialen Interesses. Der 43-jährige Tobias R., ein zuvor unauffälliger Einzelgänger, der paranoide Wahnvorstellungen und ein fremdenfeindliches Weltbild verinnerlicht hatte, tötete in mehreren Bars der Stadt und einem Kiosk insgesamt neun Menschen mit Migrationshintergrund. Offenbar fiel auch ein ungeborenes Kind den Angriffen zum Opfer. Anschließend wurde R. und seine 72-jährige Mutter tot in seiner Wohnung aufgefunden.

Wenig Aufmerksamkeit wurde bislang hingegen den Opfern der Bluttat zuteil. In sozialen Medien machten im Laufe des Donnerstags einige Bilder und Collagen die Runde. Einen systematischen Versuch, den Opfern ein Gesicht zu geben, unternahm auf Instagram eine Gruppe von Nutzern, die dort eine Seite mit dem Namen „Pray for Hanau“ ins Leben rief.

Familien von Getöteten zum Teil seit mehr als 40 Jahren in Hanau

Die Gewaltorgie begann, wie das Portal „Perspektive“ zusammenfasste, um etwa 22 Uhr in der Shisha-Bar „Midnight“ am Hanauer Heumarkt. Dort tötete Tobias R. vier Menschen in der Bar. In der nahe gelegenen „Arena“-Bar ermordete er weitere fünf Menschen. Der Kiosk soll das dritte Ziel des Täters gewesen sein. 

Mehrere Opfer hatten nach Schilderungen von Zeugen zum Zeitpunkt der Tat zusammen zu Abend gegessen. Zu ihnen gehörte der 37-jährige Gökhan Gültekin, der einem Bericht der „Süddeutschen“ zufolge im Hauptberuf Maurer war und sich im Kiosk dazuverdiente. Informationen der „Daily Sabah“ zufolge soll Gültekin kurz vor der Verlobung mit seiner Freundin gestanden haben. Die Familie stammt aus der osttürkischen Provinz Ağrı, der Vater ist vor 42 Jahren nach Deutschland gekommen.

Ein weiteres Opfer ist der erst 22-jährige Ferhat Ünvar, der einem „Bild“-Bericht zufolge gerade seine Ausbildung in einem Sanitärbetrieb abgeschlossen hatte und häufig die Shisha-Bar besuchte.

Iskender Muhammed, der mit einer Schusswunde in seiner rechten Schulter überlebte, schilderte auf „A Haber TV“, wie Gültekin und drei weitere Menschen in seiner unmittelbaren Nähe getötet wurden. Er hat möglicherweise nur deshalb überlebt, weil er sich zum Beginn des Angriffs noch im Raucherraum und nicht in der Gaststube befunden hatte. 

Über mehrere Opfer ist noch wenig an die Öffentlichkeit gedrungen

Sedat Gürbüz (30), der Betreiber der „Midnight“-Bar, starb ebenfalls bei dem Angriff, wie auch die 35-jährige Mercedes K., die aus einer polnischen Roma-Familie stammte, die deutsche Staatsangehörigkeit besaß und, wie unter anderem „Bild“ berichtete, gerade ihr drittes Kind erwartete. K. hat Medienberichten zufolge in einem Kiosk nahe der Bar gearbeitet.

Zum Zeitpunkt seines Todes zwischen 20 und 22 Jahren – dazu gibt es drei unterschiedliche Darstellungen unterschiedlicher Quellen – war Hamza Kurtović, der offenbar sogar in der Nähe des Täters gewohnt haben soll. Seine Familie war in den 1990er Jahren aus dem Bosnienkrieg nach Deutschland geflohen.

Der aus Bulgarien hierhergekommene Kalojan Welkow war 32 Jahre alt, als er am Mittwoch dem Amoklauf von Tobias R. zum Opfer fiel. 

Was die übrigen drei Opfer, Bilal Gökçe, Fatih Saraçoğlu und Said Nessar El Hashemi anbelangt, ist jenseits ihrer Namen bis dato wenig an die Öffentlichkeit gedrungen. Unter ihnen soll sich, wie der „Bayerische Rundfunk“ unter Berufung auf den Herausgeber der örtlichen Publikation „Regensburg Haber“, Salih Altuner, berichtet, ein 34-jähriger Mann türkischer Abstammung befunden haben. Er soll erst vor Kurzem nach Hessen gezogen sein und habe eine Existenzgründung im Einzelhandel beabsichtigt. Sein Leichnam soll nun in der Türkei beerdigt werden.

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