Hoffenheim, Borussia und kein Doping

Von 1. März 2009 Aktualisiert: 1. März 2009 12:26

Schön, dass sie alle wieder da sind und alle wieder mitreden. Jeder gibt seinen Senf dazu: Wissende und Nichtwissende; Wichtige und selbsternannte Hüter der sportlichen Moral.

Aber genau Bescheid weiß keiner.

Kann ja auch nicht, denn es besteht derzeit eine Rechtsunsicherheit wie in einem solchen Fall zu verfahren ist. Selbst die Betroffenen, die TSG Hoffenheim mit ihren beiden Spielern Andreas Ibertsberger und Christoph Janker und Borussia Mönchengladbach, wissen nichts Verbindliches.

Das Ereignis, das die derzeitigen Meinungsverschiedenheiten ausgelöst hat, trug sich am 7. Februar nach dem Bundesliga-Spiel Borussia Mönchengladbach gegen 1899 Hoffenheim zu. Die Hofffenheimer Spieler Ibertsberger und Janker wurden nach dem Spiel zum Dopingtest beordert und haben sich entgegen der Doping-Vorschriften nicht direkt vom Spielfeld in den Doping-Kontrollraum begeben. Stattdessen erschienen sie dort erst mit zehnminütiger Verspätung. Dies stellt einen Verstoß gegen die Anti-Doping-Richtlinien dar.

Das sind die Fakten.

Andreas Ibertsberger  (Lars Baron/Bongarts/Getty Images) 
Andreas Ibertsberger (Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Vielleicht wird es ja jetzt so manchen überraschen, aber es hat durchaus seinen Sinn, dass die Anti-Doping-Richtlinien so streng sind, denn schon in kürzester Zeit sind Manipulationen möglich, um das Testergebnis verfälschen zu können. Prof. Dr. Wilhelm Schänzer, Leiter vom Institut für Biochemie in Köln dazu: „Falls jemand gedopt hätte, könnte man das auch so planen, um das Ergebnis zu verfälschen. Eben gerade deshalb gibt es ja auch diese strengen Vorgaben der Welt-Anti-Doping-Agentur, um eben genau zu verhindern, dass Maßnahmen eingeleitet werden können, die das Testergebnis verfälschen. Im Übrigen müssen diese Maßnahmen zur Manipulation ja nicht in diesen 10 Minuten eingeleitet werden, sondern könnten ja auch schon viel früher beginnen. Man hätte also genügend Zeit, um zu manipulieren. Wenn jetzt jemand hochprofessionell gedopt worden wäre und man sich darauf vorbereitet hätte, hätte man gegebenenfalls auch die Möglichkeiten gehabt, um zu manipulieren.“

Nun war das Testergebnis bei Ibertsberger und Janker, wie ja alle wissen, negativ und hier soll keinesfalls der Eindruck entstehen, die beiden hätten verbotene Substanzen zur Leistungssteigerung eingenommen. Aber allein schon das Wissen, dass sie das Ergebnis in diesen 10 Minuten hätten verfälschen können (wenn sie denn gedopt gewesen wären), macht es umso deutlicher, wie wichtig es ist, die Vorgaben und Regeln einzuhalten, um Verdächtigungen gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Besondere Brisanz erhält dieses Thema zusätzlich auch noch durch den Umstand, dass die TSG Hoffenheim just in diesem Spiel eine Minute vor Schluss ein irreguläres Tor erzielte und die Gladbacher damit 2 Punkte verloren. Nun scheint dieser Umstand nicht zwingend im Zusammenhang mit dem Regelverstoß zu stehen, macht aber deutlich, wie inhaltslos das Gebrabbel von einigen selbsternannten Moralisten der Liga ist. So stieß zum Beispiel der Einspruch der Verantwortlichen aus Mönchengladbach auf Unverständnis bei manch anderem Club. Vor laufenden Kameras dozierte Rudi Völler, Sportdirektor von Bayer Leverkusen, im TV-Sender Premiere: „Das ist ein Witz, ein absoluter Witz“, und Völlers Kollege Dietmar Beiersdorfer vom Hamburger SV ergänzte im DSF: „Das hat mit Solidarität nichts zu tun. Da sollte man eine sportliche Lösung finden.“

Richtig!

Christoph Janker (Lars Baron/Bongarts/Getty Images) 
Christoph Janker (Lars Baron/Bongarts/Getty Images)

Als Unbeteiligter von anderen Solidarität fordern, kommt mit Sicherheit immer erst einmal gut an. Aber Solidarität mit wem? Mit all denen, die gegen die Anti-Doping-Richtlinien verstoßen? Oder pauschal erst einmal mit allen Hoffenheimern auf dieser Erde? Zeigte eigentlich die TSG 1899 Solidarität mit den Gladbachern und gaben den Punkt zurück, den sie durch einen unrechtmäßig erzielten Treffer aus dem Borussiapark entführten? Warum gab Bayer Leverkusen im November 2002 nicht die Punkte aus Solidarität an die Gladbacher zurück, nachdem Daniel Bierofka vor dem Ausgleichstor den Ball mit der Hand mitnahm?
Solidarität kann man immer prima von anderen fordern. Vielleicht fehlen den Gladbachern ja die Punkte am Schluss und sie steigen ab. Wer übt dann Solidarität mit ihnen? Was würde Herr Völler denn sagen, wenn seine Spieler nur durch ein irreguläres Gegentor nicht Meister werden könnten und sich dann herausstellen würde, dass zwei Spieler des Gegners gegen die Anti-Doping-Richtlinien verstoßen hätten? Wäre dies dann auch ein Witz, über den er lachen könnte?

Es ist schon faszinierend zu sehen, wie auf einmal der Fußballclub aus Mönchengladbach als unsolidarisch und unsportlich dargestellt wird, obwohl nicht er gegen die Anti-Doping-Richtlinien verstoßen hat und lediglich von seinem Einspruchsrecht Gebrauch gemacht hat. Ein Einspruchsrecht übrigens, welches sie innerhalb von 48 Stunden prüfen und bei unklarer Rechtslage einlegen mussten. Borussias Sportdirektor Max Eberl: „Wir haben uns dazu lange beraten und einen Rat von einem Rechtsbeistand geholt. Aber niemand konnte uns eine klare Aussage geben, mit welchen Konsequenzen in so einem Fall zu rechnen ist. Wir konnten gar nicht anders als Einspruch zu erheben, um eine mögliche Rechtsposition Borussias nicht zu gefährden. Es herrscht offenbar eine allgemeine Rechtsunsicherheit in diesem Fall und dies muss geklärt werden. Wichtig ist mir dabei aber eins: Wir haben keine Anklage gegen Hoffenheim oder gegen die beiden Spieler erhoben“.

Ja, die Reaktion Borussias war legitim und es wäre fahrlässig gewesen, in dieser allgemeinen Rechtsunsicherheit nicht darauf zu reagieren.

Wer heutzutage im Hochleistungssport Dopingmittel verwendet, macht dies grundsätzlich professionell und vorsätzlich, plant es und wird versuchen sich der Kontrolle zu entziehen oder das Testergebnis zu verfälschen. Genau aus diesem Grund sind die Regeln im Anti-Doping-Kampf sehr streng und müssen es auch sein. Deswegen geht es bei den zehn Minuten von Gladbach vor allem auch um die Frage, wie ernsthaft und glaubwürdig ist der Anti-Doping-Kampf im deutschen Fußball und wie sollen in Zukunft solche Verspätungen behandelt werden.

Sollten jedoch hoch bezahlte Fußballprofis (egal von welcher Mannschaft) noch nicht in der Lage sein, vom Spielfeld zum Testraum zu gehen ohne sich zu verlaufen oder wäre es für manche Spieler generell viel zu schwierig sich an diese Vorgehensweise zu halten, so wäre es doch eventuell sinnvoller, für diese Athleten Sonderregelungen einzuführen. Machen wir doch den nächsten Dopingtest für genau diese Fußballer im nächsten Herbst halb sieben im Sportlerheim. Und kommen kann dann der, der gerade mal Lust hat. Falls dann noch jemand möchte, kann er sich ja aus Solidarität mittesten lassen.

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