Milliarden für die klimagerechte Sanierung von Krankenhäusern

Verbandschefin Rümmelin fordert weitere staatliche Förderprogramme. Ein Positionspapier befasst sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die psychische Gesundheit.
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Die klimaneutrale Sanierung von Kliniken in Deutschland könnte bis zu 35 Milliarden Euro kosten.Foto: tonefotografia/iStock
Von 9. Juni 2023

Die klimagerechte Sanierung deutscher Krankenhäuser wird eine sehr kostspielige Angelegenheit. 30 bis 35 Milliarden Euro müssten die Betreiber nach Schätzungen des Katholischen Krankenhausverbands (KKVD) investieren.

Der größte Teil sei für die Sanierung der Gebäude notwendig, zitiert das „Deutsche Ärzteblatt“ KKVD-Geschäftsführerin Bernadette Rümmelin. Nur dann sei es möglich, bis 2045 klimaneutral zu werden. Grundlage für ihre Aussagen seien externe Untersuchungen.

Hitzekonzept und Klimabeauftragte

Die Kliniken könnten das Geld unmöglich alleine erwirtschaften, betonte Rümmelin. Sie forderte daher weitere Förderprogramme von Bund und Ländern. Außerdem müssten die bereits geltenden Programme unbürokratischer gestaltet werden. Derzeit sei es schwierig, „überhaupt an die Gelder zu kommen“, sagte Rümmelin.

Nach Ansicht von Iris Hauth, ärztliche Direktorin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses in Berlin, müssten sich Kliniken und Praxen auf Umweltveränderungen wie höhere Außentemperaturen und Hitzewellen einstellen. In ihrer Einrichtung gebe es ein Hitzekonzept und eine Klimabeauftragte. Außerdem seien dort unter anderem energiesparende Pumpen für Heizungs- und Wasseranlagen, Photovoltaikanlagen eingebaut sowie begrünte Dachflächen angelegt worden.

Des Weiteren verwies Hauth auf mögliche Folgen für die psychische Gesundheit durch den Klimawandel. So gebe es ein größeres Risiko für psychische Krankheiten wie durch Stress verursachte Angststörungen.

Hauth ist auch Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Nervenheilkunde. Diese hat ein Positionspapier zum Zusammenhang von Klimawandel und psychischer Gesundheit herausgegeben.

Handlungsempfehlungen für klimaneutrale Psychiatrie

Auf 44 Seiten geht es um direkte und indirekte Auswirkungen des Klimawandels auf die menschliche Psyche.  Zu den direkten Konsequenzen gibt es Kapitel zu den Themen Luftverschmutzung, Hitze, Extremwetter und Naturkatastrophen und Zukunftsängste. Flucht und Migration sowie „Klimaungerechtigkeit“ gehören zu den indirekten Konsequenzen.

Die Verfasser haben „Handlungsempfehlungen für eine klimaneutrale Psychiatrie“ formuliert.

Angesichts „neuer Belastungen durch den Klimawandel“ sei mit einer Zunahme des psychiatrischen Versorgungsbedarfs zu rechnen. Zunehmenden Handlungsbedarf könne es bei Depressionen, Angsterkrankungen und Traumafolgestörungen geben. Die zu erwartende „klimabedingte Zunahme von Migration“ erfordere zudem „kultursensible Angebote“.

Die Psychiatrie müsse sich auf Versorgungskonzepte einstellen, „die nachhaltig sind und dem steigenden und sich verändernden Bedarf gerecht werden“. Die Taskforce „Klima und Psyche“ habe sich ausführlich mit den Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit der Klimakrise innerhalb der Psychiatrie auseinandergesetzt.

Für die Bereiche „Versorgung“, „Forschung“ und „Aus-, Fort- und Weiterbildung“ habe das Gremium Handlungsempfehlungen erarbeitet, „die zur Nachhaltigkeit der Psychiatrie beitragen können“.

Obdachlosigkeit und soziale Isolation verringern

Dazu gehört etwa mehr Prävention in der Psychiatrie, die Einplanung von zusätzlichen Grünflächen in Einrichtungen und die Verringerung von Obdachlosigkeit und sozialer Isolation. Des Weiteren gehöre das Thema Klima und Psyche in die psychiatrische Aus- und Weiterbildung.

Die Verschwendung von Ressourcen in Behandlungsabläufen sei künftig zu vermeiden. Tierische Produkte in Speisen müssten minimiert werden, pflanzliche Ernährung sei vorzuziehen.

Ziel sei, dass die in der Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen Tätigen über die Zusammenhänge von Klima und Psyche informiert sind. Zudem müssten sie sich ihrer „gesellschaftlichen Verantwortung“ bewusst werden.

Dazu gehöre sowohl die Aufklärung und Motivation zu klimafreundlicher Verhaltensänderung bei Patienten oder der Beitrag zu Resilienzförderung. Darüber hinaus sei „auch die Öffentlichkeit laufend über neue Erkenntnisse zu diesen Zusammenhängen“ zu informieren.



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