E-Roller sind nicht so umweltfreundlich wie erhofft

Epoch Times3. September 2019 Aktualisiert: 3. September 2019 10:57
Das Umweltbundesamt stellt fest, dass E-Roller bislang kein Gewinn für die Umwelt sind. Erste Studien zeigen, dass die zurückgelegten Wege im Durchschnitt um zwei Kilometer lang sind und meist am Abend oder am Wochenende stattfinden.

E-Scooter sind bislang kein Gewinn für die Umwelt, stellt das Umweltbundesamt nach den ersten Zahlen fest. Sie ersetzten oft den Fuß- und Radverkehr. Seit Juni 2019 sind Roller im deutschen Straßenverkehr zugelassen, die ersten Leihanbieter sind in verschiedenen Städten tätig.

Das Umweltbundesamt kommt nun zu dem Fazit: „Als Leihfahrzeug in Innenstädten, wo ÖPNV-Netze gut ausgebaut und die kurzen Wege gut per Fuß & Fahrrad zurückzulegen sind, bringen die Roller eher Nachteile für die Umwelt – und drohen als zusätzlicher Nutzer der bereits unzureichend ausgebauten Infrastruktur das Zufußgehen und Fahrradfahren unattraktiver zu machen.“

Die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger, ergänzt: „In der Ökobilanz sind E-Scooter natürlich deutlich besser als das Auto. Aber gegenüber dem bewährtem Fahrrad, mit dem sich Strecken ebenso schnell bewältigen lassen und Gepäck besser transportieren lässt, sind E-Scooter die deutliche umweltschädliche Variante und aus meiner Sicher daher keine gute Alternative.“

Für Krautzberger ist weiterhin die hohe Zahl privater Pkw das Problem: „Hier müssen die Städte ansetzen und die Zahl der Autos und deren Parkplätze deutlich reduzieren. Dann haben wir auch mehr Platz in den Innenstädten für sichere Fuß- und Radwege. Verleiher sollten E-Scooter statt in Innenstädten in den Außenbezirken aufstellen. Hier kann es durchaus sinnvoll sein, die zu lange Strecke zur Bahn schnell mit dem E-Scooter anstatt mit dem Auto zu überbrücken.“

Nur acht Prozent ersetzten in Paris eine Autofahrt durch einen Roller

Die Roller sind nur dann umweltfreundlich, wenn sie das Auto oder das Motorrad ersetzen. Werden die Elektro-Kleinstfahrzeuge statt dem Fahrrad oder den eigenen Füßen benutzt, ist dies schlechter für die Umwelt. Das Fahren auf Gehwegen ist den Rollern verboten, allerdings gibt es damit noch Probleme.

Erste Studien zeigen, dass die zurückgelegten Wege im Durchschnitt um zwei Kilometer lang sind und meist Abends oder am Wochenende stattfinden. Die Kosten unterscheiden sich von Stadt zu Stadt und je nach Anbieter. Meist wird für die Freischaltung eines Rollers eine Gebühr von einem Euro erhoben und dann in Minuten abgerechnet. „Scooters.civity“ schreibt, das in Berlin die Anbieter aktuell 15 Cent pro Minute verlangen, in München sind es 19-20 Cent. In Berlin werden die Roller vermutlich vor allem von Touristen eingesetzt, sie werden vor allem im Bereich Friedrichstraße und Unter den Linden genutzt.

Eine andere Studie aus Paris zeigt, dass nur acht Prozent von 4000 befragten Nutzern durch die Nutzung eines Leihscooters eine Auto- oder Taxifahrt ersetzten.Fast die Hälfte wäre ohne Roller zu Fuß gegangen, 29 Prozent hätten den ÖPNV benutzt und neun Prozent ein Fahrrad.Drei Prozent hätten sich ohne einen Roller überhaupt nicht bewegt.

Roller haben vermutlich nur eine kurze Nutzungsdauer

Meist werden in E-Scootern Lithium-Ionen-Akkus verwendet, die auch in E-Bikes oder Elektroautos eingesetzt werden. Eine lange Lebensdauer des Akkus würde die Umweltbilanz pro gefahrenen Kilometer verbessern. Es ist noch ungeklärt, wie viel Aufwand und Kosten die Scooter dadurch benötigen, dass sie jeden Abend von einer Verleihfirma eingesammelt werden müssen. Diese sogenannten „Juicer“ bringen die Roller nachts mit Kleintransportern zu den Ladestationen und am Morgen wieder zu den Standplätzen.

Über die Nutzungsdauer der Roller ist noch nicht viel bekannt. Das Umweltbundesamt berichtet von Zahlen aus Kentucky, Louisville (USA). Diese deuten bei Verleihern von E-Scootern auf „eine relativ kurze Nutzungsdauer von 28 bis 32 Tagen hin“. Teilweise wird von einer Nutzung von drei Monaten ausgegangen, bei neueren Modellen auch von einem Jahr. Leihgeräte haben vermutlich eine kürzere Lebensdauer als ein privat gekaufter Roller. (ks)

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