Russischer Ex-Doppelagent wurde Opfer von Nervengift

Epoch Times8. März 2018 Aktualisiert: 8. März 2018 7:18
Der ehemalige russische Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Yulia sind höchstwahrscheinlich Opfer von Nervengift geworden. Das teilte der Chef der britischen Anti-Terror-Einheit, Mark Rowley, in London mit.

Die mutmaßliche Vergiftung des russischen Ex-Spions Sergej Skripal in Großbritannien wirft viele Fragen auf – allen voran diese: Wer steckt dahinter? Während viele Experten und Kreml-Kritiker mit dem Finger auf Moskau zeigen, verwerfen andere diese Theorie als geradezu lächerlich.

Der Fall ist ebenso spektakulär wie mysteriös: Ex-Doppelagent Skripal, der in Russland in Haft war und 2010 im Rahmen eines Gefangenenaustauschs nach Großbritannien kam, wurde bewusstlos auf einer Bank vor einem Einkaufszentrum im englischen Salisbury gefunden – neben seiner ebenfalls bewusstlosen Tochter Julia. Beide schweben immer noch in Lebensgefahr. Die britische Polizei geht inzwischen von einem gezielten Mordanschlag mit einem Nervengift aus.

„Die Familie anzugreifen und jemanden, der Teil eines Austauschs war, ist ein Novum“, sagt der Russland-Experte Bruce Jones vom britischen Magazin „Jane’s Defence Weekly“. Ein solcher Angriff könnte für Russland verschiedene Vorteile haben, meint er. Es könnte „eine Warnung an jeden sein, der erwägt, ein Verräter zu sein“. Skripal ist ein Ex-Offizier des russischen Militärgeheimdienstes. Weil er Agenten an den britischen Geheimdienst MI6 verraten hatte, wurde er in Russland inhaftiert.

Für Kreml-Gegner ist der Fall klar: „Vergiften ist die Methode der Wahl für den FSB“, den russischen Inlandsgeheimdienst, sagt Juri Felschtinski. Felschtinski ist ein Freund von Alexander Litwinenko, dem Ex-FSB-Agenten, der 2006 in London mit einer radioaktiven Substanz vergiftet und getötet wurde. Die Spur führte damals nach Moskau.

Der Vorfall in Salisbury sollte im Kontext der Präsidentschaftswahl in Russland am 18. März gesehen werden, in der Staatschef Wladimir Putin praktisch unangefochten zur Wiederwahl antritt, sagt Felschtinski. „Dies trägt die Handschrift eines Putin-Attentats.“ Putin warne „jeden im FSB, niemals abtrünnig zu werden, weil man dann gejagt und getötet wird“, heißt es in einer in britischen Medien veröffentlichten Erklärung Felschtinskis.

Bill Browder, ehemaliger Investor in Russland und inzwischen Putin-Kritiker, sagt: „Putin macht das als Demonstrationseffekt.“ Browder führte eine Kampagne im Gedenken an seinen ehemaligen Mitarbeiter Sergej Magnizki, der Betrug durch russische Behördenvertreter öffentlich machte, bevor er 2009 in russischer Haft starb.

Putin wolle „jeden in absolute Angst vor ihm“ versetzen, sagt Browder. „Er muss nicht jeden töten, er muss nur ein paar Leute töten und klarstellen, dass einem schreckliche Dinge passieren, wenn man Putin in die Quere kommt.“

Der britische Außenminister Boris Johnson hatte eine „angemessene und robuste“ Antwort seiner Regierung angekündigt, sollte ein Staat hinter der Attacke auf Skripal stecken – und in diesem Zusammenhang Russland genannt. Moskau könnte auf diese Reaktion gesetzt haben.

„Wenn es Kritik oder Sanktionen gegen Russland gibt, kann das vom Kreml zu seinem Vorteil genutzt und manipuliert werden“, sagt Jones. Russland könne sich so als „tragisches Opfer“ darstellen.

Jones verweist auch darauf, dass sich Großbritannien wegen des Zweifels an der Führungsstärke von Premierministerin Theresa May und den schwierigen Brexit-Verhandlungen in einer „verletzlichen Position“ befinde. Browder erinnert daran, dass Großbritannien auf den Litwinenko-Mord nicht hart reagiert habe. „Diese Untätigkeit verleitet Putin, in diesem Land Leute zu töten.“

Auch Pawel Felgenhauer, Analyst der Zeitung „Nowaja Gaseta“, sieht Moskau hinter der Tat. Niemand anderes habe ein Interesse, sagt Felgenhauer. Derartige Attacken stünden „in der Tradition des FSB“.

Andere, wie der ehemalige sowjetische Spion Michail Ljubimow, tun derartige Vermutungen ab. „Wer ist Skripal? Wen interessiert er?“ Skripal sei an Großbritannien übergeben worden. „Wenn wir ihn hätten töten wollen, hätten wir ihn hier getötet, aber wir haben ihn freigelassen.“

Der russische Militäranalyst Alexander Golz verweist auf Skripals „abenteuerlichen Charakter“. Niemand wisse, „in welches Abenteuer er sich in Großbritannien begeben haben könnte“. (afp)

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