Nach brutalem Überfall auf Klosterkirche in Wien: Polizei kann Terrorakt mittlerweile ausschließen

Von 28. Dezember 2018 Aktualisiert: 28. Dezember 2018 15:43
Einen Tag nach dem brutalen Überfall auf die Klosterkirche Maria Immaculata im Bezirksteil Strebersdorf des 21. Wiener Gemeindebezirkes sind der oder die Täter immer noch auf der Flucht. Am selben Vormittag gab es im Bereich vom Stephansdom eine Bombendrohung.

Österreich steht immer noch unter Schock nach dem brutalen Überfall auf die Klosterkirche Maria Immaculata in Wien-Floridsdorf am gestrigen Donnerstag (28.12.2018), bei dem nach bisherigem Erkenntnisstand sechs Ordensbrüder über mehrere Stunden hinweg gefesselt und misshandelt worden waren. Im Laufe des Freitagsnachmittags sollen die Opfer des Übergriffs – alle über 60 Jahre alt – von der zuständigen Polizeibehörde zu dem Vorfall befragt werden.

Von den Angaben erhoffen sich die Sicherheitskräfte Klarheit über den immer noch nicht vollständig rekonstruierten Tathergang und über die Anzahl der Täter, die, wie die „Neue Kronen Zeitung“ berichtet, noch nicht endgültig geklärt sei. 

Patrick Maierhofer, der Pressesprecher der Polizei Wien, erklärte der Publikation am heutigen Freitag, die Ordensbrüder hätten unterschiedliche Angaben über die Zahl der Täter gemacht. Während einige Opfer zwei Täter beobachtet haben wollen, sprachen andere lediglich von einem Tatbeteiligten, dessen sie gewahr geworden wären.

Auch die Schadenssumme ist noch nicht beziffert. Möglicherweise haben der oder die Täter den Zeitpunkt der Tat bewusst auf einen Tag nach den Weihnachtsfeiertagen gelegt, weil zum Weihnachtsfest mit einem erhöhten Spendenaufkommen zu rechnen ist. Im Zuge des Überfalls wurde jedenfalls der Tresor der Kirche im Bezirksteil Strebersdorf geplündert, in dem sich auch eine Neun-Millimeter-Pistole befunden haben soll.

Zusammenhang mit Bombendrohung am Stephansdom?

Unterdessen geht die Polizei mit Blick auf die Vorgehensweise nicht mehr von einem möglichen terroristischen Motiv hinter der Tat aus. Maierhofer zufolge deuten alle Umstände auf ein Vermögensdelikt hin. Allerdings seien insbesondere noch Fragen offen hinsichtlich eines möglichen Zusammenhanges mit einer Bombendrohung, die es am Donnerstagvormittag im Umfeld des bekannten Wiener Stephansdomes in der Innenstadt gegeben hatte. Wie das Portal kath.net berichtet, sei dieser kurzfristig geräumt und gesperrt worden. Es wurde allerdings nichts Verdächtiges gefunden.

In der Kirche Maria Immaculata geht die Suche nach Spuren unterdessen weiter, weshalb deren Sperre andauere. Die zuständigen Einsatzkräfte bemühen sich immer noch um die Sicherung von Tatortspuren wie DNA oder Fingerabdrücken.

Ein Verdächtiger wurde als 1,80 Meter groß und dunkelhaarig beschrieben – allerdings gibt es noch kein Phantombild oder Fahndungsfoto. Maierhofer zufolge werde noch überprüft, ob es Bilder einer Überwachungskamera gibt.

Örtlichkeiten ausgekundschaftet

Der oder die Täter waren mit massiver Gewalt gegen die Ordensbrüder vorgegangen, unter anderem benutzten sie Eisenstangen und weitere Werkzeuge. Ein 68-Jähriger, der als Erster überwältigt wurde und Rissquetschwunden, Kopfverletzungen sowie vermutlich auch einen Armbruch erlitten habe, befinde sich noch im Krankenhaus. Vier Ordensbrüder wurden leicht verletzt und konnten bereits das Krankenhaus verlassen. Neben den sechs direkten Opfern des Überfalls befanden sich zum Zeitpunkt der Tat noch etwa ein Dutzend weiterer Geistlicher im Pfarrhaus. Auch die sollen über mögliche Beobachtungen befragt werden.

Knapp zwei Stunden lang sollen sich die Geistlichen in der Gewalt der Täter befunden haben, schreibt die „Krone“ weiter. Der Überfall der Klosterkirche in der Anton-Böck-Gasse habe um 13.30 Uhr begonnen. Zunächst sei der 68-Jährige überwältigt worden, anschließend ein zweiter Ordensbruder, der zu Hilfe kam. Auch dieser sei mit Schlägen traktiert worden. Drei weitere Geistliche, die später dazustießen, wurden ebenfalls von den Tätern angegriffen und dabei leicht verletzt. Ein sechstes Opfer sei in einem Büroraum gefesselt, aber nicht geschlagen worden. Etwa 45 Minuten nach Ende des Überfalls konnten sich die ersten Gefesselten befreien und die Polizei rufen.

Der Überfall soll kein spontaner Akt gewesen sein, sondern von langer Hand geplant. Ein Geistlicher habe Nikolaus Baldermann, dem Haustechniker des dem Kloster angegliederten Schulbrüdervereins der De la Salle Schule, anvertraut, dass einer der Täter ihm Tage zuvor als nicht vertrautes Gesicht in der Kirche aufgefallen sei.

Aus heutiger Sicht erscheine es naheliegend, anzunehmen, dass der Kirchenbesuch dem Ausspähen der Örtlichkeiten gedient habe. Die Fahndung nach dem oder den Tätern läuft auf Hochtouren. Die bislang bekannten Merkmale lauten: 1,80 Meter Größe und ausländischer Akzent.

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