Das Wahrzeichen der Stadt Wuppertal, die Schwebebahn fährt über der Kaiserstraße in Vohwinkel entlang.Foto: Jonas Güttler/dpa/dpa

Mit der Corona-Krise traten mysteriöse Schäden bei Wuppertaler Schwebebahn auf

Epoch Times3. Juli 2020 Aktualisiert: 5. Juli 2020 11:29
Seit 120 Jahren fährt die weltberühmte Wuppertaler Schwebebahn durch die eng bebaute Großstadt. Doch zuletzt häuften sich Probleme mit dem Rückgrat des Nahverkehrs. Am Freitag haben die Verantwortlichen die Notbremse gezogen.

Wülste an den Rädern und Ausbrüche von massivem Metall, ein Schienenbruch und Schäden am Gerüst – „so etwas hatten wir noch nie“, bekennen die Verantwortlichen.

Seit 120 Jahren fährt die Schwebebahn durch Wuppertal. Die gut 13 Kilometer lange Strecke ist nicht nur Weltkulturerbe, Wahrzeichen und Touristenattraktion, sondern das Rückgrat des Nahverkehrs der dicht bebauten Industriestadt, die in diesem Jahr den 200. Geburtstag ihres berühmten Sohnes Friedrich Engels feiert. Mehr als 80.000 Menschen nutzen die Bahn täglich. Doch nicht mehr lange.

Schwerer Tag für Wuppertal

Ab dem 12. August fährt die Schwebebahn nur noch an Wochenenden. Die Wuppertaler Schwebebahnfahrer schieben Frust und steigen werktags wieder in die Busse.

„Das ist ein schwerer Tag für Wuppertal“, sagt der Aufsichtsratschef der Stadtwerke (WSW), Dietmar Bell. „Das trifft die Stadt im Kern“. Der reguläre Betrieb sei nicht mehr aufrechtzuerhalten – vier Jahre nach dem Start der 122 Millionen Euro teuren neuen Wagenflotte.

Im Frühjahr, als die Wagen coronabedingt kaum besetzt waren, traten mysteriöse Probleme auf. Die Anwohner wunderten sich über die ungewöhnlich lauten Wagen. Vibrationen nahmen zu. Statt nach einem Jahr und 60.000 Kilometern waren die Räder der Bahn bereits nach vier Monaten und 20.000 Kilometern verschlissen.

Im April brach dann sogar eine Schiene. Die Schäden an den Schienen stiegen sprunghaft an, obwohl die Bahnen nur noch Tempo 40 statt 60 fahren.

Räder laufen unrund

Nach Angaben der Stadtwerke, die die Schwebebahn betreiben, ist das auf die Räder zurückzuführen: Sie laufen unrund. „Das wirkt, als würden die Schienen permanent mit Hammerschlägen traktiert. Wenn wir so weitermachen, machen wir die Schienen nachhaltig kaputt“, sagt WSW-Geschäftsführer Uli Jaeger. „Ein Schienentausch dauert Jahre.“

Da der Schienennahverkehr weltweit boomt, ist Nachschub für die Räder so schnell nicht zu bekommen. Zum Ende der Sommerferien werden nur noch zehn Bahnen zur Verfügung stehen. Benötigt werden für den Regelbetrieb 26. „Uns gehen elf Bahnen in einer Zeit kaputt, in der wir nur zehn reparieren können.“

Enttäuscht und erstaunt sei man über den Düsseldorfer Hersteller Kiepe Electric und dass „ein deutscher Hersteller so mit der Verantwortung für ein Weltkulturerbe umgeht“, sagt Bell. Das Unternehmen sei nicht bereit gewesen, sich konstruktiv auf die Ursachensuche zu begeben. Dies erledigten nun fünf Gutachter.

Nun droht dem Hersteller eine Klage

Da sich die Mängel an der neuen Flotte inzwischen auf 200 summieren, werde man das Unternehmen nun verklagen. „Die Klage ist das letzte Mittel, aber nach einem vierjährigen Leidensweg für uns und unsere Fahrgäste sehen wir keine andere Möglichkeit mehr“, sagt Bell.

Kiepe Electric wehrt sich gegen die Vorwürfe. Es sei zu klären, ob der Verschleiß der Räder innerhalb des Zulässigen liege und was die Ursachen dafür sein könnten, erklärt eine Unternehmenssprecherin. Man habe unverzüglich eine Ursachenanalyse in die Wege geleitet.

Aus fahrzeugtechnischer Sicht bestehe kein Grund, den Betrieb einzuschränken. Dies sei nur der mangelnden Verfügbarkeit von Ersatzrädern geschuldet. Die rechtzeitige Beschaffung sei aber Sache des Betreibers.

Warum die Räder nach drei Jahren Betriebs plötzlich so schnell verschleißen, ist ein Rätsel: Hat sich die Zusammensetzung oder Qualität des verwendeten Metalls geändert oder ist sogar das Coronavirus schuld?

Wenn die Wagen leer fahren, hängen sie leicht schräg. Das war im Frühjahr oft der Fall. Hat dies zu einseitiger Abnutzung und einer Kettenreaktion geführt? Nun sind die Gutachter am Zug. (dpa)


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