„Stimmung beim Klimathema kann schnell kippen“: Politologe sieht schwarz für „Fridays for Future“

Von 8. Januar 2020 Aktualisiert: 9. Januar 2020 9:31
Die „Klimaschutz“-Bewegung „Fridays for Future“ hatte das Jahr 2019 geprägt – nicht zuletzt dank politischer und medialer Rückendeckung. Mittlerweile machen sich aber Resignation und Zynismus bemerkbar. Dies könnte der Bewegung spürbar schaden.

Die „Schülerstreik“-Bewegung „Fridays for Future“, die sich im Vorjahr noch über breite politische und mediale Aufmerksamkeit freuen konnte, könnte mittlerweile ihren Zenit überschritten haben. Im Gespräch mit der „Welt“ attestiert Politologe Wolfgang Kraushaar vom Hamburger Institut für Sozialforschung den „Klimaschutz“-Aktivisten zwar ein „außergewöhnliches Mobilisierungspotenzial“. Dass am 20. September des Vorjahres 1,4 Millionen Menschen in Deutschland den Demoaufrufen gefolgt seien, unterstreiche dieses.   

Allerdings sei Akzeptanz eine „fragile Größe“. Und eine Bewegung wie Fridays for Future, die nicht alle Segmente der Gesellschaft gleichermaßen anzusprechen vermag, könnte ins Stocken geraten, sobald aus der diffusen Stimmung, die Politik solle Maßnahmen ergreifen, um „den Klimawandel einzudämmen“, konkrete Maßnahmen würden.

„Extinction Rebellion“ erweist den Greta-Fans einen Bärendienst

„Wo in Zeiten der großen Euphorie für das Klimathema vielleicht ein Auge zugedrückt wird, kann die Stimmung schnell kippen, wenn persönliche Interessen betroffen sind“, meint Kraushaar. Die Aktivitäten der noch radikaleren Bewegung „Extinction Rebellion“ (XR) hätten zudem ebenfalls ein Potenzial, auch „Fridays for Future“ zu schaden.

„Da wird versucht, mit dem Argument der Klimarettung im Rücken Grenzen zu überschreiten – und zwar in der Erwartung, dass diese Grenzüberschreitungen keine Konsequenzen nach sich ziehen“, meint Kraushaar. Durch die teils strafrechtlich relevanten Eingriffe in den Flugverkehr, für die XR verantwortlich zeichne, werde „natürlich weit übers Ziel hinaus geschossen, und keiner, der betroffen ist, wird das gutheißen“.

Aber auch Fridays for Future könnte schneller in die Radikalisierungsfalle tappen als der Bewegung, die bis dato wenig Gegenwind erfahren hatte, lieb ist. Die jüngsten, vermeintlich „satirischen“ Untergriffigkeiten gegenüber der Großelterngeneration – durch das Social-Media-Team am Tag vor Heiligabend und später durch den WDR – haben der Bewegung geschadet. Im Tweet von FFF hatte es geheißen: „Warum reden uns die Großeltern eigentlich immer noch jedes Jahr rein? Die sind doch eh bald nicht mehr dabei.“

„Mitunter zynisches Verhältnis gegenüber den älteren Generationen“

Kraushaar geht davon aus, dass es bei diesem Ausrutscher nicht bleiben wird. Je größer die Frustration werde darüber, dass sich die radikalen Forderungen der „Klimaschutz“-Bewegung schnell durchsetzen lassen, umso häufiger könnten Entgleisungen dieser Art auftreten: 

Die abschätzige Bemerkung der Aktivistinnen und Aktivisten, dass die Großeltern doch eh bald nicht mehr dabei seien, bringt etwas zum Vorschein: ein mitunter zynisches Verhältnis gegenüber den älteren Generationen.“

Zudem nehme die Teilnehmerzahl an den Aufmärschen ab, es würden immer weniger Schüler wirklich jeden Freitag zu den Schulstreiks gehen. Das „Klimapaket“ der Bundesregierung und die „Green Deal“-Ankündigung der EU habe Druck vom Kessel genommen und die Weltklimakonferenz in Madrid habe sich als Flop erwiesen: „Luisa Neubauer hat nach der Klimakonferenz in Madrid selbst gefragt: ,Was sollen wir denn noch machen?‘ Daraus spricht natürlich Resignation.“

Mittlerweile, so Kraushaar, wirke es „manchmal, als wäre das Pulver verschossen“.

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