Eine Kirche in Deutschland.Foto: iStock

Kindesmissbrauch in der Kirche: EKD will Betroffenenbeirat aussetzen

Epoch Times14. Mai 2021 Aktualisiert: 14. Mai 2021 18:51

Nach Unstimmigkeiten in der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) über die Opferbeteiligung bei der Aufarbeitung sexueller Gewalt wird die Arbeit des dazu eingerichteten Betroffenenbeirats ausgesetzt.

„Nach den Rücktritten mehrerer Mitglieder aus dem vor einem knappen halben Jahr gegründeten Betroffenenbeirat und einem Antrag auf Auflösung aus dem Gremium heraus ist die bisherige Konzeption gescheitert“, erklärte die EKD am Montag in Hannover. Die Beteiligung solle aber gewährleistet bleiben.

Die Arbeit des bisherigen Gremiums solle nun zunächst extern ausgewertet werden, „um die Perspektive der Betroffenen künftig noch besser einzubeziehen“. Auf Grundlage der Evaluation sollten dann „neue Formen der Beteiligung diskutiert werden“.

Zwölf Mitglieder des Betroffenenbeirats zurückgetreten

Am Freitag hatte die EKD bestätigt, dass innerhalb kurzer Zeit fünf der ursprünglich zwölf Mitglieder des Betroffenenbeirats zurückgetreten waren. Zudem war demnach aus dem Gremium heraus selbst ein Antrag auf Auflösung gestellt worden.

Wie die katholische Kirche ist auch die evangelische Kirche von einem Missbrauchsskandal betroffen. Im Bereich von evangelischer Kirche und Diakonie sind hunderte Fälle bekannt. Der Betroffenenbeirat zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der evangelischen Kirche nahm im September seine Arbeit auf.

„Die Beteiligung von Betroffenen an der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt ist für die evangelische Kirche zentral und unverzichtbar – daran halten wir fest“, erklärte der Sprecher des Beauftragtenrats und Braunschweiger Landesbischof Christoph Meyns nun.

Zuletzt sei „jedoch deutlich geworden, dass die bisher gewählte Form der Beteiligung an Grenzen gestoßen ist“. „Das ist für alle Beteiligten äußerst schmerzlich“, erklärte Meyns.

Die externe Evaluation solle noch im laufenden Jahr abgeschlossen werden und „neben einer fundierten Analyse auch Erkenntnisse für die künftige gelingende strukturelle Betroffenenpartizipation auf EKD-Ebene liefern“. „Um die laufenden Prozesse der Aufarbeitung und Prävention auf EKD-Ebene auch im Übergang weiterhin voranzubringen, wird eine Beteiligung Betroffener mit Hilfe einer Interimslösung sichergestellt“, hieß es.

Kehrtwende: Regensburg doch für Missbrauchskommission

Jetzt also doch: Auch das katholische Bistum Regensburg will eine Kommission zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der Kirche einrichten. „Die konstituierende Sitzung der Aufarbeitungskommission findet in den nächsten Tagen statt“, teilte das Bistum am Freitag mit.

Es ist eine Kehrtwende: In den vergangenen Monaten und auch kurz vor der Mitteilung noch hatte ein Sprecher gesagt, Regensburg wolle keine Kommission einrichten und verhandle mit dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, über einen Sonderweg.

Rörig gab dagegen auf Anfrage an, von diesen Verhandlungen nichts zu wissen. Seine Sprecherin begrüßte nun die Entscheidung aus Regensburg, eine Kommission einzurichten.

Vor rund einem Jahr hatte der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) sich auf eine „Gemeinsame Erklärung über verbindliche Kriterien und Standards für eine unabhängige Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland“ geeinigt und beschlossen, unabhängige Aufarbeitungskommissionen in allen 27 Bistümern einzusetzen. Rörig sprach damals von einer „historischen Entscheidung“.

Bistum sah keine Notwendigkeit für neue Kommission

Das Bistum Regensburg mit Bischof Rudolf Voderholzer hatte allerdings zunächst betont, man sei dort schon viel weiter als in anderen Bistümern und sehe keine Notwendigkeit für eine neue Kommission.

Tatsächlich hatte man dort beispielsweise schon deutlich früher erklärt, Zahlungen für Missbrauchsopfer auf 50.000 Euro aufzustocken. Außerdem hat das Bistum vor allem Fälle bei den weltberühmten Regensburger Domspatzen bereits aufgearbeitet und wissenschaftliche Studien dazu veröffentlicht.

Das Bistum wollte darum eigentlich mit Rörig über eine individuelle Lösung verhandeln. Zum Stand dieser Gespräche gab es aber zunächst durchaus unterschiedliche Auffassungen: „Zurzeit durchlaufen die Vereinbarungen die Gremien des Unabhängigen Beauftragten“, sagte ein Bistumssprecher noch Mitte der Woche.

Doch bei Rörig klang das anders: „Ein Wunsch des Diözesanbischofs Vorderholzer auf Verständigung mit mir über eine „Äquivalenzerklärung“ gemäß Ziffer 8. der „Gemeinsamen Erklärung“ für das Bistum Regensburg ist bisher an mich nicht herangetragen worden“, sagte Rörig auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Es habe lediglich einen Austausch über „befristete Zwischenschritte“ gegeben. „Daher findet aktuell unsererseits auch keine Prüfung statt, ob es im Bistum Regensburg schon eine umfassende Aufarbeitung gibt, die den Anforderungen der „Gemeinsamen Erklärung“, insbesondere mit Blick auf die Betroffenenbeteiligung entspricht.“

Wenn Regensburg sich aber nun entschieden habe, die Kriterien der Gemeinsamen Erklärung zu erfüllen, seien auch keine weiteren Gespräche nötig, sagte eine Sprecherin des Missbrauchsbeauftragten. (dpa)



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