Das Erfolgsrezept zur Balance zwischen Familie und Beruf: Der „Papa-Tag“

Von 5. Oktober 2019 Aktualisiert: 7. Oktober 2019 12:55
Aus voller Überzeugung bleibt der Geschäftsführer Gerold Wolfarth (bk Group) seit 15 Jahren jeden Montag der Arbeit fern – für seine Familie. Im Interview mit der ET sprach er über die Königsdisziplin: Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen.

Windeln, Fläschchen und Babygeschrei: Viele Eltern sind in ihrem Alltag als frisch gebackene Eltern gefangen. Mütter fühlen sich mit ihrem Nachwuchs alleingelassen, während Väter plötzlich als Alleinverdiener dastehen. Doch so aussichts- und alternativlos wie die Situation scheint, ist sie nicht.

Gerold Wolfarth, Geschäftsführer der bk Group, ist der lebende Beweis, dass es auch anders geht. In einem Interview erzählte er der Epoch Times, wie die Geburt seiner Tochter und die Idee vom „Papa-Tag“ sein Leben veränderte.

Bevor seine Tochter geboren wurde, hatte der begeisterte Sportler und Autor mit seiner Frau alles im Griff. Nach der Geburt habe es sich dann so an gefühlt, als wäre ein „Eimer voller Legobausteine“ über den frischgebackenen Eltern ausgekippt worden. „Diese mussten erst einmal neu sortiert werden“, sagt Wolfarth. Es brauchte mehrere Wochen, bis sich das Team eingespielt hatte.

Eigene Freiräume schaffen

Mutter und Vater kümmerten sich abwechselnd um ihr kleines Mädchen. Dabei achteten sie darauf, dass ihnen auch genügend eigener Freiraum blieb. Beispielsweise ging Wolfarth, der bereits dreimal den Ironman absolviert hatte, mit dem Kinderwagen oft joggen. In dieser Zeit konnte seine Frau Dinge tun, die ihr am Herzen lagen.

Die Partner müssten sich „miteinander abstimmen, damit keiner zu kurz kommt“, betont der zweifache Familienvater. Insoweit war es dem Paar auch wichtig, dass die junge Mutter nicht des Kindes wegen auf ihre Karriere verzichtete.

Ganz elementar für eine Partnerschaft sei, „dass sich keiner der Partner benachteiligt fühlt,“ so Wolfarth. „Wenn der Alltag zur Routine wird, bedeutet dies Trägheit“. Dann bestünde die Gefahr, dass man sich gehen lasse. Mangelnde Bewegung könnte beispielsweise zu Verspannungen und Gesundheitseinbußen führen.

Kein Beruf, keine Abwechslung, nur noch für das Kind da sein – so bleiben viele Dinge auf der Strecke, betont der Vater. Doch junge Eltern müssten Kraft schöpfen. Wenn man beispielsweise gern Sport treibt, wie Wolfarth, sollte man Zeit dafür finden.

Königsdisziplin Balance

Beruf, Familie, Freizeit, Gesundheit, Finanzen und Persönlichkeitsentwicklung – diese sechs Lebensbereiche müsse jeder Mensch in Balance halten, rät der erfolgreiche Motivationstrainer. Das sei der Schlüssel für ein erfolgreiches und erfülltes Leben. Die innere Harmonie könne dann in andere Bereiche ausstrahlen.

Wolfarth und seine Frau sind „der lebende Beweis“ dafür, dass diese Balance selbst mit einem Kleinkind möglich ist. Bereits vor der Geburt ihrer Tochter überlegten sie gemeinsam, wie es nach der Geburt in Familie und Beruf weitergehen könnte.

Als die Tochter gesund das Licht der Welt erblickte und sich der Tagesablauf stabilisiert hatte, wurden sie konkreter. Der Wunsch der Mutter, sechs Monate zu stillen, wurde in der Planung berücksichtigt. Sie pumpte Muttermilch ab, so dass die kleine Tochter versorgt war.

Antriebskraft Motivation

„Immer wieder dranbleiben, sich klare Ziele stecken und aktiv darauf hinarbeiten“, lautet das Erfolgsrezept von Wolfarth. Das gilt in Familie, Beruf und allen anderen Bereichen, die auszubalancieren sind.

Doch warum war es dem jungen Vater so wichtig, jeden Montag nicht zur Arbeit zu gehen und stattdessen für seine Kinder – erst für seine Tochter, wenige Jahre später auch für seinen Sohn – da zu sein und nicht zu arbeiten? Der Grundstein dafür wurde bereits in seiner Kindheit gelegt. Denn in diesem Punkte wollte es Wolfarth besser machen als sein Vater, den er als Kind oft vermisste.

Mein Vater war Landmaschinenschlosser. Wenn er von der Arbeit nach Hause kam, standen in unserem Hof jeden Abend Landwirte, die ihre Traktoren von ihm reparieren lassen wollten“, sagte Wolfarth zum „Business Insider“.

Täglich hätte er als kleiner Junge mit dem Fußball unterm Arm auf seinen Vater gewartet. Doch der Vater reparierte die Traktoren so lange, bis sein Sohn eingeschlafen war. Irgendwann hatte Wolfarth den Glauben in seinen Vater verloren.

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Mobbing und eine harte Prüfung

Damit eine echte Bindung zwischen Vater und Kind gelingt, führte Wolfarth vor 15 Jahren den „Papa-Tag“ nach der Geburt seiner Tochter ein. Seitdem hat er nach eigenen Angaben jeden Montag mit seinen Kindern verbracht – ohne zu arbeiten. Dafür erntete er anfangs viel Spott. Im Berufs- und Freundeskreis wurde er oft mit den Worten aufgezogen: „Na, gehst du wieder Windeln wechseln und Kinderwagen schieben?“

Den Drahtseilakt zwischen Familie und Beruf beschreibt der zweifache Familienvater wie folgt:

Sie müssen sich vorstellen, dass Sie wie ein Jongleur sechs Teller auf sechs Stäben jonglieren. Dabei müssen alle Teller sich ständig drehen, sonst kommen sie aus der Balance.“

Mit anderen Worten: Man müsse ständig etwas dafür tun. Immer wieder müsse der Familienvater abwägen und überprüfen, ob etwas aus der Balance geraten und zu verändern ist. „Das ist immer wieder eine neue Herausforderung.“

Dann traten Schwierigkeiten in der Firma auf: „Als die bk Group gerade sechs Jahre existierte, sind wir mit einem Großauftrag in ein Problem hineingeschlittert, das viele Start-ups haben: zu viele Aufträge für zu wenige gute Mitarbeiter“, erzählt Wolfarth dem „Business Insider“ von einer brenzligen Situation.

Um den Liquiditätsengpass zu überwinden, musste er bei seiner Bank einen Überbrückungskredit beantragen. Die Bank sträubte sich. Der Banker sagte zu Wolfarth:

Wenn Sie mit Ihrem blöden Papa-Tag mal aufhören würden, dann wären wir jetzt nicht in dieser Situation.“

Eine harte Kritik. Doch sie konnte den Vollblutpapa nicht einschüchtern, im Gegenteil. „Jetzt erst recht“, sagte sich Wolfarth und steuerte das Unternehmen aus der Krise – mit „Papa-Tag“. Inzwischen ist das Unternehmen mit einst 14 Mitarbeitern auf 200 gewachsen und betreut Kunden in 27 Ländern.

Geschäftsmodell für Familienväter

Sechs Väter im Unternehmen der bk group praktizieren den „Papa-Tag“, teilweise in abgewandelten Modellen. Manche arbeiten beispielsweise verkürzt statt 40 nur 34 Stunden in der Woche, andere haben sich dazu entschlossen, sich ab Freitagmittag um ihre Familie zu kümmern. „Das sind Väter, die auch auf Arbeitszeit verzichten und damit Gehaltskürzungen in Kauf nehmen, um aktiv die Familie zu unterstützen“, sagt Wolfarth.

Es gibt selbstverständlich auch Mütter, die in seinem Unternehmen Teilzeit arbeiten. Viele Angestellte würden jedoch an dem Bild festhalten, dass junge Mütter ein bis zwei Jahre bei ihrem Kind zu Hause bleiben sollten.

„Der Vater geht dann weiter Vollzeit arbeiten. Das ist leider immer noch vermehrt dieses klassische Modell“, sagt Wolfarth. Er würde gern, dass noch mehr Väter eine Familienzeit und den „Papa-Tag“ nutzen.

Sinneswandel gewünscht

In verschiedenen Unternehmerkreisen wirbt der erfolgreiche Geschäftsführer für das „Papa-Tag“-Modell. Branchenübergreifend finden alle sechs Wochen Treffen statt.

Aber mir ist kein zweites Unternehmen bekannt, dass das aktiv bewirbt und aktiv dafür etwas tut, dass auch Väter einen bewussten Sinneswandel vollziehen.“

Doch warum haben viele Eltern das Wohl ihrer Familie nicht mehr im Blick? Die Gründe seien vielschichtig, sagt Wolfarth. Dabei spiele die Haltung der Arbeitgeber eine große Rolle. Viele Betriebe würden keine reizvollen Modelle anbieten oder sogar vermeiden, nach dem Motto: „Wir haben mit den schwangeren Frauen schon genug zu tun.“

Zudem schieben laut Wolfarth viele Väter Ausreden vor sich her. Erziehung und Haushalt seien eher Aufgaben der Frau, heißt es oft. Und dann ist da noch die Frage für einen Vater: „Was soll ich denn mit einem Kleinkind machen?“ Das sei eher die Aufgabe der Mutter, lautet das Vorurteil. Insoweit sei das Bewusstsein der Väter noch sehr „traditionell“.

Junge Eltern hingegen kämen gar nicht erst auf die Idee, ihr Familien- und Berufsleben anders als andere zu gestalten. Daher gehen sie den „klassischen Weg“ wie Tausende andere Eltern: Geburt, Krippe, Arbeit.

Finanzielle Belastung

„Die finanzielle Belastung darf man bei dem Ganzen nicht außen vor lassen“, betont Wolfarth. Daher trägt sein Papa-Modell die Lösung für einen eventuellen Verdienstausfall in sich. Denn wenn der Vater zuhause bleibt und die Mutter an diesem Tag arbeiten geht, sei einiges aufgefangen.

Wolfarth macht Eltern Mut, seinem Beispiel zu folgen: „Die Zeit war nie besser!“ Die Arbeitnehmer könnten sich in vielen Bereichen aussuchen, wann und wie viel sie arbeiten.

Der Familienvater wirkt rundum glücklich mit seiner Entscheidung, auch wenn der „Papa-Tag“ in der Anfangszeit viele neue Herausforderungen mit sich brachte.

Vor wenigen Monaten – im Mai dieses Jahres – suchte Wolfarth das Gespräch mit seiner Tochter. Gemeinsam besprachen die beiden, ob der „Papa-Tag“ überhaupt noch gewünscht sei. Denn die Kinder sind inzwischen älter geworden, aber das Betreuungsmodell besteht noch immer: Montags und freitags ist einer der beiden Elternteile zuhause und dienstags bis donnerstags kümmert sich eine Kinderfrau um die beiden. Sie holt die Kinder beispielsweise von der Schule ab und kocht Mittagessen.

Dabei ist die inzwischen 15-jährige Tochter schon sehr selbständig. Manchmal kocht sie sogar für ihren jüngeren Bruder. Doch eine Änderung wolle sie nicht. Sie sagte: „Ich möchte, dass du auch weiterhin den Papa-Tag machst. Das ist mir wichtig.“

Das bestätigte den Familienvater und Unternehmen in allen Punkten. Er sagt: „Dann habe ich wohl alles richtig gemacht.“

Zehn Punkte machen den Erfolg von Wolfarth aus …

Gerold Wolfarth, geboren 1970, absolvierte eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann und stürzte sich danach mit wachem Auge ins Arbeitsleben. 1999 gründete er seine Unternehmensgruppe als „One-Man-Show“ im zukünftigen Kinderzimmer seines Privatwohnhauses.

Seine Geschäftsidee – 365° Objektlösungen & Services – gibt es bis heute kein zweites Mal im Markt. Mit der bk Group lenkt Wolfarth inzwischen ein europaweit agierendes Erfolgsunternehmen mit mehr als 200 Mitarbeitern im fränkischen Endsee – und steht für eine Unternehmensphilosophie, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Unternehmerischer Erfolg funktioniert auch und gerade dann, wenn man in allen Lebensbereichen für ein erfülltes Leben sorgt! Heute weiß Gerold Wolfarth, dass es zehn Punkte sind, die seinen Erfolg ausmachen. In seinem Buch „Gewinn ist nur ein Nebenprodukt“ erklärt er, wie sie lauten und wie man nach ihnen leben kann. (sua)