Köln: Nackt gegen die Vollverschleierung – Frauenproteste vor Burka-Ausstellung „Munaqabba“

Epoch Times22. Juni 2019 Aktualisiert: 22. Juni 2019 17:29
Nackt oder spärlich bekleidet, mit Kunstblut beschmiert, so präsentierten sich Demonstranten gestern in Köln. Sie waren sich einig: Alles, wofür Frauen im Iran kämpfen, würde durch das Zeichen, das Deutschland durch die Ausstellung weltweit setzt, vernichtet.

Es sollte eine „kritische Auseinandersetzung“ mit dem Thema Vollverschleierung werden. Aus diesem Grunde hatte das Ministerium das Projekt der Fotografin und Künstlerin Selina Pfrüner mit dem Titel „Munaqabba – über Frauen mit Vollverschleierung in Deutschland“ gewählt und mit 11.000 Euro gefördert. Pfrüner selbst zeigte sich laut „Kölner Stadtanzeiger“ überrascht und auch erschrocken über die Reaktionen anlässlich der Ausstellungsankündigung. Im Internet wurde sie vielfach bedroht. Sogar ihre Privatadresse wurde zu diesem Zweck veröffentlicht.

Die Frauenaktivistin Solmaz Vakipour ist wütend und aufgebracht. Für das, was sie tut, würde sie im Iran ohne Zögern getötet werden. Nackt und mit Kunstblut beschmiert hält sie ihre Rede vor dem Atelierzentrum Ehrenfeld. Sie betont:

Hier wird heute etwas veranstaltet, was die islamische Republik Iran stärken würde in Bezug auf die Hijabpflicht und Frauenunterdrückung.“

Neben ihr stehen auf der einen Seite weitere spärlich bekleidete Frauen und Männer. Auf der anderen Seite schwenken 30 Frauen die an Stöcke gebundenen Schleier. Sie schreien: „Nein zur Vollverschleierung! Mein Gesicht ist meine Identität!“ Für sie alle ist klar:

Eine solche Ausstellung, die vom Ministerium mit Geld gefördert wird, richtet sich gegen alle, die für Frauenrechte in islamischen Ländern kämpfen“, so Vakilpour.

Sie wirft der Regierung und der Künstlerin vor, dass sie mit der Kunstausstellung ein verheerendes Signal im Ausland setzt:

Den Menschen näherkommen zu wollen, so eine Herangehensweise ist in so einem Fall bestenfalls naiv, Medien in islamischen Ländern sehen in der Ausstellung ein Indiz dafür, dass Verschleierung in Deutschland akzeptiert wird“, sagt Vakilpour.

Die Iranerin ist einst aus einer Heimat geflohen, weil sie dort „als Frau weit davon entfernt war, gleichberechtigte Menschen zu sein“. Im Iran werden täglich Frauen gefoltert, gesteinigt und ermordet. Diese Ausstellung vernichte alles, wofür Frauen im Iran kämpfen.

Burkas werden seit dem Mittelalter in islamischen Ländern politisch ausgenutzt. Sie sind ein Symbol für die Unterwerfung der Frauen. Es ist der falsche Ansatz, das mit Fotos und netten Worten zu romantisieren.“ Statt die Ausstellung zu fördern, „hätte man das Geld lieber in die Bildung von Frauen stecken sollen, die sich in Deutschland voll verschleiern“, so Vakilpour laut „Kölner Anzeiger“

Die Frauenrechtlerin Rana Ahmad twitterte nach der Veranstaltung:

Demonstration gegen die Vollverschleierung heute in Deutschland, eine starke iranische Frau und saudische Frauen waren heute Seite an Seite dabei, unterstützten sich gegenseitig, wir bedauern sehr, dass einige Leute Niqab (unser Schmerz) unterstützen. In Deutschland haben wir das Recht, mit unserer Identität frei zu leben.“

Noch mehr Frauen empören sich

Auch die 60 Frauen, die im Vorfeld ihre Empörung in einem offenen Brief gegenüber dem Ministerium kundgetan haben, sind wütend. Denn die Antwort des Ministeriums zeige, dass „die Kontrollmechanismen – sofern es sie überhaupt gibt – versagt haben“.

In der Antwort des Ministeriums heißt es:

Nach Auskunft der Jury hat der eingereichte Projektantrag gerade dadurch überzeugt, dass die Künstlerin ihre Arbeit in einen konzeptionellen Kontext stellt. So geht es im Projektantrag explizit um eine Auseinandersetzung mit fundamentalistischen Lebensarten und Weltanschauungen und nicht um deren Förderung.“

Die Frauengruppe kann diese Antwort „nicht nachvollziehen“, denn „die Ausstellung ist einseitig“. Keine einzige Frau, die zum Tragen eines Vollschleiers gezwungen wurde, kam zu Wort, keine Frau, die Gewalt erfahren habe, keine Frau, die untertauchen musste, damit sie nicht Opfer von Gewalt wird. All diese Frauen wurden nicht befragt und selbst im Begleitprogramm der Ausstellung ist diese kritische Haltung nicht vorhanden. Die Fraueninitiative fragt das Ministerium, was die Jury davon überzeugt habe, „dass hier eine Auseinandersetzung mit fundamentalistischen Lebensarten stattfindet“ und nicht eine „positive Darstellung“ der Munaqabbis.

Weiterhin hatte das Ministerium in seinem Antwortbrief mitgeteilt, es habe eine „klare Erwartung, dass diese Auseinandersetzung kritisch erfolgt und sich diese auch deutlich wahrnehmbar in der Ausstellung wiederfindet.“

Die Frauen kritisieren, dass die Jury hätte erkennen müssen, dass die Ausstellung selbst schon einseitig und unkritisch ist.

Wie soll das oben genannte Ziel (der kritischen Auseinandersetzung) realisiert werden, wenn die kritische Seite konzeptionell völlig außen vor gelassen und ausgesperrt ist?“

Als Frauen, Frauenrechtlerinnen, Menschenrechtlerinnen und Demokratinnen wollen sie „solchen antidemokratischen, salafistischen Entwicklungen vehement vorbeugen. Die Strukturen unseres Landes, die mit ihren finanziellen und ideellen Förderung Signale setzen, müssen sich mit unserer Kritik auseinandersetzen.“

Die Frauen regen an, persönliche Meinungen direkt an das Kulturamt, das Ministerium und das Landesbüro zu übermitteln.

In ihrem Antwortbrief an das Ministerium weisen die Frauen ausdrücklich auf ihre Anfrage vom 5. Juni 2018 (Drucksache 17/2750) an CDU und FDP sowie den Entschließungantrag der SPD und Bd. 90/Die Grünen (Drucksache 17/3730) hin. In ihrer Anfrage vor einem Jahr hatten die Frauen betont:

Wenn Religion jedoch mit dem Ziel missbraucht wird, die Gesellschaft zu spalten und zu radikalisieren anstatt sie zu versöhnen, sind Staat und Gesellschaft aufgefordert, klare Grenzen und Konsequenzen aufzuzeigen und diese durchzusetzen.

Fest steht: Die überwältigende Mehrheit der Menschen muslimischen Glaubens will gemeinsam mit ihren Mitmenschen in Deutschland im Rahmen der verfassungsgemäßen Rechte aller Bürgerinnen und Bürger leben. Fest steht auch: Anhänger des extremistischen Salafismus – Männer und Frauen – wollen dies explizit nicht. Männer und insbesondere auch Frauen in diesen extremistischen Milieus sind oft gewaltbejahend oder sogar gewaltbereit.“

Sie warnen vor der Verblendung durch Hassprediger. Auch salafistische Mütter würden „menschenverachtende Doktrin in den Köpfen ihrer Kinder verankern und diese frühestmöglich radikalisieren“.

Die Frauen forderten ein sofortiges Handeln und ein Zeichen, dass „scheinreligiös gerechtfertigter Radikalität kein Platz eingeräumt wird:

Es gilt, der Entstehung einer neuen Generation der Extremisten und Jihadisten vorzubeugen.“

 


(sua)