Kunst und Kultur sind heutzutage links – wie lange noch?

Von 20. August 2018 Aktualisiert: 20. August 2018 23:12
Gibt es in einer linksgrün dominierten Republik eine freie, oppositionelle Kunst? Nein, heute ist auch die Kultur von der herrschenden politisch korrekten Leitkultur geprägt. Aufmüpfigkeit war gestern, als Kunst noch Opposition war. Eine Analyse von Gastautor Klaus-Kürgen Gadamer.

„Eine festgelegte Leitkultur richtet sich nur an unmündige Menschen, die der Leitung bedürfen,“ so Jörg Scheller in seinem ZEIT-Online Artikel. Und genauso ist es, deshalb brauchen wir weder Belehrungsmedien noch Belehrungskunst, die uns sagen, wo der moralische Barthel den grünroten Most zu holen hat.

Wir brauchen keine Mainstream-Medien, die in ihrer einheitlichen Beurteilung von Politik und Kunst als öde Felder einer medialen Monokultur erscheinen und deren Früchte höchstens durch eine unterschiedliche Intensität von rot, grün und violett zu unterscheiden sind.

Die verordnete Leitkultur heute heißt: Political Correctness

Wenn nun eine Leitkultur von übel ist, warum nur, warum installiert die politisch korrekte Elite dann eine ökolinke Leitkultur und setzt diese rigoros durch? Gender Mainstream, Multi-Kulti-Ideologie sind solche von oben verordneten und nicht im Volk gewachsenen und vom Volk bestimmte Leitkulturelemente. Und offensichtlich sieht die herrschende Kaste, die dies in der öffentlichen Meinung bestimmt, die Menschen als unmündig, als „Menschen, die der Leitung bedürfen.“

Ist die Kultur heute wirklich frei?

Es stellt sich also die Frage, wie frei unsere Gesellschaft wirklich ist, wenn nur politische Kunst existiert, die sich als links sieht. Wie frei ist unsere Gesellschaft, wenn die Lesungen „rechtskonservativer Schriftsteller“ gestört und gesprengt und auf der Frankfurter Buchmesse missliebige Bücher vernichtet werden?

Wie frei ist unsere Gesellschaft, die von einer rigide durchgesetzten ökolinken Leitkultur geprägt ist, die von einer politisch korrekten Ökobourgeoisie vorgegeben wird? Wie frei ist sie, wenn der Widersprechende mit Mobbing oder seiner medialen Hinrichtung rechnen muss?

Ähnlichkeiten mit der DDR sind durchaus zu beachten. So blöd waren die DDR-Ideologen nicht: Natürlich haben sie nur solche Journalisten eingestellt, die auf Linie waren. Und die durften dann mehr oder weniger schreiben, was sie wollten, eben auf Linie. Natürlich wurden an die Künstler Preise vergeben, die der vorgegebenen Linie zumindest nicht widersprochen haben.

Genau in dieser Situation befindet sich heute die Bundesrepublik. Erst kürzlich sollte der WELT-Autor H. Broder mit einem Literaturpreis ausgezeichnet werden. Der politisch korrekte linke Entrüstungssturm fuhr selbstgerecht durch die Gazetten. Broder: „Da läuft eine Kampagne gegen mich, gegen die ich mich nicht zur Wehr setzen will“. So verzichtete Broder auf den Johann-Heinrich-Voß-Preis für Literatur und Politik.

Was hatte man damit bewiesen? Dass der Respekt gegenüber anderen Ansichten nur denen gilt, die auf Linie sind. Der Rest wird gemobbt. Dabei sind die Mobber stolz auf ihre „Zivilcourage“. Auf den Mut des guten Goliath im Kampf gegen den bösen David. Wer weiß, ob dieser nicht doch eine Schleuder in der Hinterhand hat.

Es gibt übrigens eine weitere Parallele zwischen der DDR und der Bundesrepublik. Auch heute gibt es oppositionelle Medien. Dort waren die wirkungsmächtigen BRD-Medien die mediale Opposition. Heute tummelt sich die Opposition im Internet. Erste Zeichen, auch dies zu kontrollieren gibt es aber mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) des ehemaligen Innenministers Maas.

Der Trick mit facebook

In den USA und in Deutschland gibt es den Vorwurf: Zensur durch facebook unter linkem Vorzeichen. Bei der Senatsanhörung entlockte Senator Cruz dem facebook-Chef Zuckerberg die Aussage, Silicon-Valley sei ein „extremly left-leaning place“. Zuckerberg gab in seiner Anhörung vor dem US-Senat gegenüber Senator Ted Cruz zu, dass die meisten seiner Mitarbeiter eben extrem links eingestellt seien. So sei es keine Wunder, wenn vor allem „rechte“ Beiträge gelöscht und die Journalisten und Künstler gesperrt werden.

Das machte sich Maas zunutze. Er lagerte die Zuständigkeit darüber, ob Inhalte rechtens seien, einfach an die „linke“ Privatfirma facebook aus und drohte ihr, falls sie nicht spurt, noch mit finanziellen Sanktionen. Im Kampf gegen rechts kommt also die Zensur von links. Selbstverständlich als Mittel im Kampf für das Gute. Die Freiheit von Meinung und Kunst ist dann plötzlich nicht mehr gefragt.

Meinungsdruck von links

Das Establishment fürchtet, dass die Ära ihrer Deutungsherrschaft vorüber ist. Das macht sie rabiat und denunziatorisch.

Querdenker wie Sarrazin und Tellkamp werden geächtet und mit allen Mitteln angegriffen. Wenn schon einmal eine Jury die Zivilcourage hatte, jemand wie Broder auszuzeichnen, dann wird systematisch gemobbt, bis der Delinquent aufgibt.

Wenn in Polen, wie Scheller schreibt, die Regierung einen nationalkonservativen kulturpolitischen Kurs eingeschlagen hat, dann hat das vielleicht einen Grund. Könnte der Grund darin liegen, die Kunst nicht mehr ausschließlich linken Kräften zu überlassen, sondern AUCH eine polnisch patriotische Kunst zu fördern?

Der Preis ist heiß

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Was macht die politisch korrekte Linke, wenn nun plötzlich wie beim Echo-Preis unerwünschte Kunst vom Publikum einen Preis verliehen bekommt? Richtig man schafft den Preis so einfach ab. Könnte ja noch einmal passieren, dass das Publikum das Falsche wählt. Und auch hier haben wir die Parallele zur DDR in der Brecht sagte: Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?

Das politisch korrekte linksgrüne Meinungsestablishment verfügt ja über keine einheitliche Ideologie, wie dies im Kommunismus der Fall war. Sie ist vielmehr zersplittert in eine Unzahl von Unterideologien, es eint sie nur der quasireligiöse Heiligenschein des Gutseinwollens, der Anspruch des Rechthabens und der Wille zur Macht.

Bereicherung durch fremde Kulturen

Wenn sich die Ökobourgeoisie über die Bereicherung durch fremde Kulturen auslässt, fehlt in diesen Argumentationen immer. Wer sich der Welt umschaut, findet produktive und weniger produktive Kulturen, er sieht entwickelte und im Mittelalter stehen gebliebene Kulturkreise. Immer haben produktive die weniger produktiven Kulturen bereichert. Wie sollte auch eine wenig entwickelte Stammeskultur eine Hochkultur bereichern?

Aber selbst das gibt es im Einzelfall. Immerhin hat sich der Jazz, der Blues und die Rockmusik über afrikanische Einflüsse entwickelt. Das war es dann aber auch. Auf meinen Reisen durch die Welt konnte ich die Unterschiede zwischen Hightechkulturen und mittelalterlichen Stammeskulturen in Burma oder Ghana er-leben.

Wer in Afrika gelebt hat und afrikanisches Essen zu sich genommen hat, der weiß, warum das im Gegensatz zu Asien keine Kunst und keine Bereicherung des Speiseplans ist.

Die Geschichte lehrt, dass wenig entwickelte Kulturen Hochkulturen zwar kaum bereichern, aber sehr wohl zerstören können.

Angst vor dem Verlust der Macht

Die heute verordnete Leitkultur setzt auf Reglementierung der Kultur in Deutschland. Nachdem sie auf die richtige, nichtrechte Gesinnung überprüft wurde, wird sie nach bestandenem Test vom Steuerzahler bezahlt und musealisiert.

Die heutige Kunst ist nicht in der Lage, Kritik an ihrer eigenen Ideologie zu üben. Sie ist absolut beliebig und hat sich meilenweit vom Bürger entfernt. Die Konzeptkunst hat sich in vollkommen abseitige Theorien versponnen und nichts liegt ihr ferner als Selbstkritik.

Die Frage ist, warum hat die ökolinke Meinungskaste ein so unterentwickeltes Selbstwertgefühl, wo sie sich doch als Rettung der Welt begreift. Es ist die Angst vor dem Verlust der Macht. Es ist die tief innen wurzelnde Angst aller Ideologen, sich getäuscht zu haben. Es ist die Angst der Hypermoralisten, dass ihnen bei ihrer autoritären Durchsetzung der „Liberalität“ die Maske vom Gesicht gerissen wird.

Die Kultur heute ist nicht Opposition zur linksgrünen Meinungsdominanz, sie nurmehr deren Höfling.

Was muss Kunst und Kultur heute wirklich leisten

Heute ist glaubhafte, interessant Kunst nur noch die, die den Riss in der Gesellschaft deutlich macht, ohne die rechtskonservative Opposition abzuwerten und als ewig gestrige Idioten zu beleidigen.

Heute wäre es wichtig, dass neben der internationalistischen, antipatriotischen auch eine widerborstige Kunst aus patriotischer Sicht entsteht, eine Kunst, die sich als Kritiker politisch korrekter Dogmen sieht. Erst dann kommt eine dialektische Spannung in die miefige Beliebigkeit Kunst und Kultur. Erst der bocksbeinige Gegengesang zu den Hallelujas der p. c. Leitkultur, führt zu einem neuen, innovativen Kultur-Konzert.

Heute wäre in einer im Ego-Individualismus auseinanderfallenden Gesellschaft auch eine Kunst wichtig, die Gemeinsamkeit stiftet und Identifikation ermöglicht. Diese Kunst wäre als geistige Nahrung für die Gemeinschaft so notwendig, wie das täglich Brot für den Leib. Sie ist aber weit und breit nicht in Sicht. Aber sie wird kommen. Die Gedanken sind frei.

Ein interaktives Buch über Indien und Deutschland.

Im Internet unter<

gadamers-reisen.de

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