Länger arbeiten und weniger Urlaub – Ein Rezept zur Finanzierung der Corona-Schulden

Von 22. Juni 2021 Aktualisiert: 22. Juni 2021 16:30
IW-Direktor Michael Hüther fordert von der nächsten Bundesregierung Reformen bei der Arbeitszeit und der Erwerbsintegration. Im Vergleich mit der Schweiz und Schweden arbeiten die Deutschen zu wenig. Und sie hätten mehr Urlaub.

Steuern erhöhen? Das wäre eine Möglichkeit, die Corona-Finanzlücken im Haushalt zu stopfen – es würde jedoch die Wirtschaft abbremsen, die noch damit kämpft, wieder stärker in Schwung zu kommen.

Eine andere Variante, bei der es um die Arbeitszeit geht, legte das Institut der Deutschen Wirtschaft in seinem Kurzbericht 37/2021 vor. Prof. Dr. Galina Kolev und Dr. Thomas Obst nahmen sich Deutschland, die Schweiz und Schweden vor und verglichen die Arbeitskräftepotenziale der Länder.

Würde in Deutschland die Erwerbstätigenquote um 2,5 Prozentpunkte und die Jahresarbeitszeit in Deutschland auf das Niveau der Schweiz erhöht (um 11 Prozent), dann könnte das Bruttoinlandsprodukt binnen zehn Jahren um bis zu 8 Prozent steigen. Gleichzeitig würde die Schuldenstandsquote um mehr als 16 Prozentpunkte sinken.

Anders gesagt: Mehr arbeiten pro Woche bei weniger Urlaub pro Jahr führt zu Wirtschaftswachstum und zum Abbau der Schulden.

Länger arbeiten pro Woche

Der Ländervergleich zeigt: Schweizer arbeiten nicht nur deutlich mehr Stunden pro Woche, sondern auch fast anderthalb Arbeitswochen mehr. Die Jahresarbeitszeit (Wochenarbeitszeit und Arbeitswochen) liegt in Schweden um 7 Prozent höher und in der Schweiz um 11 Prozent höher als in Deutschland.

Laut der Studie kommen Beschäftigte in Deutschland auf durchschnittlich rund 34 Stunden pro Woche und genießen 31 Tage Urlaub pro Jahr. Schweizer arbeiten wöchentlich hingegen mehr als 36 Stunden bei 25 Urlaubstagen. Dabei werden jeweils Voll- und Teilzeiterwerbstätige einbezogen.

Das IW übertrug die schweizerische Wochenarbeitszeit und die Jahresarbeitswochen auf das deutsche Arbeitsmarktmodell und errechnete ein brachliegendes Potenzial von 7,7 Milliarden Stunden. Binnen zehn Jahren könnten diese 7,7 Milliarden zusätzlichen Arbeitsstunden zu einer Steigerung des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts um sechs Prozent führen.

Teilzeit abbauen, mehr Vollzeitbeschäftigte einstellen

Eine Steigerung der Erwerbsbeteiligung um 2,5 Prozentpunkte könnte zusätzlich das Arbeitsvolumen um 1,83 Mil­liarden Stunden in Deutschland erhöhen, heißt es in der Studie.

Kommt die Steigerung der Erwerbstätigenquote zu den 7,7 Milliarden Arbeitsstunden hinzu, dann läge das BIP bei 8 Prozent (binnen zehn Jahren). Das könnte erreicht werden, indem unfreiwillige Teilzeit abgebaut wird und die Wochenarbeitszeit der Frauen an die der Männer angeglichen wird.

„Viele Frauen beispielsweise arbeiten unfreiwillig in Teilzeit, weil Kitaplätze fehlen. Allein für die Unter-Dreijährigen fehlen 340.000 Betreuungsplätze. Diese Versäumnisse aus den vergangenen Jahrzehnten kommen uns jetzt teuer zu stehen. Um die Krisenfolgen zu bewältigen, müssen wir jetzt alle mit anpacken“, erklärte IW-Chef Michael Hüther gegenüber der „Bild“.

Durch diese zwei Hebel könnten die Staatsschulden beschleunigt abgebaut werden. Die Schuldenstandsquote läge nach zehn Jahren dann um knapp 5 bis 16 Prozentpunkte unter dem Niveau, das sich ergäbe, wenn die heutige Arbeitszeit und die Erwerbstätigenquote beibehalten würde. Die Schuldenstandsquote verdeutlicht das Verhältnis zwischen Staatsschulden und Wirtschaftsleistung.

Naiv: Deutschland würde aus den Schulden herauswachsen

Wie eine Steigerung der Anzahl der arbeitenden Bevölkerung in Deutschland hervorgerufen werden kann, wird schon länger debattiert. Aktuell gehören fast 50 Millionen Menschen zur erwerbsfähigen Bevölkerung im Alter von 20 bis 64 Jahren. Die Anzahl wird bis 2030 um 4 Millionen abnehmen.

Nach einer „goldenen Dekade des deutschen Arbeitsmarktes“ stand der Staatshaushalt dank des gestiegenen Steuer- und Beitragsaufkommens vor der Corona-Pandemie glänzend da. 2020 sank das Bruttoinlandsprodukt um knapp 5 Prozent, das Arbeitsvolumen brach um 4,7 Prozent ein.

Als mittelfristige Herausforderung kommt der demografische Wandel hinzu, weshalb die Hoffnung, ähnlich der Dekaden nach der Finanzkrise Ende der Nullerjahre aus den Corona-Schulden einfach herauswachsen zu können, naiv anmutet, bilanziert das Institut.

IW-Direktor Michael Hüther fordert daher von der nächsten Bundesregierung Reformen in Sachen Jahresarbeitszeit und Erwerbsintegration: „Um die Lasten der Corona-Pandemie zu bewältigen, muss das Wachstumspotenzial des Arbeitsmarktes genutzt werden. Im Gegensatz zu Steuererhöhungsplänen und anderen Abgabenfantastereien besteht hier die Chance, ökonomische Potenziale zu entfalten, anstatt Wachstum auszubremsen.“

Wohlstandsverluste durch COVID-19 und seine Folgen

Das Institut der deutschen Wirtschaft geht davon aus, dass die Corona-Pandemie und ihre Folgen in Deutschland bisher einen Wohlfahrtsverlust von 250 Milliarden Euro verursacht hat.

Das prognostizierte BIP ohne Corona läge in diesem Zeitraum bei rund 850 Milliarden Euro, tatsächlich waren es rund 100 Milliarden Euro weniger. Im folgenden Quartal, vor allem in den Sommermonaten, schloss sich die Lücke laut IW zwar wieder deutlich, aber nie ganz.

Mit dem erneuten Lockdown seit Jahresende 2020 wurden die Wohlfahrtsverluste wieder größer. Das Institut geht davon aus, dass die Pandemie die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal 2021 „wahrscheinlich gut 50 Milliarden Euro“ kostet.

Wohlfahrtsverluste sind eine Folge von staatlichen Eingriffen und gestörten wirtschaftlichen Märkten. Ein Wohlfahrtsverlust liegt vor, wenn die produzierte Menge an Gütern von der optimalen Menge abweicht; das Gleichgewicht am Markt ist gestört. In die Berechnung werden Steuern, Zölle und Preise, Monopolbildungen und anderes einbezogen, die Betrachtung ist jedoch nie vollständig, da zukünftige Entwicklungen nicht abgeschätzt werden können.

(Mit Material von dts)

 



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