Carsharing: Ein wenig erfolgreicher Hype – Studie sieht die Gründe in den Ansprüchen der Nutzer

Von 10. Februar 2020 Aktualisiert: 10. Februar 2020 12:01
Carsharing ist ein Hype, wird aber kaum genutzt, zu diesem Ergebnis kommt eine Studie über Carsharing. Die Anforderungen vieler Nutzer orientieren sich noch immer an privaten PKW und übersteigen damit die Möglichkeiten der Anbieter.

Weniger Konsum, mehr Nachhaltigkeit: Carsharing gilt als innovative Mobilitätslösung. Doch so schnell in den vergangenen Jahren zahlreiche Anbieter mit unterschiedlichen Konzepten auf dem Markt erschienen sind, so schnell sind viele auch wieder verschwunden.

Den Gründen dieses Scheiterns geht eine aktuelle Studie der Universität Hohenheim in Stuttgart in Kooperation mit europäischen Forschungspartnern nach. Zentrale Erkenntnisse: Wirklich überzeugen können nur elektrobetriebene Fahrzeuge und Carsharing-Konzepte, die zur Lebenswirklichkeit der Konsumenten passen. Unabdingbar sind dabei bequeme und flexible Nutzungsmöglichkeiten sowie ein hohes Service-Level.

Carsharing-Projekt noch vor dem Start gescheitert

Zu Beginn der Studie stand ein Pilotprojekt zur Einführung eines neuen Carsharing-Angebots in Stuttgart. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Begleitstudie befragten die Forscher zunächst potenzielle und tatsächliche Nutzer zu ihren Erwartungen und Erfahrungen. Letztendlich scheiterte das Angebot jedoch. Die Nutzungszahlen waren einfach zu gering, um das Konzept wirtschaftlich betreiben zu können.

Das Scheitern des Projekts war der Auslöser, um weiterzuforschen. Obwohl Carsharing nach wie vor als innovative Mobilitätslösung gilt und das Marktsegment der Share Economy weiterhin boomt, ist das Schicksal des Pilotprojekts kein Einzelfall.

Warum das Angebot von den Konsumenten nicht angenommen wurde, untersuchte das Team um Prof. Dr. Marion Büttgen und Dr. Adrian Lehr vom Fachgebiet Unternehmensführung in einer weiterführenden empirischen Studie.

Positive Einstellung führt nicht automatisch zur Nutzung

Interviews mit Nutzern und Nicht-Nutzern des Angebots ergaben, „dass das Angebot nicht zu den tatsächlichen Mobilitätsbedürfnissen der angesprochenen Zielgruppe passte“. Das gilt auch, „wenn sie das Carsharing grundsätzlich positiv beurteilen“, fassen Prof. Dr. Büttgen und Dr. Lehr zusammen.

Doch damit war immer noch nicht geklärt, wie ein perfektes, Nutzer-optimiertes Carsharing-Konzept aussehen sollte. „Gerade die Vielzahl an unterschiedlichen Angeboten […] erschwert eine eindeutige Identifikation der entscheidenden Merkmale“, erklärt Prof. Dr. Hahn.

In einer weiteren empirischen Untersuchung ließ das Forschungsteam deshalb Probanden 128 potenzielle Carsharing-Angebote mit jeweils unterschiedlichen Merkmalskombinationen bewerten. Anhand von 2.820 Einzelbewertungen analysierten die Forscher anschließend, welche Merkmale für Konsumenten am relevantesten sind.

E-Autos, freie Parkplatzwahl und Rund-Um-Sorglos Service

Die Ergebnisse offenbarten eindeutige Präferenzen: Wirklich überzeugen konnten die Probanden nur elektrobetriebene Fahrzeuge. Außerdem waren Angebote klar im Vorteil, die dem sogenannten Free-Floating-Konzept folgen. Bei diesem Modell können Fahrzeuge an jedem beliebigen Ort im Stadtbezirk abgeholt und abgestellt werden, ohne an feste Stationen gebunden zu sein.

Deutlich wurde ebenfalls die Erwartung eines „Rund-Um-Sorglos“-Angebots, ohne eigenständiges Tanken oder Reinigen, wie es bei einzelnen Angeboten auf dem Markt der Fall ist.

Während die Art des Preismodells ebenfalls Einfluss auf die Bewertung hatte, interessierte es meist nicht, ob es sich um einen privaten oder kommunalen Anbieter handelt. Die Vielfalt an verfügbaren Automodellen spielt gemäß den Studienergebnissen gar keine Rolle.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich das Anspruchsniveau der Konsumenten noch immer am privaten PKW orientiert. Dies kann für den Carsharing-Betreiber mit erheblichen Kosten verbunden sein und erklärt auch, warum nur wenige Carsharing-Angebote wirklich wirtschaftlich sind. „Die Anbieter sollten sich daher auf die wesentlichen Faktoren fokussieren“, erklärt Dr. Lehr. „Es wird sich in Zukunft zeigen, wie sich der vergleichsweise junge Markt entwickelt und ob sich der Trend hin zu einer Konsolidierung der Angebote fortsetzt.“

(Mit Material der Uni Hohenheim)

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