Alles durch die Kinder – nichts für die Kinder: Der Siegeszug des infantilen Ökologismus

Von 6. Juni 2019 Aktualisiert: 6. Juni 2019 12:59
Der Ökologismus war eigentlich zu jeder Zeit eine Ideologie weißer alter Männer. Mit Kindern verband ihn allenfalls die Überzeugung, dass Menschen weniger davon haben sollten. Doch jetzt setzen seine Protagonisten explizit auf Kinder, um ihre Botschaft zu popularisieren. In Deutschland mit großem Erfolg.

Schüleraufmärsche von „Fridays for Future”, gespenstische Konferenzauftritte von Greta Thunberg, mittelmäßige YouTube-Videos als Publikumsrenner, die Grünen als stärkste Partei unter Erst- und Jungwählern, „Die-In“ im Bundestag: Die Ökologiebewegung in Deutschland hat heute ein junges Gesicht. Kinder und Jugendliche aus der urbanen Oberschicht verbreiten schlichte Botschaften über vermeintlich bevorstehende Katastrophen und fordern eine radikale Veränderung unserer Lebensweise.

Ökologismus als letzte übrige Ideologie des 19. Jahrhunderts

Medien und Politiker bieten ihnen bereitwillig ein Forum und die Grünen, die noch vor wenigen Jahren als politisches Auslaufmodell galten, das nur noch gealterte Veteranen der Studentenrevolte binden konnte, scheinen dank hunderttausender „Schulstreik“-Teilnehmer massentauglich zu werden.

Der Umstand, dass Kinder mit der Behauptung auf die Straße gehen, die Politik gefährde durch ihr vermeintlich immer noch zu abwartendes Vorgehen in der Klimapolitik ihre Zukunft, mag den Eindruck erwecken, es gehe hier tatsächlich „um die Zukunft unserer Kinder“ – und damit um etwas, das in Deutschland auch in Zeiten des demografischen Absturzes in breiten Bevölkerungsschichten konsensfähig ist.

Tatsächlich war die „Zukunft unserer Kinder“ aber noch nie ein tragendes Anliegen ökologistischen Denkens. Der Ökologismus war vielmehr in aller Regel eine Domäne alter weißer Männer – und deren Sorge galt der „Natur“ im Allgemeinen, nicht dem Menschen oder dessen Kindern im Besonderen.

Die Wurzeln des heutigen Ökologismus reichen ins 19. Jahrhundert zurück, jenes Zeitalter, in dem eine breite Welle der Säkularisierung und eine Umwälzung menschlicher Lebensverhältnisse durch Urbanisierung und Industrialisierung den Weg für eine Reihe politischer Ideologien freigemacht hatte, die im 20. Jahrhundert ihre blutigen Siegeszüge antreten sollten.

Malthus reloaded

Es war der britische Ökonom Thomas Malthus, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts erstmals die These aufgestellt hatte, das Menschengeschlecht neige zu ungebremster und exponentieller Vermehrung – und dass die zunehmende Fähigkeit, Krankheiten zu heilen, zur Folge haben werde, dass die Nahrungsmittelproduktion auf der Erde nicht mehr ausreichen würde, um alle Menschen zu versorgen. In der englischen Oberschicht, die schon damals befürchtete, eine wachsende Unterschicht könnte ihre demografische Mehrheit eines Tages zu ihren Gunsten in Stellung bringen, traf er damit einen Nerv. Wörtlich schrieb Malthus:

„Ein Mensch, sagte er, der in einer schon okkupierten Welt geboren wird, wenn seine Familie nicht die Mittel hat, ihn zu ernähren oder wenn die Gesellschaft seine Arbeit nicht nötig hat, dieser Mensch hat nicht das mindeste Recht, irgend einen Teil von Nahrung zu verlangen, und er ist wirklich zu viel auf der Erde. Bei dem großen Gastmahle der Natur ist durchaus kein Gedecke für ihn gelegt. Die Natur gebietet ihm abzutreten, und sie säumt nicht, selbst diesen Befehl zur Ausführung zu bringen.“

William Godwin widerlegte bereits 1820 die These von der vermeintlich bevorstehenden Katastrophe durch „Überbevölkerung“, indem er darauf hinwies, dass der Bevölkerungszuwachs auch mit einem Zuwachs an Innovationen und Produktivität einhergehe, die es ermöglichten, einen höheren Lebensstandard auch für eine größere Bevölkerungszahl zu gewährleisten. Dennoch halten Ökologisten bis heute an der Vorstellung fest, die Erde sei überbevölkert und die Grenzen des Wachstums würden unweigerlich schon in Kürze Untergangsszenarien hervorrufen, wenn nicht mithilfe staatlicher Zwangsgewalt drastische Maßnahmen ergriffen würden, um die Ausbreitung des Menschen einzudämmen.

Abwehrreflex privilegierter Oberschichten

Stanford-Professor Paul R. Ehrlich und der „Club of Rome“, der hinsichtlich der „Fridays for Future“-Bewegung auch heute eine wichtige Rolle im Hintergrund spielt, haben die Vorstellungen von Malthus – die in der Zwischenzeit eine zusätzliche Inspiration durch die Evolutionstheorie Darwins erfahren hatten – für das spätere 20. Jahrhundert aufbereitet. Die damit verbundenen Vorhersagen haben sich bis heute nicht bewahrheitet, der Kern der Botschaft trifft jedoch immer noch auf Menschen, die ihr Glaube schenken.

Ökologismus weniger als Ausdruck einer generellen Sorge um eine Zukunft für künftige Generationen, sondern als Abwehrreflex einer privilegierten Oberschicht gegenüber Emporkömmlingen aus einfacheren Verhältnissen oder Schwellenländern – daran hat sich bis heute wenig geändert, weshalb auch die „Schulstreik“-Teilnehmer überwiegend aus wohlhabenden Familien kommen und die Grünen primär in den Wohnvierteln eines begüterten Milieus gewählt werden. 

Warum aber findet eine Ideologie, deren Botschaft lautet, weniger oder – wie Verena Brunschweiger es anempfiehlt – am besten gar keine Kinder mehr zu haben, ausgerechnet unter Kindern und Jugendlichen und vor allem in Deutschland einen so großen Anklang?

Fehlende Lebenserfahrung und hohe Manipulationsanfälligkeit unter jüngeren Menschen oder eine besonders einseitige und aktivistische Medienlandschaft in Deutschland sind ein wichtiger Aspekt, um das Phänomen zu erklären, aber nicht der einzige. Der Ökologismus hat in Deutschland schon seit Längerem eine stärkere Massenbasis als in den meisten anderen Ländern – und dies hat unter anderem auch mit einer gewissen Janusköpfigkeit zu tun, die hier zum Tragen kommt.

Im Deutschland des 19. Jahrhunderts entbrannte ein besonders erbitterter Kampf zwischen materialistischen und idealistischen Vorstellungen, christliche Restbestände suchten sich gegen agnostisch oder atheistisch geprägte Ideologien der Aufklärung zu behaupten, die aufkeimende Nationalbewegung schaffte sich zusätzlich ihre eigenen Mythen.

Romantischer und materialistischer Naturkult

Dies schlug sich auch im Bild von der Natur wieder, das sich in Deutschland ausbreitete. Die Romantik sah sich als fundamentale Gegenbewegung zum einseitigen Vernunftkult und zum „mechanistischen“ Wissenschaftsverständnis der Aufklärung. Ludwig Klages warnte vor einer Auflösung menschlicher „Ganzheitlichkeit“, Wilhelm Dilthey betonte, Erkenntnis sei mehr durch Intuition als durch rationale Methoden möglich. Die Romantik war wiederum gekennzeichnet durch einen Widerstreit zwischen christlichen und neuheidnischen bis okkultistischen Bestrebungen. Die mystifizierende Verklärung der Natur war ein Ausdruck tiefer Skepsis gegenüber dem modernen, urbanen Leben. Daraus resultierte das Bestreben, die von kulturellem Verfall geprägte Geschichte der Neuzeit durch „ganzheitliche“ Lebenskonzepte abzulösen.

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Gleichzeitig jedoch entwarfen materialistische Wissenschaftler eine eigene Naturphilosophie. In Deutschland war es der Zoologe Ernst Haeckel, der den ökologistischen Gedanken aufgriff und weiterführte – er gilt zudem auch als „Erfinder“ des Begriffs der Ökologie. Diese beschrieb er als „Wissenschaft von den Beziehungen der Organismen zur Umwelt“. Haeckel ließ sich dabei von Darwins Evolutionstheorie inspirieren und bezeichnete die Evolution als „kosmische Kraft, die sich in der Natur verkörpert“.

Wenn Haeckel und seine späteren Epigonen von einer „Umkehr zur Natur“ sprachen, meinten sie damit etwas wesentlich anderes als die Romantiker. Nicht mehr die Regeneration des Individuums von den Zumutungen des modernen Lebens stand von da an im Vordergrund, sondern die Schaffung einer „naturgemäßen Gesellschaftsordnung“, die „ewigen Naturgesetzen“ entsprechen solle. Gestützt auf Darwins Lehren vom „Survival of the Fittest“ beinhalte dies, die Schwachen innerhalb dieses Mechanismus zu eliminieren.

Die Theorien Malthus‘ hatten es spätestens damit zum Gegenstand akademischer Forschung gebracht. Die Vorstellung, der Staat müsse durch aktives Eingreifen in die Bevölkerungsentwicklung sicherstellen, dass die menschliche Vermehrung den „Gesetzen der Natur“ folge, war wissenschaftlicher und weitgehend auch politischer Konsens. Lehrstühle für „Rassenkunde und Eugenik“ wurden an staatlichen Universitäten errichtet, die Politik unterstützte die diesbezügliche Forschung und richtete sich an deren Empfehlungen aus.

Diskreditiertes Gedankengut wiederbeleben

Neben der Eugenik gehörte insbesondere nach der Machtergreifung Adolf Hitlers auch die staatliche Förderung einer „organischen“ Wirtschaft zu den Schwerpunkten der Politik. So sollte insbesondere die „biologisch-dynamische Landwirtschaft“ dazu beitragen, die Autarkie des Deutschen Reiches auch bei der Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten.

Durch die Niederlage der Nationalsozialisten und die Offenlegung ihrer millionenfachen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die sie ideologisch mit „rassenbiologischen“ Postulaten gerechtfertigt hatten, war der Gedanke der Eugenik weithin diskreditiert. Wissenschaftler wie Konrad Lorenz oder Werner G. Haverbeck wirkten dennoch weiter im Sinne ihrer Ideale einer „naturgemäßen“ Gesellschaftsentwicklung.

Der Gedanke, dass die „falschen“ Menschen zu viele Kinder bekämen und dass die Erde „überbevölkert“ wäre, gewann insbesondere im Zuge der Dekolonialisierung im gesamten Westen wieder an Popularität. Ängste vor einem weiteren Bedeutungsverlust des Westens, insbesondere Europas, nach Ende des Zweiten Weltkriegs, Probleme im Zusammenhang mit der Urbanisierung in den Entwicklungsländern und die Obsession bezüglich einer umfassend vom Staat kontrollierten Gesellschaft aufseiten des kommunistischen Blocks spielten jenen in die Hände, die den Ökologismus rehabilitieren und repopularisieren wollten.

In Deutschland lebte der Ökologismus nach 1945 vor allem davon, dass er zur Projektionsfläche für Menschen unterschiedlichster weltanschaulicher Lager wurde. Dies zeigte sich auch an der Gründungsgeschichte der Grünen, in der neben Maoisten, die im Ökologismus einen vielversprechenden Ansatz zur Kapitalismuskritik sahen, auch Alt-Nationalsozialisten wie Haverbeck oder Werner Vogel und Neo-Malthusianer wie Herbert Gruhl eine wichtige Rolle spielten.

Gudrun-Pausewang-Lektüre als Blaupause

Die Botschaft von Konsumverzicht, einem angeblich „geplünderten“ Planeten, Zukunftsangst, Kapitalismuskritik und einer angeblich unkontrollierten Vermehrung in der Dritten Welt fiel auf fruchtbaren Boden. In den 1980er Jahren kam die Angst vor einer atomaren Konfrontation der Supermächte dazu.

Aus der 68er Generation in den Schuldienst gekommene Pädagogen setzten zudem erste Akzente bezüglich einer ökologistischen Indoktrination ihrer Schüler. Dass 1986 nach der AKW-Katastrophe von Tschernobyl die Öko-Horrorgeschichten von Gudrun Pausewang als Pflichtlektüre zu den meistgelesenen Büchern in der jungen Generation wurden, wirkt heute wie eine Blaupause für die heutige Vorarbeit zu „Fridays for Future“. Allerdings scheint die heutige an Schulen und in Medien genährte Klima-Angst einen wesentlich stärkeren Einfluss auf die junge Generation zu haben als die Atomangst der 1980er.

Was dennoch schon damals eine Rolle spielte, ist die Infantilisierung als politisches Instrument. Schon die 68er sahen keinen Widerspruch darin, auf der einen Seite die Kinderlosigkeit – etwa zum Zwecke der „Emanzipation“ und „Selbstverwirklichung“ – zu propagieren, auf der anderen hingegen Kinder und Jugendliche als Sprachrohre für ihre Agenda zu nutzen.

Während man der Rechten vorwarf, einfache Antworten auf komplexe Fragen zu geben, ließ man Kinder und Jugendliche gegen Atomkraftwerke oder den NATO-Doppelbeschluss aufmarschieren – verbunden mit der schlichten Botschaft, dass man damit deren Zukunft ruiniere. In den frühen 2000ern mobilisierte man Kinder und Jugendliche teils von der Schulbank weg für Aufmärsche gegen George W. Bush und dessen Politik im Irak. Dauerbrenner allerdings blieben Demonstrationen und Aktionen „gegen Rechts“, im Zuge derer regelmäßig fehlendes Grundlagenwissen und Differenzierungsvermögen durch ein Mehr an „Moral“ und „Empörung“ wettgemacht wurden.

„Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder…“

Dass heute jedoch Kinder und Jugendliche den Kreuzzug gegen die angebliche „Klimakatastrophe“ führen, zeugt von einem gewissen politisch-strategischen Genie der Ökologisten. Sie wissen, wie wichtig es für jede totalitäre Bestrebung war, Minderjährige von ihren Eltern zu entfremden und sie gegen diese in Stellung zu bringen. Die Hitlerjugend in Deutschland sollte nach dem Willen der Herrschenden in ähnlicher Weise den Bruch mit der alten Gesellschaft und den Aufstieg des „neuen Menschen“ vorantreiben wie die Jugendkollektive während der Kulturrevolution in China unter Mao Zedong.

Im nach 1945 durch die vollständige Niederlage und die Schuldgefühle infolge der Nazi-Verbrechen traumatisierten Deutschland scheint die Infantilisierung zudem einen Ausdruck des Bruchs mit der Vergangenheit und der Sehnsucht nach einer Wiedergewinnung einer Unschuld zu darzustellen, die den Generationen zuvor versperrt geblieben war.

Schließlich ist der Kinderkreuzzug für eine Ideologie, deren Protagonisten Kinder vielfach als „das Schlimmste für die Umwelt“ betrachten, auch eine vielversprechende Chance, um auch im christlichen Milieu Anschluss zu finden. „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich hineinkommen“, heißt es schließlich im Matthäusevangelium – und wie diverse Stellungnahmen aus dem katholischen und evangelischen Klerus zu „Fridays for Future“ zeigen, scheint sich nicht jeder Christ die Frage zu stellen, ob die Kinder, die mit angelernten Parolen regelmäßig an Freitagen durch die Innenstädte ziehen, denn selbst noch wie die Kinder sind, die sie einst waren. Oder ob sie längst zu Sprechköpfen gealterter Erwachsener mit sinistren und im Kern kinderfeindlichen Ideen geworden sind.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.