Erfolgsstory Fankongress, die zweite

Von 20. Juli 2009 Aktualisiert: 20. Juli 2009 8:39

„Umgang der Polizei mit Fußballfans“, „Netzwerkarbeit, Anerkennung und Strategieplanung für Faninitiativen“ und „Anstoßzeiten im TV- Zeitalter“, das waren die Themen, die am Wochenende in Hamburg auf dem 2. Europäischen Fankongress erörtert wurden. Organisiert hatten ihn das Football Supporters International Netzwerk (FSI) zusammen mit dem HSV- Supporters Club und verschiedenen Fangruppen des FC St. Pauli. Außerdem wurde eine neue, unabhängige europäische Fanvertretung gewählt. Die Epoch Times sprach mit Daniela Wurbs, Hauptkoordinatorin des Fankongresses.

The Epoch Times: Frau Wurbs, was hat sich seit dem ersten erfolgreichen Fankongress im vorigen Jahr in London alles getan?

Daniela Wurbs: Der erste Fankongress im vergangenen Jahr in London hat ganz klar das Signal ausgesendet, dass die Fans in Europa gewillt sind, sich zusammen zu schließen um gemeinsam mit einer starken Stimme zu sprechen. Das hat sich absolut als deren Bedürfnis erwiesen und hat uns dahin geleitet, dass wir konsequent mit dem damals neu ernannten Komitee angefangen haben, die Strukturen aufzubauen und eine Satzung aufzustellen. Außerdem haben wir noch ein Büro in Hamburg aufgebaut und den Verein eintragen lassen.

Heute ging es hier vor allem auch darum die Strukturen festzuzurren. Es hat heute auch die erste demokratische Wahl stattgefunden und nun wollen wir uns natürlich nach und nach auf das Inhaltliche konzentrieren und die ersten Ideen für die Aktivitäten und Kampagnen entwickeln. Wir wollen noch mehr als europäisches Fannetzwerk auftreten und mit gemeinsamer Stimme sprechen. Ziel soll unter anderem auch sein, dass die gewählten Vertreter dieses Kongresses die Interessen der europäischen Fans gegenüber Dritten vertreten. Wenn es dann noch von den jeweiligen Fangruppierungen gewollt ist, kann auch eine Unterstützung auf nationaler oder lokaler Ebene stattfinden.

The Epoch Times: Wie ist die Entwicklung in den Teilnehmerzahlen?

Daniela Wurbs: Letztes Jahr hatten wir ca. 250 registrierte Teilnehmer aus 27 Ländern und dieses Jahr haben wir 350 registrierte Teilnehmer aus 29 Ländern. Manche Länder sind weggefallen, manche neu dazu gekommen. Fanvertreter aus den Ländern, die dieses Mal nicht anreisen konnten sind teilweise aus Krankheitsgründen nicht gekommen oder eben weil sie schlicht und ergreifend kein Visum bekommen haben. Nimmt man alles zusammen, dann stellen wir fest, dass wir weiter und weiter wachsen.

The Epoch Times: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit der UEFA?

Daniela Wurbs: Die UEFA hat diesen Kongress zum großen Teil finanziert, was wir als klare Anerkennung deuten und dies natürlich auch höchst erfreulich finden. Die Vorgabe der UEFA für die Finanzierung war aber, dass wir weiterhin unabhängig sind und dass diese Unabhängigkeit eine Grundlage für jeden glaubwürdigen Dialog sein muss. Aber nichts anderes wollten wir ja von Anfang an und da freut es uns natürlich sehr, dass die UEFA automatisch mit der gleichen Stimme spricht. Die UEFA demonstriert damit auch noch einmal nachdrücklich, dass sie ein aufrichtiges Interesse an einer Dialogpartnerschaft hat und dass sie es „riskiert“, dass dieses Netzwerk immer weiter wächst.

The Epoch Times: Um diesen Fankongress überhaupt organisieren zu können, haben Fans des HSV und des FC St. Pauli in dieser Sache offensichtlich gut zusammenarbeiten können …

Daniela Wurbs: Es ist schon erstaunlich und es zeigt auch wieder einmal, dass selbst Fans von rivalisierenden Vereinen miteinander für die gemeinsame Sache gut zusammenarbeiten können. Im Hintergrund, ich meine in den nationalen Fanorganisationen, funktioniert das ja schon länger, nur das ist den meisten „Nichtaktivisten“ gar nicht bekannt. Gerade auch bei diesem Kongress hier in Hamburg haben sich die Fangruppen zweier so rivalisierender Vereine wie St. Pauli und HSV bei den Vorbereitungstreffen in einem gemeinsamen Komitee getroffen und sehr gut kooperiert. Man hat sich dann darauf geeinigt, dass die HSV-Szene alle logistischen Arbeiten im Stadion übernimmt und die St. Paulianer haben sich für das Rahmenprogramm verantwortlich erklärt. Das hat sehr gut funktioniert und beide Seiten waren mit ganz viel Energie und ganz vielen freiwilligen Helfern dabei.

The Epoch Times: Wagen Sie schon einen Ausblick auf den nächsten Fankongress?

Daniela Wurbs: Über Ort und Zeit ist noch nichts entschieden. Es liegt aber in der Natur der Sache, dass wir mit diesem Kongress „wandern“ wollen, schon allein weil es dann auch den jeweils gastgebenden nationalen Faninitiativen die Möglichkeit gibt, auch einmal positive Anerkennung in ihrem Land zu bekommen. Das ist vor allem gut im Vergleich zu der doch sonst tendenziell negativen Berichterstattung in den Medien, die manchmal sehr einseitig auf Gewalt oder Probleme von Fans ausgerichtet ist. Das heute neu gewählte Komitee wird auch als Erstes besprechen, wo der nächste Kongress stattfinden wird, welche Themen dann bearbeitet und mit welchen Partnern wir zusammen arbeiten werden. Es gibt auch ein relativ starkes Interesse von vielen Fangruppen, den Kongress bei sich, in ihren Ländern stattfinden zu lassen. Wir bekommen sowohl Angebote aus Städten als auch von Fangruppierungen, die den nächsten Fankongress unbedingt bei sich stattfinden lassen wollen. Offensichtlich glauben viele an einen Sinn dieser Veranstaltung.

 

 

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