Agrarministertreffen – Verluste bei Weizenernte befürchtet

Das in der Ukraine lagernde Getreide aus dem vergangenen Jahr kann kaum außer Landes gebracht werden, die bevorstehende Ernte wird schwierig. Die Lage auf dem Weltmarkt verschärft sich.
Bundesagrarminister Cem Özdemir (l) begrüßt seinen ukrainischen Amtskollegen Mykola Solskyj im Schloss Hohenheim.
Bundesagrarminister Cem Özdemir (l) begrüßt seinen ukrainischen Amtskollegen Mykola Solskyj im Schloss Hohenheim.Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Epoch Times13. Mai 2022

Angesichts der Getreidekrise in der Ukraine haben sich die Bemühungen der G7-Staaten am Freitag auf Wege konzentriert, die in dem Kriegsland feststeckenden Lieferungen zu exportieren. „Wir brauchen das Getreide auf dem Weltmarkt und die Ukraine braucht die Silos für die kommende Ernte“, sagte Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) beim G7-Agrarministertreffen in Stuttgart.

Die Bundesregierung will 430 Millionen Euro zusätzlich für den Kampf gegen die sich verschärfende Ernährungskrise im Globalen Süden einsetzen. Davon seien 238 Millionen Euro für Hilfen zum Aufbau einer nachhaltigen Landwirtschaft oder Bildungsinvestitionen bestimmt, berichtete der „Spiegel“ unter Berufung auf ein Papier des Bundesentwicklungsministeriums.

Weitere 150 Millionen Euro sind demnach für die Sonderinitiative „Eine Welt ohne Hunger“ vorgesehen und mindestens 42 Millionen als zusätzlicher deutscher Beitrag zum Welternährungsprogramm. Nötig sei „mehr Geld für die Hilfe, aber vor allem auch bessere Koordinierung zwischen Gebern und Empfängern, damit kein Land vergessen wird“, sagte Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) dem „Spiegel“. Sie werde sich deshalb im „Trio mit Außenministerin Baerbock und Landwirtschaftsminister Özdemir“ darum kümmern.

Neue Transportwege für ukrainisches Getreide gesucht

Der Bundeslandwirtschaftsminister sagte als Gastgeber des Treffens, er habe von Mykola Solskyj, dem ukrainischen Agrarminister, eine Einladung in die Ukraine angenommen. Einzelheiten blieben zunächst offen. In den Gesprächen gehe es unter anderem darum, Transportwege für ukrainisches Getreide auszuloten – er nannte den Landweg, die Schiene oder die Donau. Odessa als letzter freier Seehafen der Ukraine dürfe nicht fallen. „Wir werden sie nicht alleine lassen“, sagte er mit Blick auf die Ukraine und ihre Bürger.

Deutschland hat in der Runde der G7 zurzeit den Vorsitz. Der Gruppe gehören neben der Bundesrepublik die USA, Kanada, Frankreich, Großbritannien, Italien und Japan an.

Experte: „Sehr angespannte Situation“

Nach Einschätzung eines Landwirtschaftsexperten verstärkt der vom Russland-Ukraine-Krieg angeheizte Preisanstieg für Getreide weltweite Ungleichgewichte. „Arme Länder, die stark auf Importe angewiesen sind, strapazieren ihre Finanzreserven zum Kauf von Getreide“, sagte der Agrarwissenschaftler Sebastian Hess von der Universität Stuttgart-Hohenheim der Deutschen Presse-Agentur.

„Wir haben bei Getreide eine sehr angespannte Situation, die von großer Unsicherheit geprägt ist“, sagte Hess mit Blick auf die weltweiten Märkte. Zur Situation in der Ukraine sagte er: „Es wird versucht, Getreide aus der Ernte des vergangenen Sommers mit Eisenbahnzügen nach Westeuropa zu bringen, weil die Schwarzmeerhäfen blockiert sind.“

Anlegen von Vorräten in Deutschland unnötig

„Wir müssen damit rechnen, dass sich Brot, Brötchen und Baguette etwas verteuern. Aber das wird unsere Versorgungslage nicht bedrohen“, sagte Hess. Er warnte vor dem Anlegen unnötiger Vorräte – auch Staaten könnten versuchen, eine Hamsterstrategie zu betreiben. „Jeder Einzelne sollte vermeiden, Vorräte mit Mehl anzulegen, die man realistischerweise nie braucht“, riet Hess.

Mit Blick auf Befürchtungen, dass die neue Ernte in der Ukraine wegen des Krieges stark beeinträchtigt werden könnte, sagte Hess: „Bisher sieht es so aus, dass sich die schlimmsten Prognosen für das laufende Jahr nicht bewahrheiten. Das Getreide ist aber noch nicht reif und noch nicht geerntet.“ Die vergangene Ernte sei sehr gut gewesen, ein erheblicher Teil davon sei noch eingelagert. „Die Versorgungslage in der Ukraine selbst darf nicht vergessen werden. Die Menschen dürfen nicht in eine Hungerkrise kommen“, warnte Hess.

40 Prozent der weltweit konsumierten Kalorien

Nach Ansicht des Direktors des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) in Deutschland, Martin Frick, liegt in der Konzentration auf drei Getreidesorten eine Gefahr für die weltweite Versorgungssicherheit. Weizen, Mais und Reis machten 40 Prozent der weltweit konsumierten Kalorien aus. Um diese Abhängigkeiten aufzulösen, brauche es unter anderem eine Rückbesinnung auf die Vielfalt von Nutzpflanzen, etwa Sorghum, Maniok oder Quinoa.

Einen Ausbau der Nahrungsproduktion forderte die FDP-Fraktionsvize im Bundestag, Carina Konrad. „Der Knappheit an Agrarrohstoffen müssen wir mit Ertragssteigerung begegnen. Nicht nur bei uns in Deutschland, sondern weltweit“, sagte sie. „Für uns bedeutet der Krieg in der Ukraine höhere Lebensmittelpreise, für die Ärmsten der Welt jedoch dramatischen Hunger.“ Pläne zur Ausweitung der Biolandwirtschaft mit ihrem Flächen- und Ressourcenverbrauch leisteten keinen Beitrag zur Lösung.(dpa/afp/red)



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