Stell dir vor, es ist Tag der deutschen Veteranen – aber keiner geht hin!

Epoch Times12. Juni 2018 Aktualisiert: 12. Juni 2018 18:17
Am 1. Juni wurde der Veteranen der Bundeswehr gedacht, die seit 1990 ihr Leben ließen. Direkt vor dem Reichstag in Berlin, ohne Beteiligung durch Vertreter der Politik, mit einigen Journalisten und ein paar dutzend Teilnehmern. Und dies bei der Armee Europas, die an militärischer Bedeutung nach Großbritannien und Frankreich auf Platz drei steht.

Stell dir vor, es ist Tag der deutschen Veteranen – aber keiner geht hin! Das ist leider keine erschreckende Fiktion, das ist die Situation in Deutschland. Allein schon die Tatsache, dass es keinen offiziellen Tag der Veteranen in Deutschland gibt, darf  merkwürdig anmuten.

Wohl in kaum einer Nation wird den eigenen Veteranen so wenig Beachtung geschenkt, wie es in Deutschland der Fall ist. In vielen Ländern gibt es große Festtage zum Gedenken der Veteranen mit großen Umzügen und Beteiligung durch die Bevölkerung, die Medien und natürlich durch die Politik. Für Veteranen gibt es vielerlei Vergünstigungen und Ermäßigungen und eine breite gesellschaftliche Akzeptanz. Zudem existiert in vielen Ländern weltweit eine wache lebendige Veteranengemeinschaft innerhalb der Gesellschaft, berichtet die „Junge Freiheit“.

Keine Politiker und nur zwei Reporterteams sind anwesend

Anders in Deutschland, trotz bereits 108 Bundeswehrsoldaten, die ihr Leben in Auslandeinsätzen ließen, besteht wenig Interesse am Veteranentag 2018, der direkt vor dem Reichstag, dem Sitz des Bundestages in Berlin, begangen wurde. Kein eingeladener Politiker ist anwesend, nur ein Filmteam vom ZDF, das eine Dokumentation produziert und ein Zeitungsjournalist. Das war’s schon.

Selbst die Zahl an Veteranen, die sich vor dem Bundestag einfanden, um ihrer gefallenen Kameraden zu gedenken, ist überschaubar – es sind ein paar Dutzend. Es sind Männer und Frauen, die alle dieselben blauen T-Shirts tragen mit der Aufschrift „Vergissmeinnicht“. Die Stimmung ist gedrückt.

Viele Ex-Soldaten leiden unter psychischen Folgeerscheinungen

Unter ihnen befinden sich Soldaten, die noch immer mit den Folgen von Auslandseinsätzen kämpfen. Sie leiden zum Beispiel an posttraumatischen Belastungsstörungen oder psychosomatischen Folgeerscheinungen. So mancher war zwei, drei Mal im Einsatz, ob im Kosovo oder in Afghanistan.

Mit symbolischen Glockenschlägen, die Teil der Gedenkzeremonie sind, bei denen für jedes verlorene Soldatenleben seit 1990 eine blaue Blume in die aufgereihten Bundeswehrstiefel gesteckt wird.

Organisiert hat den Veteranentag 2018 der Bund Deutscher EinsatzVeteranen – ein Verein, wohlgemerkt, nicht der Staat selbst. Björn Schreiber, Mitglied im Vorstand des Vereins, merkt an, dass sich zwar in den vergangenen Jahren einiges verbessert hat, doch eine offizielle Definition des Veteranenbegriffs, geschweige denn einen offiziellen Gedenktag gibt es bis jetzt nicht.

Bund Deutscher EinsatzVeteranen setzt sich für aktive und auch inaktive Soldaten ein

Der Verein, gegründet 2010 durch einen ehemaligen Soldaten, setzt sich auf vielfältige Weise für aktive und nichtaktive Soldaten und deren angemessene Wahrnehmung im öffentlichen und gesellschaftlichen Raum ein.

In einem Interview stellt dann auch Afghanistan-Veteranin Jenni Bruns fest, wie wenig Anerkennung sie durch die Politik bisher fanden. Denn schließlich beschließt der Bundestag die Einsätze, an denen die Soldaten teilnehmen. Doch von Politikern sei das „Interesse Mangelware“, so die junge Frau. (er)

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